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Träger und Organe der Staatsgewalt.
(5. 37.)
einschließlich der Handelsrichter, ist gleichfalls dem König vorbehalten. Bei der Bildung
gemeinschaftlicher Gerichte für preußische Gebietsteile und Gebiete anderer Bundesstaaten
sind jedoch Abweichungen hierven gestattet (Verfassungsurkunde, Art. 87 a).
abgeschlossenen Staatsverträgen haben das Vorschlagsrecht:
Nach den
die Großherzoglich oldenburgische
Staatsregierung für eine Richterstelle bei dem Landgerichte zu Saarbrücken?;
die Fürstlich schwarzburg-sondershausensche Staatsregierung für drei Richterstellen bei
dem Landgerichte in Erfurt und für eine bei dem Oberlandesgerichte in Naumburg"“;
die Herzoglich anhaltische Staatsregierung für zwei Richterstellen bei dem Oberlandes
gerichte zu Naumburg.
Außerdem besetzt Preußen bei dem Landgerichte zu Meiningen
eine Direktor-, drei Richter-, zwei Gerichtsschreiberstellen und abwechselnd mit Meiningen
die Stelle eines Staatsanwaltes;“ bei dem Landgerichte zu Rudolstadt eine Richter= und
zwei Gerichtsschreiberstellen; beim Oberlandesgericht Jena, dessen Mitglieder durch die
Gesamtheit der beteiligten Regierungen ernannt werden, hat Preußen die Präsentation
für zwei Ratsstellen.5
Abgesehen hiervon finden Präsentationen für Anstellungen bei
1 a) DTie Verfassungsurkunde v. 31. Jan.
1850 hat im Art. 87, Abs. 1, bestimmt, daß die
Richter vom König oder in dessen Namen
auf Lebenszeit ernannt werden. Der S. 7
des Ausf. G. v. 24. April 1878 zum D.
Ger. Verf. G. (G. S. 1878, S. 231) hat dann
die Verfassung dahin abgeändert, daß alle
Richter, einschließlich der Handelsrichter, vom
König zu ernennen sind. Bisher war dieses
Recht des Königs in dem größten Teile der
Monarchie für die Richterstellen bei den Gerichten
erster Instanz dem Justizminister delegiert
(vgl. §. 36 der Vdg. v. 2. Jan. 1849, G. S.
1849, S. 1 ff.; Vdg. für den Bezirk Köln v.
19. Nov. 1815, 8. 47, und v. 16. April 1820,
8. 2, in Lottners Samml., Bd. L, S. 530 u.
Bd. II, S. 22; Bdg. über die Gerichtsverfassung
in den neuen Landesteilen v. 26. Juni 1867,
für Schleswig = Holstein, §. 39, für Hessen-Kassel,
§. 32, für Nassau, §. 31, G. S. 1867,
S. 1081, 1091 u. 1100; ferner hannoversches
Ger. Verf. G. v. 8. Nov. 1850, §. 57; Erl. v.
12. Nov. 1866, G. S. 1866, S. 734, und v.
17. Jan. 1867, G. S. 1867, S. 31; Cirk.
Reskr. des Justizmin. v. 1. März 1867, J. M.
Bl. 1867, S. 70); nur im Gebiete der ehemaligen
Freien Stadt Frankfurt und im Kreise
Herzogtum Lauenburg erfolgte die Ernennung
der sämtlichen richterlichen Beamten durch den
Käuig (vgl. Vdg. v. 19. Nov. 1866, G. S.
1866, S. 741; Ger. Verf. G. für Lauenburg v.
4. Dez. 1869, Offiz. Wochenbl., Extraausgabe
1869, S. 1). Entsprechend diesen im größten
Teile der Monarchie bestebenden Vorschriften,
war im §. 4 des Entw. des Ausf. G. zum
D. Ger. Verf. G. daran festgehalten, daß die
Landrichter, Amtsrichter und Handelsrichter von
dem Justizminister im Namen des Königs, und
nur die böheren Richter von dem König selbst
ernannt werden (vgl. die Motive zum §. 4 des
cit. Entwurfs in den Stenogr. Ber. des A. H.
1877—78, Anl. Bd. 1, Aktenst. Nr. 60, S. 529,
Sp. 1). Im Abgeordnetenhause hielt man es
jedoch dem Ansehen und der Würde der Nichter
für mebr entsprechend, wenn die Ernennung
sämtlicher Richter vom König selbst auegehe,
und das Herrenbaus und die Staatsregierung
haben sich schließlich dieser Ansicht gefügt (rgl.
den Bericht der XII. Komm. des A. H. v.
26. Jan. 1878 in den Stenogr. Ber. des A. H.
1877—78, Anl. Bd. II, Aktenst. Nr. 207,
S. 1436, Sp. 1 zum §. 6 des Gesetzentwurfes,
und die Plenarverhandl. v. 1. Febr. 1878,
ebendas. Bd. II, S. 1523—27, ferner den Bericht
der Justizkomm. des H. H. v. 7. März
1878 in den Stenogr. Ber. des H. H. 1877
—78, Bd. II, Aktenst. Nr. 112, S. 587 zum
§. 6, und die Plenarverhandl. v. 14. März 1878,
ebendas., I. 323—327). Vgl. Schwartz, Verf.
Urk., S. 250 ff.
b) Zu Versetzungen richterlicher Mitglieder
der Landgerichte und Amtsgerichte an ein anderes
Gericht erster Instanz bedarf es nicht der
Einholung einer Königlichen Versetzungsordre,
sondern solche Versetzungen sollen von dem Justizmin.
ausgehen. (Allerh. Erlaß v. 8. Dez. 1879,
J. M. Bl. 1879, S. 471.)
2 Vgl. das Ges. v. 19. Febr. 1879 (G. S.
1879, S. 18), durch welches der die obige Bestimmung
enthaltende Art. 87a der Verfassungsurkunde
eingefügt wurde. Daraufhin sind
Staatsverträge dieser Art abgeschlossen worden
mit folgenden deutschen Einzelstaaten: Lippe,
Oldenburg, Schwarzburg-Sondershausen, Waldeck,
Anhalt für Unterstellung von Gebietsteilen
dieser Staaten unter preußische Gerichte, mit
Meiningen, Coburg-Gotha, Schwarzburg-Rudolstadt
für Bildung gemeinsamer Landgerichte,
mit den sämtlichen thüringischen Staaten für
Bildung des Oberlandesgerichtes Jena. Die
näheren Verhältnisse s. unten in der Gerichtsverfassung;
vgl. auch Schwartz, Verf. Urk.,
S. 253 ff., ferner Müller, Preuß. Justizverwaltung
(4. Aufl.), 1892, I, S. 32 ff.
* Vertrag v. 20. Aug. 1878, Art. 4 (G. S.
1879, S. 165).
* Vertrag v. 7. Okt. 1878, Art. 4 (G. S.
1879, S. 173).
Vertrag von 9. Okt. 1878, Art. 3 (G. S.
1879, S. 182).
" Staatsvertr.
1879, S. 189).
1897 (Stenogr. Ber. 1896—97, Art. III,
Verh. II, S. 1670, III, S. 1750).
Staatsvertr. v. 17. Okt. 1878 (G. S.
1879, S. 196); dazu Nachtragsvertr. v. 25. Febr.
1898 (G. S., S. 113).
e Staatsvertr. v. 23. April 1878 (G. S.
1879, S. 202). Vgl. dazu auch Stenogr. Ber.
v. 17. Okt. 1878 (G. S.
Nachtragsvertr. v. 19. Febr.
S.1971: