Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1857. (48)

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den  Kurverein  zu  Rense  aufgenommen  sei,  bestimmte  Karl  durch  die
Prager  Bulle  vom  4.  Oktober  1355,  daß  Sachsen-Wittenberg  die  Kurstimme
  allein  besitzen  solle,  die  Erbfolge  nach  dem  Rechte  der  Erstgeburt
  zu  ordnen  fei  und  in  Ermangelung  eines  Sohnes  der  nächstältere
  Bruder  mit  seiner  männlichen  Nachkommenschaft  das  Erbe
anzutreten  habe.  Nachdem  die  übrigen  Kurfürsten  durch  ihre  sogen.
Willebriefe  ihre  Zustimmung  gegeben  hatten,  wurde  der  neue  Kurfürst
nun  auch  in  dem  bekannten  Reichsgrundgesetze  der  Goldenen  Bulle
von  1356  als  Mitglied  des  Kurkollegiums  aufgeführt.  Die  neuen
Bestimmungen  dieses  Gesetzes  traten  damit  auch  für  Kursachsen  in  Kraft,
daß  nämlich  die  Mündigkeit  des  Kurprinzen  erst  mit  dem  achtzehnten
Jahre  beginnen  und  bis  dahin,  im  Falle  der  vorherigen  Verwaisung,
der  nächste  vollmündige  männliche  Verwandte  oder  Agnat  die  Vormundschaft
  und  Regentschaft  zu  führen  berechtigt  sein  solle.  Um  aber
Lauenburg  nicht  ganz  leer  ausgehen  zu  lassen,  erhielt  es  die  eigentlich
kurfürstlichen  Privilegien  der  von  der  kaiserlichen  Ober-Gerichtsbarkeit
ausgenommenen  Rechtsprechung  im  eigenen  Lande,  des  jus  de  non
appellando  et  de  non  evocando,  das  Berg=  und  Münzregal  und
den  Judenschutz.  So  hatte  Rudolf,  als  er  am  21.  März  1356  starb,
für  sein  Land  und  seine  Familie  recht  Anerkennenswertes  geleistet.  Er
binterließ  seine  Lande  nunmehr  ungeteilt  seinem  gleichnamigen  Sohn,
den  ihm  die  brandenburgische  Askanierin  Intta  geboren  hatte;  eine
zweite  Ehe  mit  Kunigunde  von  Polen  hatte  ihm  keine  männliche  Nachkommenschaft
  gebracht;  aus  einer  dritten  stammte  Wenzel,  der  Rudolf  II.
im  Jahre  1370  folgte.

Rudolf  II.  erfreute  sich  derselben  Gunst  bei  Karl  IV.  wie  sein
Vater.  Da  die  Lauenburger  sich  noch  immer  nicht  über  den  kaiserlichen
  Entscheid  von  1355  beruhigen  konnten,  so  bestätigte  zu  Metz
am  27.  Dezember  1356  der  Kaiser  dem  neuen  Kurfürsten  durch  eine
besondere  Urkunde,  die  sogenannte  Sächsische  Goldene  Bulle,  alle  die
dem  Vater  zuerteilten  Privilegien  und  Belehnungen,  vor  allem  also
die  Kurwürde.  Auch  der  Pfalzgrafschaft  in  Sachsen  wird  dabei  gedacht;
  da  von  der  ursprünglich  sächsischen  Pfalzgrafschaft  das  meiste
in  brandenburgische  und  wettinische  Hände  übergegangen  war,  so  konnte
sich  diese  Würde  nur  noch  an  den  Besitz  von  Allstädt  knüpfen,  das
die  sächsischen  Herzöge  um  diese  Zeit  erworben  zu  haben  scheinen,  um

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