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15. October.
Eroberung von Gera.
An die schauerlichste Begebenheit des traurigen Bruderkrieges,
an ein Ereigniß, das den Namen Herzog Wilhelm's des Tapfern
auf immer gebrandmarkt hat, erinnert uns der heutige Tag, an die
Eroberung von Gera. — Graf Heinrich von Gera, ein noch sehr
jugendlicher Herr, hielt sich im Bruderkriege zum Kurfürsten Friedrich
und stieß öfters Schmähreden gegen des Kurfürsten Bruder, Herzog
Wilhelm, aus. Darum zog Wilhelm schon früher einmal racheschnaubend
vor Gera, um es zu nehmen. Damals wendete Heinrich's ehrwürdige
Mutter, die einen Fußfall vor dem grausamen Feinde that,
das Unglück ab. Aber im Jahre 1450 beging der junge Graf den
unverzeihlichen Fehler, sogar einen schimpflichen Brief an Wilhelm
zu schreiben. Nun war das Maß erfülltz nun eilte der leidenschaftliche
Herzog mit seinen böhmischen Ungeheuern, die einen ewig fluchbelasteten
Namen in der Geschichte haben, herbei und stürmte den
15. Ockober 1450 die Stadt. Der Angriff ward abgeschlagen; von
den Böhmen lagen viele erschlagen da, und Niemand wollte einen
neuen Sturm beginnen. Da versprach Herzog Wilhelm den blutund
beutegierigen Unmenschen aus Böhmen, daß die Stadt, wenn
sie sie eroberten, ihnen überlassen werden solle, und das vermochte sie
zum abermaligen, wüthenden Anlaufe am 16. October. Das unglückliche
Gera ward genommen;z die böhmischen Räuber brachen unaufhaltsam
über die Stadt herein und metzelten ohne Unterschied Alles
nieder. Nur einige Vornehme wurden des CSösegeldes halber verschontz
sonst aber galt weder Stand, noch Alter und Geschlecht. Auch
in den Kirchen, an den Stufen der Altäre wurden die armen Unschuldigen
erst rein ausgeplündert, dann gräßlich verstummelt. Es kamen
an diesem Bluttage über fünftausend Menschen um. Stadt und
Schloß aber wurden angezündet und nicht geruht, bis Alles zu einem
großen Aschenhaufen geworden war. Das war die Blutthat in Gera,
die der unbesonnene Heinrich veranlaßte, der wüthende Wilhelm ausübte,
oder doch zuließ, der Kurfürst Friedrich aber durch seine Langsamkeit
im Hilfebringen auch mit verschuldete.
16. October.
Lucas Aranach ltirbt.
Im Andenken der Künstler, wie des Volkes lebt noch nach dreihundert
Jahren der berühmte Zeitgenosse und Freund Luther's, der Maler
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