100 Seffion 1874/75.
Unterstützung in den Kämpfen mit dem Vatikan nicht entbehren zu
können. Nunmehr aber 1874 begann er allmählich einzusehen, daß
in diesen Kämpfen besondere Lorbeeren nicht mehr zu pflücken waren
und daß er Falk, wie Moritz von Blanckenburg in einem Briefe
an Roon es im April 1874 ausdrückte, in eine falsche Pace geführt.
Nun wurde Fürst Bismarck wieder in dem Maße reaktionär,
wie sein praktisches politisches Interesse daran aufhörte liberal zu
sein oder zu erscheinen. Allerdings stand er damals noch einem
Reichstag gegenüber, der nach den Wahlen von liberalerem Gepräge
erschien als die Vorgänger. Aber dieser Reichstag hatte sich in der
Militärfrage bereits tief gebeugt und ließ bei entsprechender Behandlung
weitere Beugungen erwarten. Zunächst kam es dem
Fürsten Bismarck, wie sich bald zeigte, darauf an, die ausschlaggebende
Partei der Nationalliberalen zu sprengen. Weiterhin galt
es Neuwahlen vorzubereiten, durch welche das liberale Element
überhaupt geschwächt und die alten konservativen Freunde wieder
emporgebracht wurden.
Hierfür begann Fürst Bismarck nunmehr in Varzin die Rezepte
auszugklügeln. Dabei war sein vertrautester Ratgeber sein
alter Famulus Hermann Wagener.
Der Famulus Wagener.
Unbeschreiblich war das Aufsehen in Deutschland, als im Oktober
1874 Hermann Wagener, der 1873 wegen Beteiligung an
den Eisenbahngründungen verabschiedete Ministerialrat in der Eigenschaft
eines autorifierten Spezialvertreters des Fürsten Bismarck
auf dem Kongreß der Sozialpolitiker in Eisenach
erschien. Der Verein für Sozialpolitik war 1872 von Professoren
begründet worden, welche im Gegensatz zu dem freihändlerischen
volkswirtschaftlichen Kongreß für eine stärkere Einwirkung des
Staates in wirtschaftlichen Fragen eintraten. Der Verein hatte
den Fürsten Bismarck selbst zum Besuch seiner Versammlung eingeladen.
Nun kam an dessen Stelle Wagener nach Eisenach, der
unmittelbar vorher dem Fürsten Bismarck in Varzin einen Besuch
abgestattet hatte.
Durch den Bericht der königlichen Untersuchungskommission,
welche 1873 aus Anlaß der Enthüllungen Laskers über Eisenbahngründungen
niedergesetzt war, war festgestellt worden, daß Ministerialrat
Wagener, ohne irgend etwas einzuzahlen oder an Gründungskosten
zu verausgaben, nur weil er es verstanden hatte, den Unternehmern
der Pommerschen Zentralbahn die Konzession zu verschaffen,