Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1857. (48)

den  Ruͤcken  marschirt,  und  als  nun  mit  verdoppelter  Kraft  am  Morgen  des

Zosten  die  verbündeten  Truppen  gegen  den  durch  so  unerwartete  —

erschuͤtterten  Feind  anstürmten  und  ihn  auf  das  Gebirge  zurückwarfen,  da

schnitt  ihnen  Kleist  den  einzig  möglichen  Rückweg  über  Peterswalde  ab  und
legte  so  die  letzte  Hand  an  die  Vernichtung  des  vor  wenigen  Stunden  noch
fiegestrunkenen  Feindes.  Ja  durch  Kleist's  kühnen  Zug  war  das  Heer  der

Franzosen  vernichtet,  nur  10,000  Mann  entkamen  durch  eine  kühne  Seitenwendung

  über  das  Gebirge;  der  Oberfeldherr  selbst  war  gefangen,  sein  ganzes

Heergeräth  befand  sich  in  den  Händen  der  Verbündeten.  So  war  denn  die

empfindliche  Scharte  von  Dresden  ruhmvoll  ausgewetzt.  Napoleon  mußte  sein

hartnäckig  behauptetes  Siegesfeld  verlassen,  um  in  den  nördlichen  Gauen  des

Königreichs  Sachsen  einen  günstigeren  Punkt  für  die  Sammlung  aller  seiner

Streitkräfte  zu  finden.

Vor  dieser  Reihe  glorreicher  Siege  war  die  Verbindung  der  großen  Landmächte,
  wenigstens  von  Seiten  Oestreichs,  noch  ziemlich  locker  gewesen;  jetzt
erst  schien  es  sich  vollkommen  zu  befestigen.  In  Töplitz  wurde  am  hten  September
  das  Bundesverhältniß  genauer  festgestellt.  Die  Herrscher  erklärten  darin,
  „daß  sie,  von  gleichem  Wunsche  beseelt,  den  Leiden  Europa's  ein  Ziel  zu
setzen  und  dessen  künftige  Ruhe  durch  die  Wiederherstellung  eines  billigen  Gleichgewichtes
  der  Mächte  zu  sichern,  sich  entschlossen  haben,  den  gegenwärkigen
Krieg  mit  ihren  gesammten  Streitkräften  fortzusetzen.  Da  sie  zugleich  die  Wirkungen
  eines  so  wohlthätigen  Einverständnisses  auf  die  Zeit  hinaus  erstrecken
wollen,  wo  nach  vollkommen  erreichtem  Zweck  des  gegenwärtigen  Krieges  ihr
wechselseitiges  Interesse  die  Aufrechthaltung  der  durch  den  glücklichen  Erfolg
desselben  herbeigeführten  Ordnung  der  Dinge  dringend  erheischen  wird:  so  haben
fie,  Preußen  und  Rußland  insbesondere,  zur  Verstärkung  des  Kalischer  Vertrages
  —  sich  über  folgende  Punkte  vereinigt:

Erhaltung  von  Freundschaft  und  aufrichtiger  beständiger  Eintracht  zwischen
  den  Herrschern,  sowie  auch  ihren  Erben  und  Nachfolgern;  gegenseitige
Gewähr  aller  Besitzungen;  gemeinschaftliches  Wirken  für  diesen  Zweck,  mithin
gegenseitige  Verwendung,  wechselseitige  Hülfe  mit  einem  Heere  von  60,000
Mann,  welches  im  Nothfall  verstärkt  werden  soll;  Verpflichtung,  nur  gemeinschaftlich
  Waffenstillstand  oder  Frieden  zu  schließen;  gegenseitige  Unterstützung
der  Botschafter  und  Gesandten  an  auswärtigen  Höfen;  Zulassung  gleichgefinnter
  Mächte  nach  gemeinschaftlichem  Einverständniß.“

In  geheimen  Artikeln  war  außerdem  Folgendes  hinzugefügt:

1)  Die  Wiederherstellung  der  östreichischen  und  preußischen  Monarchie  in  möglichst
  gleichem  Maaßstabe,  wie  im  Jahre  1805.

2)  Auflösung  des  Rheinbundes  und  gänzliche  Unabhängigkeit  der  zwischen  dem
nach  obigem  Maaßstabe  wiederhergestellten  Oestreich  und  Preußen  und  dem
Rhein  und  den  Alpen  liegenden  Staaten.  Oestreich  und  Preußen  erklären
besonders,  daß  auch  die  unter  dem  Namen  der  32sten  Militair  division  mit