1166
Winter
b. bis
8. März
2. Febr.
326 Drittes Buch. V: Scheitern der Politik Friedrichs.
So fand sich außerhalb des Erzstiftes Salzburg durch ganz Deutschland
und Burgund kein Widerstand mehr gegen die Herrschaft Paschals. Jetzt
galt es vor allem, den letzten Samen des Zwiespaltes in Deutschland, die
klerikale Partei in Salzburg, zu unterdrücken, um so eine sichere und feste
Basis zu haben, von der aus die Bezwingung und Vernichtung der italischen
Rebellen betrieben werden könnte. Dreimal berief der Kaiser den Erzbischof
Konrad, ohne daß dieser sich stellte; aber ehe noch Maßregeln
gegen ihn getroffen werden konnten, erfüllte schon eine neue Fehde Süddeutschland
mit Mord und Brand. Der leidenschaftliche Welf VI. war von
Pfalzgraf Hugo von Tübingen von neuem gereizt und in einem Gefechte
bei Tübingen besiegt worden"), fiel dann aber mit Herzog Berthold von
Zähringen in dessen Land ein, das er verheerte; dazu brach er mehrere Burgen
des Pfalzgrafen und nahm einige von dessen Leuten gefangen. Da wandte
sich dieser in seiner Not an seinen alten Verbündeten, den Herzog Friedrich
von Rothenburg. Doch dieser wollte nicht selbst gegen die Welfen kämpfen,
mit denen er sich eben verwandtschaftlich zu verbinden im Begriff war. So
rief er die ihm befreundeten Böhmen herbei, die wirklich in Franken und
Schwaben erschienen und die unglücklichen Länder auf das schändlichste und
grausamste verheerten, sogar in ihrer wilden Roheit Kirchen und Klöster nicht
schonten. Eine solche Behandlung des wichtigsten Teiles scines ganzen Reiches
durfte der Kaiser nicht dulden, jetzt, am Vorabende der entscheidenden Romfahrt,
am allerwenigsten. Auf dem großen Reichstage zu Ulm mußten Welf
und Hugo erscheinen. Ein strenges und unparteiisches Gericht ließ Friedrich
über den letzteren, den Urheber des Streites und den Verbündeten der räuberischen
Böhmen, ergehen: er mußte sich auf achtzehn Monate in den Gewahrsam
Welfs geben“").
Zu Ulm war auch Heinrich der Löwe zugegen gewesen. Während sein
wilder, aber konsequenter und einsichtsvoller Oheim wieder mit der staufischen
Partei in Kampf geraten war, schloß Heinrich sich dieser durchaus an.
War die Freundschaft zu dem Kaiser und dessen Familie bei ihm früher Sache
des Gefühls und des freien Entschlusses gewesen, so war es Furcht vor den
drohenden Angriffen im Norden und Verlangen, sich an den Staufern eine
feste Stütze zu schaffen, die ihn jetzt zu solchem Benehmen veranlaßten. Mit
dem Kaiser verkehrte er sehr häufig. Dieser hatte ihn abermals in Sachsen
aufgesucht und zu Goslar einen Hof abgehalten?“); jetzt war jenem der
% Ann. Lsingrimi Maj., p. 314.
½% Otto Sanbles., c. 18, 19. — Chr. Mont. Ser., p. 153. — Ann. Weing. Welf. —
Scheid, Or. Guelf., p. 500 f.
% ) Theod. Mon. Palid., p. 93. — Vielleicht fällt um diese Zeit die Urkunde, in der
erzog Heinrich dem Kloster Amelungsborn (bei Holzminden) ein Gehäft schenkt
# hard, Reg. hist. Westf. II, g 46, No. 1920); und die Urkunde, in der er dem
loster Obernkirchen ein Gut in Velden verleiht, das früher Volkwin von Schwalenberg
zu Lehen getragen hatte. (Spilcker, Beiträge zur älteren deutschen Geschichte
I. S. 172).