196
nur sein Großwesir regieren mochte, wenn er das schwarze
Meer von den Cosackischen Seeraͤubern zu reinigen, und um
auch im Archipelagus Sicherheit zu haben, Candia (Creta)
1645 den Venetianern zu entreißen suchte. Er selbst lebte
so, daß ihn endlich die Ulema's nach ordentlichem Urtheil und
Recht absetzen und einschließen lassen mußten. Auf eigenen
*. Befehl des Mufti wurde er in seinem Gefängniß er drosselt.
Aug. Kein Wunder, daß der Candianische Krieg 24 Jahre
lang dauerte, bis endlich nach einem Verlust von 200,00
Türken der letzte Steinhaufen, durch Verrätherei
1669 eines Griechen, sich ergab. Denn nicht nur mußte
jeder Krieg gefährlich lange dauern, wo sich die Türken auch
als Seemacht zeigen sollten, und überdies mehr Kunst als
Muth allein siegen konnte, sondern auch — sieben Jahre der
sturmvollsten Anarchie waren's bis zur Volljährigkeit des Soh-1648
nes und Nachfolgers Muhammed IV. und bis zur Wesir=1657
schaft des treuen Muhammed Kiuprili.
(de Chassepol) bistoire des grands Vizirs Mabomet Coprogli
Pacha et Achmet Coprogli Pacha. Amst. 1676. 12.
38. Man rühmt mit Recht die Administration des letz-1661.
teren, und noch mehr die Administration seines Sohnes
1675 Achmet Kiuprili; denn letztere war nicht nur weiser, als
die Wesirschaft vieler seiner Vorgänger und aller seiner Nach“
folger, sondern er gieng auch auf das ächte, alte, Osmanische
System zurück, so weit man mit Menschen ganz anderer Art
und bei voͤllig veränderten Zeiten auf jenes System zurückgehen
konnte. Er durfte es nicht wagen, eine ganz neue
Garde, eine ganz neue Armee zu bilden, aber er trieb doch
die Japitscharen so thätig aus Kriegen in Kriege, daß die
innere Ruhe des Reichs gesichert blieb.