Nummer 22
Samstag, 27. März 1915
Die russische Niederlage bei Czernowitz.
Budapest, 26. März. Es unterliegt keinem
Zweifel, daß die Russen in dem Kampfe
nördlich und östlich von Czernowitz Kne entschiedene
Niederlage erlitten haben. Die Rufsen
waren genötigt, sich vor unseren aus der
Gegend zwischen Pruth und Dujesir vorrückenden
Truppen von Westen nach Osten zu flüchten.
Ebenso haben auch die östlich von Czernowitz
vorgeschobenen russischen Truppen den Rückzug
angetreten. Unsere Truppen haben die Gemeinden
nördlich und östlich von Czernowitz besetzt,
während die Nussen sich in Novosieliza zu sammeln
versuchen. Auch heute wurde die russische
Grenze von den Unserigen an mehreren Punlten
erreicht. Ueber Czernowitz tressen unausgesetzt
russische Gefangene ein. (3.)
Die große Karpathenschlacht.
Wien, 26. März. Das große Ringen um
den Karpathenwald tobt westlich des Uzsokerpasses
am heftigsten. Die einzelnen Kämpfe weruin
von den Russen mit wahrer Wut durchgeführt.
Eine Entscheidung kann auch heute
noch nicht abgesehen werden. (J.)
Eine Erhebung in Finnland.
Stockholm, 26. März. Die russische Regierung
hat eine schärfere Bewachung des finnischen
Küstengürtels angeorduet. Man hegt große
Befürchtungen für eine finnische Erhebung. (3.)
Die Stimmung in Aegypten.
Mailand, 26. März. Ein italienischer
Journalist, der aus Aegypten zurückkehrte, erzählte
dem „Corriere della Sera“, die muselmanische
Bevölkerung sei trog der Versicherungen
der aägyptischen Behörden, die Türken häten
den Angriff gegen Aegypten eingestellt, vom
Gegenteil überzeugt. Verschiedene Meldungen
bestätigen, daß die Türken den Vormarsch auf
Aegypten in vollem Umfange fortsetzen. (3.)
Vor den Dardanellen.
Athen, 26. März. Nach Meldungen aus
Tenedos ist das englische Linienschiff,„Triumph'“,
das bei der Beschießung von Tsingtau durch
deutsche Granaten getroffen und kampfumahig
gemacht worden war, am Sammelpunkt der
Flotte der Verbundeten eingetrofsen. Gestern
lagen den ganzen Tag die Linienschiffe „Lucen
„Elizabeth“, „Agamemnon“, „Cornwallis“ und
der russische Kreuzer „Askold“ in der Nähe.
Auf der „Elizabeth“ ar die Admiralsflagge
gehißt. (3.)
Chinaund Japan.
Amsterdam, 26. März. Der „Manchester
(GHuarbi“ meldet, daß die Vereinigten Staaten
ein Memorandum an die japanische Regierung
gerichtet haben, in dem sie an das Abkommen
von 1908 erinnern. Zn diesem Vertrage sei
bestimmt, daß beide Regierungen ihren Handel
im Stlllen en frei und friedlich zu entfalten
wünschen, daß die Polittk beider Regierungen
ohne benesche olistob Absicht bezüglich
Aufrechterhaltung des Statusquo in diesem Gebiet
und auf das Prinzip der Gleichberechtigung
von Handel und Industrie in China gerichtet
sei und daß sie die gemeinsamen Interessen aller
Mächte schützen wollten, indem sie mit allen
friedlichen Mitteln die Unabhängigkeit und Integrität
Chinas und die Gleichberechtigung von
Handel und Industrie aller Nationen garantierten.
Für den Fall einer Bedrohung des
Statusquo vereinbarten damals beide Regierungen,
miteinander über die nöligen Maßregeln
in Erwägungen einzutreten. Der „Manchester
Guardian“ sagt dann, wenn diese Entente
von 19008 Wert habe, rechtferlige sie nicht
nur ein diplomatisches Eingreifen Anerilaz sondern
verlange es sogar. . befotqt
man in England doch auf einmal gewietden ist!
Bunte Chroal!.
Eine eruste Mahnung an die Kriegerfrauen
hat der Magistrat der Stadt Zeitz
erlassen: „Leider haben wir wiederum trotz
früherer Verwarnung breobachten müssen, daß
Frauen von Kriegsteilnehmern die Reichs und
Stadtunterstützung vielsach in Leckereien vergeuden
oder Kino-Vorstellungen und sonstige
Vergnügungen übermäßig besuchen. Dieses Verhalten
der Frauen, deren Ehemänner inzwischen
Not und übermenschliche Anstrengungen, Verwundungen
und selbst den Tod nicht scheuen, um
den heimischen Herd zu schützen, verdient die
schärfste Rüge. Wenn die Kriegerfrauen dank
der reichlichen Unterstützungen und vermöge eigener
Arbeit jetzt vielfach besser gestellt sind als
in Friedenszeiten, so sollten sie sich doppelt veranlaßt
sühlen, Ersparnisse zu machen, damit ihre
Ehemänner bei der Rücklehr aus dem Felde
eine wohlbestellte Wirtschaft und möglichst viele
Barmittel vorsinden, um die unvermeidlichen
Folgen des Feldzuges durch doppelt gule Pflege
wieder überwinden zu können. Sollte diese Verwarnung
fruchtlos bleihen, so wird die Kommission
für Unterstützung der Kriegersamilien ihren
bisher äußerst milden Standpunkt verlassen und
wesenllich großere Strenge bei Bewilligung der
Unleritünung eintreten lassen. Gerade m scham
los aber ist es, wenn einzelne Kriegerfrauen
die Abwesenheit ihrer braven Ehemänner be
nutzen, um sich mit anderen Männern abzugeben.
Sollten uns solche Fälie gemeldet werden, so
wird eine Veröffentlichung der Namen dieser
unwürdigen, schamloien Frauen erfolgen.“
Bächerschen.
Für die letzten Tage der Karwoche erschien
im Literar. Institut Dr. M. Hunler (Mick.
Seitz) in Augsburg, „Die zeremonien am
heiligen Karfreitag'“ von A. HOauuser,
b. g. Nat, Preis 10 Pig. „Karsams
drückt,
tagsbüchlein“. Die hl. Weihen, die Lesungen,
und das Osteramt nach dem Mehbuch
der Kirche. Von Ulrich Bauer, Pfarrer. 120)
Seiten, 210 Pfg. Karfreitag= und Karsamstagrüchlein
zusammengebunden 57 Pg.
Das Märzheft von Velhagen & Klasings
Monatsheften eröffnet ein mit
vielen Abbildungen geschmückter Aussatz über
Frans Hals, den kein geringerer als Wilhelm
v. Bode, der Generaldirektor der Kgl. Muieen
in Berlin, geschrieben hat. Der reich illustrierten
Abhandlung „England und Holland im Kampi
um die Seeherrschaft“" von Pros. Dr. Ed. Henyd
fehlt die zeitgemäße Spitze so wenig wie dem
Beitrag des Münchener Professors Friedr. v. d.
Leyen über germanische Helden oder dem des
Freiherrn v. Mackay über den Koran und die
Frauenbewegung in der Türkei. Lebhaft seiselt
den Leser die Art, wie ihm Otto Röse, der
hervorragende Kenner Frankreichs, die Fran
kosenseele nakebringt. Prof. Dr. Otto Hoensch
seht seine zeitgeschichtliche Rundschau fort, neben
der die dem Runstgewerbe dienende Illustrierte
Rundschau sich zum erstenmal seit Kriegsausbruch
wieder ein Plätcken erobert hat. Ferner
leginnt in dem Heft ein neuer Roman von Ga
briele Reuter: „Die Jugend eines Idealisten
neben ihm stehen zwei kriegerische Drrabludden
aus Vergangenheit und (begenwart von Erast
Zahn und Wilhelm Hegeler.
Karktberlchte.
München. 23. März. Der Münchener
Schlachto iehmarkt am Mirtwoch Datte ein
Gesamtangebot von 4929 Schlachttieren, und
zwar 387 Ochsen, 81 Bullen, 162 Kühe, 23
Jungrinder, 1235 Kälber. 3056. Schweine. 1°2
Schafe und 173 Lämmer, Kitze, ĩowie Span
ferlel. Der Großviehmarit hatie nur mäßiges
Angebot, doch waren von den 45 banericchen
Ochien 21 Stück, von den au? Berlin zugeführten
10 norddeutschen chien samtliche eritlassige
Tiere. Außerdem waren noch 43 gute
Kühe vorhanden. Der Handel sei,te at ijangs din
wenig lebhafter ein, slaute #s### jedoch wirder
ar, weil bie Preife neuerli ich sttigende Tendenz
zeigten. Die Berliner Ocen miren wegen der
hohen Preife ab Beoinn des Marktes unver
läuflich und fanden erst nach erfolgter Ermäßigung
und da nur langfamen #l 'atz. In der
Hauptiache gall je nach Beschaffenheit der zentner
Lebendgewicht: Ochien 48 06 Mk., Vul
len 38 18 Mk., Kühe sowie Kalbinnen 28
bis 55 Ml. und Jungrinder à„7 Mt. Zur
Heritellung von Konserven anm Rechnung des
Stadtmagii#trates wurden nur eiwa 30 Stüt
den Marktbefländen entnommen. Der Kaälbermarkt
Batie Mittelangebot. Der Beschaffendeit
nach waren nur elwa 20½0) Slui des Vorraies
gute, 3u½2 Stück mi#ntlere und der Rett minder:
Ware. Der Handel gestaltele sich elwas geweil
die —— mit N Aich- auf die
bevorstehenden Osterfeiertage durchwegs gehal
ten wurden. Im weiteren Verlaufe machte sich
in minderen und teilweise auch mittleren Quali
tälen eine schwach nack gebende Tendenz bemert
bar. Es galten je nach Beschaffenheit lebende
Tiere 46 61 Mk., geschlacktete 55 71 Ml.
t Zentner. Der Schweinemart! hatie infolge
der nur schwachen Zufuhren aus Norddenuch
land für einen Wochen Hauptmarkt nur mäßiges
Angebot. An Fettschweinen waren nur etwa
2Stück, an mittelschweren Tieren etma 1200)
Stück vorhanden. Alles ubrige war jsunge, unker
120 Pfund Lebendgewicht selmere Ware. Der
Handel senzte ziemlich flot: ein und mußten des
halb um 1 ½ Ml. höhere Preise angelegt
werden nicht bloß in befferen, sondern auch in
leichteren Qualiläten. In der Hauptsadle gal
ten lebende Tiere 60 72 Hl., geschlachtele
74 60 Mk. Besie Ware er ielie lebend bis
zu 75 Mk., geschlachtei bis zu 90 Ml. per
Zentner. Der Schafmarkt hatte sehr schwaches
Angebot. Der Beschaffenheit nack waren 2°%
Stuck Masthammel, I!! Stück mindere. all:
ubrigen Tiere mittlere Ware. Ungeachtei
flauen Geschaftsganges wurden die Preilc ziem
lich gehalten und gallen geichlachtete Tiere 1,
bi? 73 Mk. der Zeniner.
Wetierbericht- f#r Samstag, den 27. März.
Zunach'n noch Niederschläge, dann Besierung.
Nachlfrost.
Eine Aufklärung. Bezüglich der R
sorm-Nährmittel bei#eht bei Vielen noch großer
Weifel. obes nicht lauter „kundtliches HDeug“ ĩei.
Diese Ansicht ist gru: rofalig. nur Einbildung und
Vorurteil. Es sind im Gegenteil die Salur
reinen, nahrhaftenen und be'tverdaulichsten v
bensmit:el, die produziert werden können, uan
Aerzte und Professoren aller Länder längst be
lätipen. Auf (Grund eigener Erfahrungen 1a
den sich schon viese Tamende der gesundhen
licken Lebensreiorm angeichlo sen. Es iin wii
enĩchaitlich sellgemellt, dan das Wilasstenreich
die hockiten Nai eiioffe hat; deehalb im den V.
nelcbilien alles. was der Mensch notig hai 7
weife, et#,Kohlele ndrat. Nalrialze abiuge
winnen. tras sich seit Jahren die Nabrmitie.
Indut rie zur Aufgale geiieln hal, Dabei hai
rie er schon zu einer hoßen Volltommenteit ge
bracht. Alio forl mi: allem Vorurteil!
B’kanntmachung.
Betreff: Kontrolle des Brot-= u. Mehlverbrauchs.
Mit Beginn der ÖOsterferien find die Brotund
Mehlkarten derjenigen Schuler. welche ihre
Ferien anßerhalb des Stadtbezirls zubringen.
von den Hausleuten an den Stadlmagsrtct abjuliefern.
Rosenheim, den 21. März 1912. 2001
Stadtmagistrat.
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SONNTAC, den 28. März 1915
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