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lassen es sich die Städte angelegen sein zu betonen, dafs es ihnen
um Luther und dessen Lehre nicht zu thun sei. In einem anderen
Schriftstück, welches auf derselben Versammlung entworfen wurde,
machen sie ferner darauf aufmerksam, dafs nach dem Buchstaben
des Ediktes selbst längst die überwiegende Mehrheit der Reichsstände
als Übertreter desselben hätte in die Acht sethan werden
müssen, da nur der kleinere Teil der Stände dem Edikt nachzukommen
versucht habe. ')
Und das verhielt sich in der That so wie die Städte angaben.
Den meisten katholisch gesinnten Ständen machten ihre Unterthanen
so viel zu schaffen, dafs sie nicht wohl daran denken
konnten, das Edıkt in seiner vollen Schärfe durchzuführen. Wohl
schritt in Österreich Erzherzog Ferdinand seit der Aufrichtung der
Regensburger Vereinigung nachdrücklicher als vorher wider die
lutherische Bewegung ein, die zu ersticken er sogar Blut vergols.
Aber sein Mühen war eitel; trotz aller Verfolgung nahmen auch
in semen Landen die Lutherischen eher zu als ab; namentlich
unter den Augen des Fürsten selbst, in Wien, ist alles lutherisch;
in Tyrol aber beginnt man Ferdinand aufsässig zu werden; man
verlangt, dafs er nach Innsbruck komme, andernfalls droht man,
ihm nicht mehr zu steuern. Aber der Erzherzog getraut sich nicht
Wien den Rücken zu kehren, weil er weıls, dals, sobald er fort
ist, die Lutherischen vollends die Oberhand gewinnen werden.
Auch persönlich ist Ferdinand bei seinen Unterthanen unbeliebt,
mehr freilich noch seine Vertrauten; der verhafste Salamanka,
Graf von Ortemburg, sowie der Kardinallegat Campeggi, den das
Volk zerreiflsen möchte, sind der Gegenstand zahlreicher Pamphlete,
die aber auch vor der Person des Erzherzogs selbst nicht Halt
machen. ?)
Anderwärts in den Landen katholischer Stände sah es auch
nicht viel besser aus. Aus dem äufsersten Süden des Reiches, aus
Tyrol, erscholl der Klageruf an den Papst, das lutherische Übel
ı) S. den Ulmer Städtetagsabschied, d. d. Aftermontag n. Nicolai (13. Dez.)
1524, in den Stadtarchiven von Köln und Speier.
?) Nach den Berichten des Venetianers Carlo Contarini, der in der Umgebung
des Erzherzogs als Vertreter seiner Vaterstadt verweilte. Im Auszug
bei Thomas, Martin Luther und die Reformbewegung in Deutschland 1520
bis 1532 in Auszügen aus Marino Sanudos Diarien, — besonders nr. 98, 101
bis 104, August bis Oktober 1524.