Nahrungsmittel. 95
Feuchel, Kümmel, Vanille usw. sind von ähnlichem Gesichtspunkte
aus zu betrachten; sie alle aber können nicht allein genossen werden.
Meerrettiche haben mit Zwiebeln eine gewisse Schärfe gemeinsam, die
sie manchen Personen unangenehm macht, ja auch schädlich werden läßt.
Tränendrüsen und auch die Riechnerven werden von beiden sehr gereizt; man
wähle daher nur milde Sorten und meide die scharfen, was auch vom Senf
gilt, der ebenso harmlos wie unerträglich beißend sein kann. Den an süße
Früchte gewöhnten Personen werden Reize, durch Senf, Zwiebel und Meerrettich
erzeugt, höchst widerlich sein; Kinder schütteln sich oder fangen zu schreien
an, wenn ihre Wirkung fühlbar wird. Worauf deutet dies?
Biertrinker, starke Fleischesser lieben dagegen das edle Kleeblatt, und
die Gastwirte wissen, welche Wirkung Senf und Meerrettich haben: sie erzeugen
Durst und steigern daher den
Genuß beim Biertrinken. Die
Schleimhaut der also gereizten
Magenwände können wir aber leider
nicht gleich zu Gesichte bekommen.
Und so bleibt der Sieg zunächst
dem Wirte, der Schaden dem
Gaste. Die verschiedenen Pfefferund
Paprikaarten werden nur
von kräftigen Personen, deren
Gaumen und Magennerven an die
stärksten Reize gewöhnt sind, oder
von Landvölkern, die viel Fett verzehren,
bevorzugt· Starken Rau- Fig. 11. Verdorbener Essig mit Essigälen.
chern und Weintrinkern schmecken Vergröbert.
Petersilie oder Zitronenschalen
nicht mehr; da muß man schon mit stärkeren Mitteln und Dosen kommen. Zum
Essig kommt der Pfeffer, reichlich Kochsalz nicht zu vergessen, dann erst ist
für sie ein Salat wirklich „angemacht“. Die viel Speck verzehrenden Ungarn
könnten die aufgenommenen Fettmassen wahrscheinlich nicht bewältigen, wenn
nicht ein starkes Gewürz, die rote Paprika, die den nicht daran Gewöhnten
den Mund zu verbrennen droht, die Nerven des Verdauungskanals so reizte,
daß sie Verdauungssäste reichlicher abscheiden. Außerdem glaubt man, daß
die Paprika ein Mittel gegen das landesübliche Fieber ist, was aber wohl
weniger auf geheimnisvolle Arzneiwirkung als auf die dadurch entstehende
energischere Verdaunng zurückzuführen ist. Von anderen Völkern erzählt man
ähnliche Gebräuche.
Zucker und Salz zu den „Gewürzen“ zu rechnen, weil sie zur Geschmacksverbesserung
so viel verbraucht werden, ist eine ebenso veraltete wie
unwissenschaftliche Methode. Was Chlornatrium (PKochsalß) ist, haben wir