Full text : Handbuch zum praktischen Gebrauch der Kreis- und Amts-Ordnung.

Veterinärpolizei.  209

ei  tritt  zuweilen  auch  Lühmung  des  ganzen  Hintertheils  (Kreuzlähmung)
erreich  saw  lhte  Theile  sind  ohne  Kraft,  so  daß  die  Thiere  sich  auf  die  Füße
gar  nicht  stützen  können,  sondern  dieselben  schlaff  herabhängen  lassen;  ebenso  hängen
die  Ohren,  das  obere  Augenlid  und  die  Lippen  an  einer  Seite  herunter  oder
die  letzteren  sind  nach  der  nicht  gelähmten  Seite  gezogen,  daher  das  Maul  schief
und  die  Aufnahme  von  Futter  und  Getränk  erschwert;  aber  die  Empfindlichkeit
und  Wärme  besteht  in  den  gelähmten  Gliedern  fort.  Bei  eingetretener  Kreuzlähmung
  liegen  die  Pferde  andauernd  mit  dem  Hintertheile  darnieder,  während  sie
mit  dem  Vordertheile  sich  oft  in  die  Höhe  richten  und  vergeblich  sich  bemühen
aufussehenn  nien  behalten  bis  zu  diesem  Grade  des  Leidens,  ja  selbst  bis  zum  Tode
noch  guten  Appetit  und  gute  Verdaunng,  auch  fast  ganz  normalen  Puls,  und  nur
das  Athmen  erscheint  etwas  mühsamer  ausgeübt  zu  werden.  Manche  Patienten
zeigen  abwechselnd  geringe  Freßlust,  aber  alle  magern  nun  sehr  ab  und  werden
immer  schwächer,  liegen  sich  an  verschiedenen  Stellen  wund  und  die  meisten  sterben
dann  an  Abzehrung  und  an  gänzlicher  Erschöpfung.  Einzelne  aber  verfallen  in
bösartige  Druse,  in  Rotz  und  Wurm  und  gehen  an  diesen  Komplikationen  zu

Grunde.  Z
B.  Bei  Stuten.

Auch  bei  den  Stuten  äußert  sich  die  Beschälkrankheit  zuerst  mit  Erscheinungen,
welche  auf  eine  Reizung  der  Geschlechtsorgane  deuten;  die  Schleimhaut  der  Schamlefzen
  und  der  Scheide  erscheint  etwas  mehr  als  gewöhnlich  geröthet  und  reichlich
mit  einem  consistenten,  gelblich-weißen  Schleim  befeuchtet,  welcher  hin  und  wieder
zusammenhängende  Flecken  bildet  und  aus  dem  unteren  Schamwinkel  abtröpfelt,  so
daß  die  Ränder  der  Scham  und  mehrentheils  auch  die  Schweifhaare  von  ihm  befeuchtet
  erscheinen;  an  der  Scham  entsteht  eine  Anschwellung,  welche  zuerst  am
unteren  Ende  derselben  hervortritt  und  sich  zu  dem  Mittelfleisch,  zu  dem  Euter
und  weiter  senkt.  Dieselbe  ist  fast  immer  ödematös  (d.  i.  teigartig  weich),  kalt
und  unschmerzhaft.  Die  Thiere  stellen  sich  oft  zum  Uriniren,  drängen  dabei,  entleeren
  aber  nur  kleine  Quantitäten  eines  wasserhellen  Harns,  und  zuweilen  sind
sie  in  der  Nierengegend  etwas  mehr  empfindlich  gegen  einen  Druck  mit  der
Hand.  Diese  Erscheinungen  haben  mehrentheils  eine  große  Aehnlichkeit  mit
der  Rossigkeit  und  werden  auch  gewöhnlich  für  Aeußerungen  des  Naturtriebes
gehalten.  Es  muß  aber  jedem  Kenner  auffallend  sein,  daß  hier  die  genannten
Zufälle  gerade  nach  dem  stattgefundenen  Beschälen  (Decken)  hervortreten  und  daß
sie  auch  nach  der  Wiederholung  desselben  fortdauern,  wogegen  sie  doch  sonst  bei
gesunden  Stuten  sich  unter  diesen  Umständen  bald  verlieren.  Nach  einiger  Zeit
—  bei  einzelnen  Pferden  aber  etwa  nach  8  Tagen  bis  4  Wochen  und  noch
später  —  ändern  sich  jedoch  die  Zufälle  in  der  Art,  daß  die  Geschwulst  der
Scham  sich  verliert,  daher  die  letztere  ganz  schlaff  und  faltig  wird,  später
selbst  zum  Theil  offen  steht,  während  die  Clitoris  etwas  angeschwollen  hervorsteht.
Die  Schleimhaut  in  der  Scham  nimmt  ein  gelbliches  Ansehen  an,  erscheint  jedoch
hin  und  wieder  mit  rothen  Adern  und  Flecken  besetzt  und  etwas  aufgelockert;  noch
später  wird  sie  stellenweis  blaßgrau,  zuweilen  mit  gelblichen  Knötchen,  mit=  kleinen
Bläschen,  selbst  mit  oberflächlichen  Geschwürchen  (Erasionen)  versehen.  Der
Schleim  wird  immer  dünner,  aber  auch  reichlicher  abgesondert,  so  daß  er  beständig
aus  der  Scham  fließt,  die  Schenkel  und  den  Schweif  besudelt;  er  wird  mehr
grau  oder  grünlich  oder  selbst  bräunlich  und  bildet  durch  Vertrocknen,  sowohl  in
der  Scham,  wie  auch  an  deren  Rändern,  am  Schenkel  und  Schweif  braune
Krusten.

Mascher,  Kreisordnung.  14