II. Das Ende des Fürstenbundes. 285
beuge. Kämpft Rußland weiter gegen die Türkei, so darf
Oesterreich es nicht unterstützen. England und die Niederlande
stimmten alledem zu und versprachen, bei beiden Teilen auf
die Erfüllung der eingegangenen Verpflichtungen hinzuwirken
und auf dem Friedenskongreß weiter zu vermitteln.
Es scheint in der Umgebung Friedrich Wilhelms nicht an
Leuten gefehlt zu haben, die selbst diesem für Oesterreich demü—
tigenden Frieden den Krieg vorgezogen hätten. Aber bereits
am 4. August traf die Ratifikation ein. Preußens Triumph
schien vollkommen. War er es aber auch? Verhieß er irgend
Dauer? Beide Fragen waren zu verneinen. Das hat Hertzberg,
den die öffentliche Meinung sehr mit Unrecht als den
Urheber des Reichenbacher Vertrages ansah, nur zu richtig
erkannt. Blieb doch die Türkei dem überlegenen russischen
Angriff ausgesetzt: was sie nach Preußens anfänglicher Haltung
erwarten durfte, wurde ihr nicht geleistet, es sei denn, daß
Preußen das gegen Oesterreich durchgeführte Spiel nun gegen
Rußland wiederholte. Das beabsichtigte der König auch: einen
Teil der nun in Schlesien entbehrlichen Armee wollte er sofort
nach Ostpreußen schicken. Und doch fehlten Rußland gegenüber
alle die Voraussetzungen, die einer so springenden, im
Grunde inkonsequenten Politik Oesterreich gegenüber zum Ziele
verholfen hatten. Das Bündnis zwischen diesem und Rußland
bestand und gefährdete Preußen nach wie vor. Dem Türkenkriege
fern zu bleiben, hatte sich Oesterreich verpflichtet: galt
das aber auch von einem russisch-preußischen, zumal wenn Preußen
der angreifende Teil war? Würden die Seemächte, welche die
Erfüllung der Reichenbacher Verabredungen überwachen sollten,
es ihm fern zu halten bereit und fähig sein? Hatte Leopold
nicht bloß der Not des Augenblicks nachgegeben, um die erste
günstige Gelegenheit zu benutzen, um Preußen die Demütigung
heimzuzahlen? Wo waren denn Preußens Bundesgenossen? Von
diesen hatte die Türkei zwar auf dem Papiere Gewinn von dem
Reichenbacher Vertrage. Würde sie ihn aber gegen Rußland
behaupten können? Polen wähnte sich durch Preußen verraten,
weil ihm Galizien entging. Schweden mußte eiligst mit Rußland
Frieden machen. Auf keine von diesen Mächten konnte