Full text : Rosenheimer Anzeiger. 61. Jahrngang (61)

 

Rosenhei

 

 

und  Felerlage).  —  bonnementsprels

 

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Nummer  290  D|a  Kothollsch:  Adelheid.

in

 

mer  Anzeiger

 

 

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Rosenheimer  Tagblakt

Amtliches  Publikations-Organ

Donnerstag,  16.

Dezember  1915

 

———  Anenie,  |  61.  Jahrgang

Der  bulgarische  Liegeszug  geren  Engländer  und  Franzofen.

Staatssekretär  Dr.  Helfferich  über  die  Finanzlage  des  Reiches.  —  Vermehrung  der  amerikanischen  Wehrmacht.  —  2.500
Montenegriner  gefangen  genommen.  —  Vor  dem  Einmarsch  in  Griechenland  und  der  Belagerung  von  Saloniki?  —  Die
zurückgeschlagene  englisch-französische  Heeresmacht.  —  Zwei  englische  Hilfskreuzer  gesunken.  —  Am  Suezkanal.  —  Eine
rufsisch-englische  Niederlage  in  Perfien.

Die  Rriegslage.

WIB.  Großes  Haupt  quartier,  den
14.  Dezember,  vormittags.  Amtlich.
Westlicher  Kriegsschauplatz
und
Oestlicher  Kriegsschauplatz
Keine  wesentlichen  Ereignisse.
Balkan-Kriegsschauplatz.
Südwestlich  und  südlich  von  Pleolje  haben  die
österreichisch-ungarischen  Truppen  den  Feind  erneut
  zum  Weichen  gebracht.

Dort  und  in  den  ostmontenegrinischen  Bergen
nren  elwa  2500  Gefangene  eingebracht.

Oberste  Heeresleitung.
Denatli  ftesche  Herin.

WIh.  Wien,  14.  Dex  Amtlich  wird  verlautbart:

Rufsischer  Kriegssckanpuuz.
Richte  Neues.  *

Italienischer  Kriegssc#auplas.

Die  Tätigkeit  der  Italiener  in  Judicarien
dauert  fort.  Einzelne  lleinere  Angriffe  des
Feindes  wurden  abgewiesen.  Der  an  der  Straße
nach  St.  Peter  gelegene  Stadtteil  von  Görz
stand  wieder  unter  Artilleriefeuer.

Süböstlicher  Kriegsschauplatz.
Südlich  von  Pleolje  erstürmten  unsere  Truppen
  die  montenegrinische  Stellung  auf  der
Vrane  Gora.  Im  Raume  nördlich  von  Berane
brachten  wir  neuerlich  2300  Gefangene  ein.

Der  Stellv.  des  KThef#  de  Generalstallns:
von  ÖSôter,  Felmorschall-Gentnart.

 

Die  Eeschöpfung.

Aus  allen  politischen  und  militärischen  Erwägungen
  und  Entschlüssen  unserer  Kriegsgegner
erhellt,  daß  sich  ihre  noch  immer  verkündete
Siegeszuversicht.  insofern  sie  nicht  als  reiner
Bluff  anzusprechen  ist,  nun  nicht  mehr  auf  die
Ueberzeugung  von  der  eigenen  Kraft,  sondern
fast  ausschliehlich  auf  die  Spekulation  stützt,
daß  die  Kräfte  der  Mittelmächte  auf  den  verschiedenen
  in  Betracht  kommenden  Gebieten  sich
endlich  doch  erschörfen  würde.  War  es  für  diese
Aufsfassung  also  in  den  ersten  Perioden  des  Krieges
  nur  Phrase,  wenn  unsere  Gegner,  insbesondere
  England,  mit  der  Erschöpfung  des  Feindes
rechneten,  denn  der  Krieg  war  doch  sicherlich
mit  der  Ueberzeugung  schlagender  militärischer

Ekleberlegenheit,  und  sei  es  nur  durch  die  Zahl,
begonnen  worden,  —  hat  sich  heute  nach  den
kriegerischen  Mißerfolgen  des  Vierverbandes  ein
vollständiger  Umschwung  in  den  Erwartungen
vollzogen.  Nur  mehr  die  Erschöpfung,  die  ansängliche
  Phrase,  ist  geblieben.  Und  wird  wieder
zur  Phrase.

 

Militärisch  ließe  sich  auf  Grund  der  Bevölkerungsstatistik
  vielleicht  leoretisch  eine  teilweise
Berringerung  des  Soldatenmaterials  auch  für
uns  auerechnen.  Aber  es  hbieße  denn  doch  unsere
  Gegner  für  Idioten  halten,  ihnen  zuzumuten,
  sich  der  Taliache  zu  verschließen,  daß  die
Erschopfung  an  solchen  Quantitäten  in  ihren

Ländern,  und  zwar  nicht  ebenso,  sondern  in  ungleich
  empfindlicherer  Weise  eintreten  muß.
Frankreich  ist  uns  um  nahe  u  zwei  einberufene
Alteroklassen  schon  im  Kräfteverbrauch  voron.
England  erperimentiert  mit  allerlei  Werbesfe.
men,  gebt  um  die  Einfüllrung  der  allgemeinen
Wehrpflicht  wmie  die  Kate  um  den  heißen  Brei
herum  und  lelug!  sich  selbt  mil  ieinen  Millio
nenheeren.  Und  das  zuar  menschenreiche  Ruß
land  hat  so  ungeleure  Oualitatenverluße  erlitten,
  die  durch  soldatisch  unbrauchbare  Massen
nicht  ersegt  werden  können,  daß  es  auf  unalsehbare
  Zeit  als  erschopft  angesehen  werden
muß.  Zu  unsern  Gunien  durfte  die  Erschopsungsberechnung
  auch  laum  darüber  hinweggehen,
  daß  wir  zmei  kriegsstarte  Verbundete,
Türkei  und  Bulgarien,  gewonnen  haben.

Militärisch  ließe  sich  serners  die  Erschöpfung
an  Rriegsmaterial  erwägen.  Auch  hierin  hat
unsere  überlegene  Organisation  und  Borsorgdie
  Hoffnungen  des  Gegners  durchkreuzt.  Ohne
½es  Rötig  zu  haben.  Munitionsminister  zu  er
neunen,  ohne  Amerika  und  Japan  arbeiten  zu
lassen,  hat  unsere  Industrie  die  Heeresversorgung
  durch  selbsttätiges  Indienitstellen  ihrer
ganzen  Leistungsfähigkeit  für  Kriegezwede  und
deren  Bedarf  derartig  sichergestellt,  daß  erft
kürzlich  unsere  großen  Waffen-  und  Munition
fabriken  schlicht  und  einfach  erklären  konnten,  sie
verfügten  über  so  riel  Rohmaterial,  um  auf
Jahre  hinaus  nicht  nur  Deutschland,  sondern
auch  die  Verbündeten  mit  allem  versorgen  zu
lönnen.

Bliebe  also  noch  die  wirtschaftliche  Erschöpfung,
  von  der  die  feindliche  Presse  so  erbauliche
Lügen  zu  erzählen  weiß.  Mit  der  Sprengung
der  Einkreisung  ist  dieseso  Moment  jedoch  bedeutungslos
  geworden,  denn  das  Ausbleiben
gewisser  überseeischer  Artikel  kann  gegenüber
der  Sicherstellung  der  Lebensmittel.  durch  Eröffnung
  des  Landweges  in  den  Orient,  nicht  in
Betracht  kommen.  Der  vollen  Hochwertung  dieser
  Tatsache  kann  sich  niemand  verschließen  und
daher  auch  nicht  der  hohen  Bedeutung  des  rechtzeitig
  unternommenen  Balkanfeldzuges.  Die  sinanzielle
  Erschör  fung,  an  die  das  kaufmännisch
wohlinsormierte  England  sicherlich  im  Innern
niemals  glaubte,  wenn  es  diese  Erwartung  auch
protzig  über  alle  Dächer  ausschrie,  ist  durch  das
Ergebnis  der  Anleihen,  durch  den  Stand  des
inneren  Kredits,  ebenso  als  Kriegomittel  wider
unsere  Sache  hinfällig  geworden.  Der  Zirkel
schlieht  sich  also  wieder.

Es  kommt  wieder  auf  das  rein  militärische
Moment  an.  Im  Feld  allein  mußten  die
Gegner  ihrem  Erschöpfungssystem  Geltung  verschaffen.
  Und  da  stellt  der  militärische  Mitarbeiter
  des  Berner  „Bund“  —  wohl  vornehmlich
an  die  Adresse  der  Entente  —  die  Frage:  Lohnt
die  Fortsetzung  des  Krieges?  Er  hält  die  Entente
  zwar  noch  nicht  für  unsähig,  den  Krieg
weiterzuführen  und  zu  verschleppen,  fragt  aber
vom  Standrunkt  des  schlichten  Beraters,  vrom

Standpunkt  aller,  von  der  Menichlichkeit  aus,
ob  denn  die  Persellive  einer  Weiterführung
und  Verschleppung  (hei  Aufgabe  der  Erschöpfungeidee
  noch  die  Fortsetzung  des  Krieges
lohn"t?  (M.  J.

Aus  dem  Relchstage.
Verlin,  14.  Dez.

Der  Reichstag  beschäftigte  sich  in  seiner  heuligen
  Situng  zunachst  mit  einer  Reibe  von
lleinen  Anfragen.  melche  durch  den  sozialdemotratischen
  Arbgeordneten  Liebknecht  eingereich:
waren.  Auf  die  von  Seilen  der  Regierung
darauf  ertieilten  Antwor:en  stellie  der  Alg.
Liel  lneckt  wiederholt  Ergänzungsfragen  und
neue  Anfragen,  die  unter  sich  voit  wiederholender
Leiterleit  und  Unruhe  des  Hauses  vom  Präsidenten

  als  unzulässig  bezeichnet  wurden.

 

Von  den  Anfragen  seien  erwahnt:  Ju#t  die
Regierung  bei  entixrechender  Bereitschaft  der
übrigen  Kriegfulrenden  bereit,  auf  der  Grundlage
  des  Verzichtes  auf  Annerionen  aller  Art
in  soforlige  Friedensverhandlungen  einzutreien?
Auf  welcher  sonftigen  Grundlage  ist  die  Regierung
  bereit,  in  sofortige  Friedensverhandlungen
  einzutreten?  Slaatsselretär  von  Jagow
lehnte  es  mit  Hinweis  auf  die  Verhandlungen
vom  9.  Dezember  ab,  auf  diese  Anfragen  Antwort
  zu  geben.

Abg.  Dr.  Liebknecht  fragte  weiler,  ob  die  Regierung
  bereit  ist,  die  Dokumente  über  die  unmitielbare
  Entstehung  des  Wellkrieges  dem
deutschen  Volle  vorzulegen  und  eine  parlamenlarische
  Untersuchungslommission  einzusetzen,  die
die  Verantwortlichleiten  prüfen  und  die  Verguennsikisen
  der  Sühne  zusühren  soll.  Staatsselretär
  v.  Jagom  erklärtle,  das  erforderliche
Materlal  ru  Beurteilung  des  Weltkrieges  und
der  Neutralitätsfragen  sei  bereites  veroffentlicht:
die  Veroffentlichungen  werden  fortgesetzt.  Für
die  Einsetzung  einer  parlamentarischen  Untersuchungskommission
  einzutreten,  ist  die  Regierung
  nicht  gewillt.  Verantwortlichkeit  und
Sühne  treffen  nur  unsere  Gegner!  (Beifall.)

Unter  großer  Unruhe  des  Hauses  versuchte
Abg.  Liebknecht  neue  Ergänzungsfragen  hierüber
  zu  stellen,  ohne  sich  veriländlich  machen  zu
können.  Schließlich  stellte  Abg.  Dr.  Liebknecht
Fragen,  ob  der  Regierung  bekannt  ist,  daß  die
Masse  des  deutschen  Volkes  die  Ersehung  der
geheimen  Diplomatie  durch  eine  unter  dauernder
  Kontrolle  der  Oeffentlichkeit  stehende  auswärlige
  Politik  und  deren  allgemeine  Demokralisierung
  fordert,  serner,  ob  die  Regierung  bereit
  ist,  dem  Reichstag  noch  während  des  jetzigen
  Tagungabschnines  einen  Gesetzentwurf  vorzulegen,
  der  diese  Forderungen  ersüllt  und  die
Entscheidung  über  Krieg  und  Frieden  dem  Volk
und  seiner  Vertretung  überträgt?  Staatssekretär
  v.  Jagow  lehnte  die  Bereitwilligkeit  der
Regierung  hierzu  ab.

Einer  weiteren  Anfrage  Lieblnechts  gegenüber
betressend  die  wirtschaslliche  Not  des  deulschen
Volles  und  Ergänzungsfragen  dazu  erklärte
Ministerialdirektor  Dr.  Lewald,  daß  der  Reichslanzler
  die  Beantwortung  dieser  Fragen  ablehne.
  Ebenso  lehnte  der  Regierungsvertreter
es  ab,  auf  die  Anfrage  wegen  der  Neuorien- 



 

 

tierung  der  inneren  Polik  und  Demokratifierung
  von  Verfafung,  Gesengebung  und  Verwaltung
  des  Deuischen  Reiches  und  der  Einzel:
jiaaten  zu  antworten.  Der  Abg.  Lieblknecht  versuchte
  hierzu  umer  ftürmischen  Unterbrechungen
und  Heiterkeit  neue  Erganzungsfragen  zu  stellen,
  vermochte  aber  nich!,  sich  Gehor  zu  verschaffen,
  und  der  Präsident  ging  schließlich  zum
zweiten  Punkt  der  Tagesordnung  über.

Der  wichtigite  Beschluß  der  heutigen  Sihzung
war  die  lletern  eimung  der  neuen  Kriegekreditvorlage
  ron  I  Milliarden  Mark  an  den  Ausschuß
  des  Reichebausl  altes.  Da  auch  die  Sozialdemokraten
  mit  #%  gegen  31  Stimmen  beschlossen
  hauen,  fur  die  debattelose  Ueberweifung
  der  Vorlage  an  den  Ausichuß  zu  ftimmen.
war  die  glatte  Erledigung  dieses  Punktes  der
Tagesordung  #it  erdruckender  Mehrheit  zu
erwarten.  Reichsschantekretar  Helfferich  leitele
die  Vorlage  ’in  einer  Rede  ein.  in  der  er  sehr
intereiante  Ausfuhrungen  uber  uniere  Finanz—
lage  und  die  Kriegskoften  machte.  In  einem
weileren  Bericht  Uerden  #ir  auf  seine  Ausfubrungen
  noch  zuuel  war.  #1.  Eine  Aussprache
fand  nicht  all,  hur  ließ  die  Sozialdemokralie
durch  den  Mund  des  Abg.  Scheidemann  mitteilen,
  daß  sice  ihre  Steliungnahme  bis  zur  driklen
  Lefung  vorbehalte  und  der  Kommissionsberatung
  der  Kreditverlage  zuitimme,  die  auch
einnimmig  beschlossen  wurde.
so  führte  der  Abg.  Liebknecht
  auch  am  Schlug  der  Sinung  noch  eine
Komodie  auf.  Unter  heftigen  Geilikulationen
wollie  er  Prolest  einlenen.  Seine  Worte  gingen
  aler  in  Gelächter  und  Lärm  verloren.

Die  nächte  Sißzung  findet  am  Montag,  den
27.  Dezember  fstatt.  Auf  der  Tagesordnung
iehen  die  zweite  Beratung  der  Vorlage  wegen
Kriegsgeminnitenern  und  Kriegsabgabe  der
Reichsbank  und  der  Bericht  des  Ausschusses  für
Reichshaushalt  uder  Ernahrungsfragen.  Wenn
nötig  soll  auch  am  Dienslag  der  nächiken  Woche
eine  Plenarsigung  stattfinden.  Dann  soll  die
Vertagung  bis  zum  11.  Jannar  1916  eintreten.
In  dieser  Woche  soll  der  Hauptausschuß  des
Reichstages  seine  Beratungen  fortsetzen,  um
möglich'st  viel  von  seinem  Beratungsstoff  erledigen
  zu  können.  6ç  *½

4  1  .

     
 

Wie  am  Anfang.

———

Die  Familienunterstünung.

Berlin,  13.  Dez.  In  der  heutigen  Sitzung
des  Hauptausschunes  des  Reichstages  erwiderte
der  Staatissekretar  des  Reichsschatzamtes  auf
die  Anregung  eines  Zentrumsmitgliedes,  allen
Einkommen  bis  zu  21  Mk.  JFamilienunker
flügung  zulommen  zu  lassen:  Dies  wurde  ins
Uferlolc  gehen.  Es  würden  dann  auch  solche
Personen  eine  Unteritützung  erhalten,  die  iie
gar  nicht  notwendig  hätten.  Er  müsie  bitten.
die  Leilungsfabigkeit  des  Reiches  zu  beru.]
sichtigen.  Für  die  daruler  binausgehenden  For
derungen  lönne  er  die  Verantwortung  nicht
übernehmen.

Die  Mannschaftslohnung.

Berlin,  14.  Dez.  In  der  hbeutigen  Sitzung
des  Hauptausschusseo  des  Reichstages  führte

 

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