ummer 153 *v Rosenhelmer Anzeigen 7 Samstag, 7. Juli 1012
holländischen Presse veröffentlicht wurde, ließ der
Generalgouverneur jeht auch seine Antwort an » ««—»,»c.6-dsnsquvmalskkchihntltchtett
übergeben. - -««; CQ«PY
Frhr. v. Falkenhausen sagt darin: „Eure Emi- « ;·-- s-:.,,
nenz richteten ein Sckreiben an mich, in dem
Fie so weit gingen, mir Vorhaltungen wegen
luer meiner Amtshandlungen zu machen.
erwidere hierauf, daß ich es ablehne, in
eine Auseinandersetzung dieser Art einzutreten.
Wic meinen Amtsvorgänger werden Eminenz
mich stets bereit finden, in lirchlichen Angelegenheiten
die vom Epistopat an mich gerichteten
Münsche entgegenzunehmen und ihnen, soweit
die Umslände ce gestatlten, Rechnung zu tragen.
Dafür muß ich aber entschieden verlangen,
daß alle Mitglieder des geistlichen Standes sich
streng auf die Erfüllung „ihrer religiösen Aufgabe
beschränken“.
Die Kartoffelunruhen in Holland.
In Amsterdam fanden, weitere Auoschreitungen
statt. Verschiedene Läden wurden geplündert.
Abends ging die Polizei mit dem Revolver
zur Ränmung der Straßen vor. Dabei
wurden zwei Personen ernstlich verwundet. In
der Umgebung des Gemüsemarltes lam es ebenfalls
zu Zusammenstößen. Mehrere Burschen
plünderten einige Läden. Polizei uno Militär,
die mit der größten Geduld die Menge zum
Auseinandergehen bewegen wollten, sahen sich
schlieblich genötigt, scharf vorzugehen, d da sie von
allen Seiten bedroht und angegriffen wurden.
Das Militär feuerte. Viele junge Burschen wurden
getötet, eine Anzahl wurde verwundet.
Kennzeichnend für die politiscke Bedeutung der
Kartofselkrawalle iIl das unter den Agitatoren,
die die Vostemenge aushehten, sich
mehrere Persone n befanden. die als Agenten
des „Telegragf“ bekannt sind. Anscheinend hilft
auch engliscke Agitalion bei den Unruhen.
Der neue Milliardenke dlF.
VBerlin, 5. Juli.
Der Reichs#lag hat heme seine Beratungen
wieder aufsgenommen. Nach der Begrüßungsanprache
de: Pralidenten begründete Reichsschatzselretär
v. Nöodern die Vorlage über den
neuen Kriegstredil in Löle von 15 Milliarden
Mark. Nach seinen Darlegungen haben die
Monate Februar bis Mai 3 Milliarden Mark
Ausgaben ersordert, joda *e ij den Tag
100 Millionen Marl tressen. In England betragen
die täglichen Aus gaben mehr als 150
Millionen Mark. Namontlich sind bei uns die
Ausgaben für Waisen und Munition und für
Wochlfahrtszur geliegen; auch die Zinsen sind
zu derüäsichtigen. Der Staatoseiretär redeie
dann noch der weiteren Ablieferung von Goid
an die Reichsbant das Wort, deren Goldbestand
am 5. Juni 2.5 Milliarden betrug.
Ohne noch in die Beratung der Kreditvorlage
einzutreten. verlagte sich der Reid-tag auf Freitan.
um sich dann Anfragen und den Berichten
des Verfassungsaur schussee betr. Reichstagswahlrecht
und Verlängerung der Legislatuperiode
-
er Grund für die VTertagung der Aussprache
über die Kreditor frlage ist iein Geheimnis.
In der sozialdemolratichen Mehrheilsgruppe
noölt die Beun Uigung der Kriegslredite diesmal
auf größtere Schwierigtei ten als früher. Eine
slarte Stremung in d.er sozialdemokratischen
Frallion geht dahin, die Kriegstredile entweder
zu verweigern oder ihre Bewilligung an ganz
bellimmte 1 oraussetzungen zu lnüpfen, die zum
Teil auf dem Gebieie der Friedensformeln, zum
Teil auch auf dem der inneren Nesorm liegen.
Unter allen Umsländen will man daher zunächst
den Verlauf der iommenoen Debatten und insbekondere
die Erllärungen des Reichskanzlers
*““
4%%%
Wii.
– .½„
p—.——
»-O
*
...b*: z
%
½
v
z ·#T
2 * “ 55
rvb % *-v%nn
U□
——
*’*-ie *.“o —
–
»—,·,» E *ii
i “ 9 CI —
5% !m. 7
*7 4% – W
7.
r
K1
Uie mubmsliche neue * bnm0r
I) Coucy
—* l 57“ «
, -
3%
abwarten, die am Samstag vor dem Reichslag
ersc en sollen. Uebrigens geben sich dem Vernehmen
nach die Avgecordneten Ebert, Dr.
David und Scheidemann alle Mühe, um ihre
Etion doch noch zur Zustimmung zu den
Kriegskrediten zu bewegen.
Folllische Kundschus.
Schisfahrts-Entschädigung.
Der seit langer Zeit erwartete und angekündigte
Entwurf elnes Schiffahrts-Entschädidungsgesctes
ist dem Bundesrat zugegangen. Es
Bandelt sich um die Bewilligung sehr erheblicher
Mittel zur Hebung der den großen Schi iffahrtsgesellschaften
durg den Krieg entstandenen Schädigungen,
insbesondere um den Wiederaufbau
unserer Handeloschisfabrt.
Hos- und Personalnacheichten.
Wien, 5. Juli. Am 6. Juli früh werden der
deutsche Kaiser und die Kaiserin mit Gefolge
in Lorenburg eintreffen, um dem Kaiser und
der Kaiserin den seinerzeit abgellatteten Besuch
zu erwidern.
Verschiedeue Nachrichten.
Jürich, 5 5. Juli. In der Nähe von Dachsen
wurde ein Automobil, in dem sich ein Passagier
befand, von einer Patrouille zum Halten aufgeford
ert. Da der Chauffeur der Aufsorderung
#eine Folge leistete, schos die Patronille auf
den Wagen und tötete Chaufseur und Passagier.
Der getötete Passagier ist ein Oesterreicher mit
Namen Grünzweig, der Chausfeur heißt Edgar
Schmitt. Er hörte weder auf die Haltrufe noch
auf Schreckschüsse. Da das Grenzschutztommand?
Mitteilung erhalten hatte, daß sich nächtlicherweise
geheimnisvolle Autos auf der Siteie herumtrieben
wurden drei Posten auf der Strakc auf-Le#tellt.
Dem erschosse##:: Grünzweig sollen
verschiedene Papiere abgemmmen worden sein.
cuyork, 5. Juli. Aus St. Louis wird
über Aufruhrkran alle gemeldet: Von Weißen
sind 15 Neger gelötet worden, als sic aus ihren
Von einsamen Henschen.
Noman von Fritz Ganter
(Mmachdruck verdan)
Ich rict nicht ab. Jeder muh selbst
wisten, was in ihm steckt. Nun hat sie schon
ein Jahr lang ein KLonservatorium in Köln
besucht und will sich jetzt den letzten Schliff
bier in Berlin holen. Vor einigen Tagen fragte
hie an, ob ich sie haben wolle. „Natürlich, natürlich,
remmet schrieb ich sofort. Und nun kommt
sie übermorgen. Die Rennerlen mietet ung
noch ein Stübchen ab, und dann wollen wir
leben, wer's zuerst zur Verühmtheit bringt.“
Er lächelte und faltete seine Servictte zusammen.
„Sie singt und ich male — und
vielleicht haben wirs beide noch eine ganze
Weile schlecht. Aber wir werden beide zähe
und, wenn'’s nötig ist, auch für unsere
Sprals hungern können.“
Im nachsten Augenbllck bereute er das
Eetter schon; denn er sah, daß Wolfgang, der
bis jetzt mit großem Inleresse und, wie es
chien, mit einem leisen Anflug von Neid in
gen Zügen zugehört hatte, die Augen plötzlich
mie beschamt niederschlug und an der
Unterlippe nagte
„Verzeihen Sie. bat er warm und reichte
ihm die Hand über den Tisch, „ich habe Sie
mit meiner Bemerkung nicht verlezen wollen.“
Wolfgang schüttelte den Kopf. „Sie taten
4
16)
es auch nicht. Ich kam mir plötzlich nur so
3 wor ..Rein, nein, heute nichts
mehr dav über mich
Ich bin unfähig.
kisst ne deahendinfen Es lastet alles Mögliche
· ·tan·dqtkqtwiedekvtottkqincspdudvorseine
Seele,
und die Anast padte ihn. Bor
allen Dingen erst Gewißheit, cb c# n en
mit ihr à1151
Neimars beobachtete, wie er die letzten
Bissen mit einer nervösen Hast aß und dann
nach der Uhr sah.
„Glauben Sie, daß ich heute noch eine
Wohnung sindc?
„Muß das heute noch sein? Ich wollte
Ihnen eben vorschlagen, die Nacht bei mir
au verbrine #. Die Rennerten siellt im
Atelier ein Belt anf, ecs gehlt ganz gut. und
morgen frun machen wir un?d auf die Suche."
„ sind zu nutig, aber ich muß die
neue Liebenswiit#tale. danlend ablehnen. Es
kommt mir daram an, so# nei'l wie möglich
cine Wohnung zu fmoen, da i### neine Adresse
einem Bekannten, von dem :# nerchlige Nachuchten
erwarte, mitteilen n UUnd dieser
Brief soll, wenn irgend angangig. heute noch
ort.
Reimarus erhob k-eine Einwendungen.
„Wir wollen versuchen“, saate er nur.
„Nein, nein,“ erwiderte Wottgang. aich
werde Sie auf keinen Fal weiler bemühen.
Ich stebe ohne da schon tiej in Ihrer Schuld.“
a später mit Zinsen heim“,
scher zte W „Auch die neue Schuld.
Sie müssen einseten. daß er i#: Interesse
Ihrer Absicht nur gut ½ we un ich mich mit
einer Unterstützung cht alweijen 18
Berlins Pllaser, 4 * 7 eineim
traut, und ich weis, im zudenteneiere! bienmich
genau — Sie nur!“
gang nunm nun mit *06 nt an. Er
fühlte al einer großen Sorge enlboben und
ies die Stunde, die ihn die Bekanntschaft
Diees golonen Menschei
brennenden Häusern flohen. Auch in anderen
Städten hat man wieder eimnal ein wenig Nesgertreibjagden
gemacht. Witsons verlogenen
Phrasen zu Ehren.
Vaer. handwerker--und
Gewerbebned.
Würzburg, 4. Juli.
Der Bayer. Handwerker- und Gewerbebund
hielt unter dem Vorsitz des ersten Präsidemten
A. Wagner am 1. Juli zu Mürzburg ge
meinsam mit verschiedenen anderen gewer#bi#
chen Verbänden eine gut besuchte Kriegstagung
ab. Reichstagsabgeordneter Jrl (Erding)
sprach über die Friedeneziele des deutschen
Handumeris und Gewerbes. Er fordert auereichende
Versorgung des selbständigen Kleingemerbes
mit Rohstoffen soweit möglich schon
während d-RKrieges und damn auch während
der Uebergangswirtschaft, serner ein: angemessene
Vertretung des bayer. Gewerbestandes bei
den Kriegsgeiellschaften und beim Reichskommissär
für Uebergangswirtschaft. Zur Erleichterung
der Uebergangswirtschaft empfiehli er
den Ausbau der genossenschaftlichen Organ. sationen.
In diesem Sinne wurde auch eine Entschlie-Kung
angenommen, die weiter an die bayer.
Staateregierung die Bitte richtet, die staatliche
Vermittlungsktelle für Heeresaufträg: nach
Friedensschlus zu einer sigallichen Vergebungssielle
für alle handwerlomäßigen öffentlichen
Arreiten auszubanen. Das Submissionsversahren
soll nur Anwendung finden, wo mit den gewerblichen
Korpxorationen leine Ein gung erzielt
wird. Durch den Krieg geschädigte Gewer--betreibene
sollen bei Vergebung der öffentlichen
Arbeiten in ersier Linie berücksichtigt werden.
Die Tagung begrüßt die Maßnahmen der
Regierung auf Bereitstellung von Mitteln zum
Wiederaufbdau des Handwerks. Die Entschlieung
fordert ferner: Schaffung einer Einrichtung,
wodurch Haustesitzer aus dem gewerblichen
Mittelstande untündbare Tilgungshypolhelen
zu mäsigen Bedingungen erhalten kömen,
und begrüßt schließlich die in Auosicht genommenen
Verufsberatungssiellen im Interesse der
Heranbildung eines tüchtigen Nachwuchses.
Ueber die Lage ves Kleinhandels und über
Beamtenkonsumrereine sprach Bundessekretär
L. Wenng ir. (Müncheng Neben Handwerk u.
Gewerbe erleide dermalen der Kleinhandel
schwere wirtschaftliche Nachkeile. In seiner Ernerbstlätigkeit
aufs äuferste beschränkt, zu Unrecht
angefeindet und mißtrauisch beobachtet,
ringt er unter den dürfligsten Verhättaiss uin um
seine Eristenz und Zulunft. Der. Kleinhandel
erwarte vom Staate, daß sobald w. ie möglich de
Zwangsiacke in die er hineingepreht wurde,
sällt. damit die klänftig gedundenen und teilweise
lahmgeiegten Kräfte wicder frei zum
Wohie der Vokkewirtschaft sich enrsallen können.
Eine Bevorzugung der Konsumvereine gegenüber
dem Kleinhandel habe zu unterbleiben.
Bezüglich des Verkehr, zwischen Käufer u. Verläufer
sei gegensjeitige Mbigung und Besonnenheit
zu eimpfehlen. Die Bestrebungen von
Staate-, Gemeinde= und Privarbeamten auf
Errichtung oder den Beitritt zu Beamfenwarenhäusern
müßten den lärksle.# Widerspruch des
gewerblichen Miltelstanrdes herausfordern. Im
Sinne der Ausführungen des Reserenten wurde
eine Entschließung einstimmig angenommen.
Ueber Punlt: Fursorgeversicherung für den
selbfländigen Handwerler- und Gewerdefland reserierte
Schlossermeister Oberreit (Lindau', wybei
er die Notwendigleit darlegte, auch für diesen
Beruf eine Kranken- und womäöglich eine
Invalidenversicherung zu schafsen. Die Kriegstagung
begrüßte die Bestrebungen des Deutschen
Handweris- und Gewerbekammertages, eine
Fürsorgerersicherung für den gewerblichen
Mittelstand für ganz Deutschland ins Leben zu
rufen, und erachtet die Organ'sation des Bayerischen
Handwerker- und Gewerbebundes und
seiner Sterbekasse und dem Genesungs- und Er.
holungseim ale Grundlage für eine derartige
Einrichtung in Barern.
Zum Schlusse forderte die Veriammlung von
den bürgerlichen Parteien, bei Aufsteliung ihrer
Kandidatenlisten auch den berechtiglen Wünchen
des gewerblichen Mittelstandes Rechnung
ei haile machen lassen.
Sie hatten Glück. In der Oranienburger
Straße sanden sie ein Zimmer, das Woligang
ausnehmend gesiel.
CQine Stunne später war schon ein Briel
an Doltor Geieliue unterwegs.
9 -e Tage wartete Wolsgang in
sebechater agenat. mitfast krankhafter eberreizung
auf eine Nachricht. Und dann noch emen
ganzen Tag. Er war ihm vom ersten Grau
bis zum nachtiichen Erbleichen eme einzige
Keite hoffnungoslosen Fürchtens. Und jeine
langsam verrinnenden Stunden duchten ihn
Mörder mit unbarmherzigen Gesichter
Während der Langen Zeit diesee Wanens
hing uber dem Straßengewirr Berlins ein
grauer Himmel. Der Morgen des rierten
Zages ha#te sich sogar die Regenkappe tief in
das verschlafene Gesicht gezogen. Die große
Stadt war in einen grauen Dunst gebüllt, und
in den Straßen dominierten der Schirm und
die calal n.
bysiognomie des Tages tõtete in
3 Seele den letzten kläglichen Rest
jeder Hoffnung. Auch wohl weit Draen im
Lande weinte der Himmel. und auf dem Befe
dorfer Friedhof#e# i der Totengrüber gew#ß
ein neues Grab a
Diese Vosstellung ließ Woscang nicht mehr
enn nun ein Prief ka
Die zehnte Stunde brachte
Kr “*rltt“ önberlich nichte 2 u 1 auf.
n alt?
Wolsgang grübeste micht. Cr hatte kagelang
nichts weiker getan und wollte nun aus
— t heraus mit elnem Ruck.
on las er mit Ummneraden Augen.
1), ## Ihnen noch nichts Bestimmtes
mitteilen,“ schrieb Doktor Erselins, „aber ich
glaube, daß unsere Hotfnung nicht vergeblich
sein wird. All die vergangenen Tage und
Nachte haben hart am Grabe vorübergefurrt,
und ich bin in jeder Minute darauf gesatt gewesen,
daß die nächste den Tod bringen würde.
Nun ist die Gewalt des Fiebers gebrochen.
Wir haben Schweiß und Schlaf. Und ich rauche
seit vier Tagen die ersie Brasil. An dieler Tatsache
können Sie die Grösße meiner Hoffnung
erkennen, und Sie dürfen die Ihrigen danach
regulieren. Sie erhalten bald wieder Nachricht.
Ich hoffe, daß es elne gute ist.“
In Wolfgangs Seele kam es wie ein
stummes Gebet. Die heiße Angst der letzten
Tage fiel von ihm ab. Und leine, Cedanten
wandten sich seiner Zukunft zu. e erschien
ihm im Lichte einer frohen bhepe #ietzt
weniger schrecklich, und er ging daran,
Weg zu beschreiten. Allerdings kom er vorläufig
noch nicht darüber hinaus, mit luchene
den ###en durch die Vorräume und Korridore
des — zu schlendern.
Am Nachmiltage wanderte er durch ver-Hteene
Straßen der Friedrichstadt, blieb vo#r
en Schaufenstern der Buchhandlungen seben
und las die Titel der ausgelegten Bücher. Er
erinnerte sich, vielen von H#en schon anderwärts
begegnet zu welt. Wo nur? Ach ja.
doheim, in seines Vate „Studierziromer –
dem Schrelbtisch und in #en Regalen!
(Vorlle## 7