Kampf der Parteien. 259
um jeden Preis wieder aus Spanien hinauszutreiben und jedem
Ministerium das Leben unmöglich zu machen. Wenn es galt, die
Dynastie zu stürzen, so verbanden sich mit diesen Parteien die Republikaner,
um dieselben gleich nachher auf Tod und Leben zu bekämpfen.
Die Regierung war somit lediglich auf die Moderado's
und Progressisten angewiesen, welche um die Ehre, das Ministerium
aus Männern ihrer Partei zu bilden, miteinander stritten.
Die Progressisten zerfielen selbst wieder in mehrere einander zeitweise
bekämpfende Schattirungen, besonders unter den Führern
Zorilla und Sagasta. Handelte es sich darum, daß die Progressisten
ein Ministerium der Moderado's stürzten oder umgekehrt, so halfen
die anderen Parteien kräftig mit. Die besten Namen sollten sich
in den Ministerien abnützen, kein Ministerium sollte länger als ein
paar Monate am Ruder bleiben, auf diese Weise von einer geordneten
Regierung und Verwaltung keine Rede sein, zuletzt sollte das
Chaos eintreten, und dann glaubte jede der antidynastischen Parteien
an die Spitze des Staates treten zu können. So war das
arme Land ein Spielball der Parteien; die wahren Interessen desselben
wurden bei Seite gesetzt; das Schauspiel in den Kortes sollte
für alles entschädigen. Am 3. April eröffnete der König die Kortes
und versprach, mit den Männern, den Ideen und den Tendenzen
zu regieren, welche die öffentliche Meinung, repräsentirt durch die
Majorität der Kammer, ihm bezeichnen werde. Am 2. September
trat er eine Rundreise in die östlichen, der Opposition am meisten
zugänglichen Provinzen an und wurde überall, selbst in Valencia,
Barcelona, Saragossa, auf's beste aufgenommen. Das Ministerium
Serrano blieb bis zum 23. Juli im Amt. Der König wünschte,
ein Ministerium zu bekommen, welches vorwiegend kouservativ sei,
aber progressistische Elemente in sich aufnehme. Dieses Projekt
mißlang, da die Progressisten sich weigerten, in ein gemischtes Ministerium
zu treten. Daher blieb nichts anderes übrig, als Zorilla
mit der Bildung eines rein progressistischen Ministeriums zu beauftragen.
Am 25. Juli war das neue Ministerium, in welchem Zorilla
die Präsidentschaft und das Innere übernahm, gebildet. Aber schon
am 3. Oktober sah sich Zorilla genöthigt, seine Entlassung zu geben,
da die Kortes nicht den Regierungskandidaten Rivero, sondern den
gemäßigten Progressisten Sagasta mit 123 gegen 111 Stimmen zu
ihrem Präsidenten wählten. Darauf wurde am 5. Oktober ein
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