Full text : Bei den Fahnen des III. Armeekorps von Metz bis le Mans.

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fühlte.  Daß  ich  mich  mit  ihnen  in  ihrer  Sprache  unterhalten
konnte,  machte  ihnen  unendliches  Vergnügen.  Meine  beiden
Offiziere  lagen  bei  dem  Vater  des  Mr.  Th.,  einem  alten
80jährigen  Herrn,  im  Quartier  und  waren,  da  der  alte  Mann
keine  eigene  Wirtschaft  führte,  bei  uns  zur  Verpflegung  attachiert.
  Bald  saßen  wir  in  fröhlicher  Tafelrunde  beisammen,
der  Alte  hatte  einige  Flaschen  ganz  vorzüglichen  Wein  mitgebracht,
  wie  ihn  der  Keller  seines  Sohnes  wahrscheinlich  nicht
barg,  und  bald  waren  wir  miteinander  vertraut  wie  die  ältesten
  Freunde.  Man  sah  es  den  Leuten  an,  daß  sie  uns  nicht
mit  Widerwillen  als  Feinde  an  ihrem  Tische  sahen,  darum
herrschte  ungezwungene  Fröhlichkeit.  Besonders  amüsierte  ich
mich  über  den  alten  Herrn,  der  eine  wahre  Begeisterung  für
seine  junge  Schwiegertochter  verriet.  Sie  war  aber  auch  wirklich
  ganz  allerliebst,  so  einige  kleine  Züge  machten  mir  unendlich
  viel  Vergnügen.  So  z.  B.  hatten  wir  ein  sehr  feines
Damastgedeck  auf  dem  Tische,  und  der  jungen  Frau  drückte  es
das  Herz  ab,  daß  ich  das  gar  nicht  zu  bemerken  schien.  Endlich
  konnte  sie  sich  nicht  länger  halten,  sie  erzählte  mir,  daß
das  sehr  schön  und  selten  und  ein  Hochzeitsgeschenk  sei  und
nur  bei  ganz  besonderen  festlichen  Gelegenheiten  aufgelegt  würde.
Ich  erkannte  das  gebührend  an,  erregte  aber  sehr  ihre  Verwunderung,
  als  ich  ihr  erzählte,  daß  wir  in  Deutschland  stets
solche  Gedecke  in  Gebrauch  hätten.  Nach  meiner  Ueberzeugung
ist  nämlich  bei  den  Franzosen  Bettuch  und  Tischtuch,  sowie
Serviette  und  Handtuch  ganz  dasselbe,  alles  ziemlich  grobe
Leinwand  ohne  Muster.  Ich  habe  sie  sogar  im  Verdacht,
daß  sie  je  nach  Bedarf  dieselben  als  eins  oder  das  andere
benutzen.  Dafür  spricht  z.  B.  die  Bezeichnung  linge  für  Tisch--zeug
  und  Bettzeug  und  der  Umstand,  daß  sie  Handtuch  nicht
mit  dem  eigentlichen  Worte  essuie-main,  sondern  servictte  benennen.
  Wie  gewöhnlich  gab  mein  Medaillon  mit  den  Bildern
  von  Frau  und  Kind  vielen  Stoff  zur  Unterhaltung.
Madame  Th.  interessierte  sich  sehr  dafür  und  sagte  einmal
über  das  anderemal  zu  ihrem  Manne:  „Oh,  C'est  une  grande
dame,  qu’elle  est  belle,  qu’elle  est  bellel"  Erst  gegen  11  Uhr
abends  trennten  wir  uns,  ich  hatte  du  jour  und  mußte  noch
die  Wachen  revidieren,  und  als  ich  nach  Mitternacht  davon