— 43 —
fühlte. Daß ich mich mit ihnen in ihrer Sprache unterhalten
konnte, machte ihnen unendliches Vergnügen. Meine beiden
Offiziere lagen bei dem Vater des Mr. Th., einem alten
80jährigen Herrn, im Quartier und waren, da der alte Mann
keine eigene Wirtschaft führte, bei uns zur Verpflegung attachiert.
Bald saßen wir in fröhlicher Tafelrunde beisammen,
der Alte hatte einige Flaschen ganz vorzüglichen Wein mitgebracht,
wie ihn der Keller seines Sohnes wahrscheinlich nicht
barg, und bald waren wir miteinander vertraut wie die ältesten
Freunde. Man sah es den Leuten an, daß sie uns nicht
mit Widerwillen als Feinde an ihrem Tische sahen, darum
herrschte ungezwungene Fröhlichkeit. Besonders amüsierte ich
mich über den alten Herrn, der eine wahre Begeisterung für
seine junge Schwiegertochter verriet. Sie war aber auch wirklich
ganz allerliebst, so einige kleine Züge machten mir unendlich
viel Vergnügen. So z. B. hatten wir ein sehr feines
Damastgedeck auf dem Tische, und der jungen Frau drückte es
das Herz ab, daß ich das gar nicht zu bemerken schien. Endlich
konnte sie sich nicht länger halten, sie erzählte mir, daß
das sehr schön und selten und ein Hochzeitsgeschenk sei und
nur bei ganz besonderen festlichen Gelegenheiten aufgelegt würde.
Ich erkannte das gebührend an, erregte aber sehr ihre Verwunderung,
als ich ihr erzählte, daß wir in Deutschland stets
solche Gedecke in Gebrauch hätten. Nach meiner Ueberzeugung
ist nämlich bei den Franzosen Bettuch und Tischtuch, sowie
Serviette und Handtuch ganz dasselbe, alles ziemlich grobe
Leinwand ohne Muster. Ich habe sie sogar im Verdacht,
daß sie je nach Bedarf dieselben als eins oder das andere
benutzen. Dafür spricht z. B. die Bezeichnung linge für Tisch--zeug
und Bettzeug und der Umstand, daß sie Handtuch nicht
mit dem eigentlichen Worte essuie-main, sondern servictte benennen.
Wie gewöhnlich gab mein Medaillon mit den Bildern
von Frau und Kind vielen Stoff zur Unterhaltung.
Madame Th. interessierte sich sehr dafür und sagte einmal
über das anderemal zu ihrem Manne: „Oh, C'est une grande
dame, qu’elle est belle, qu’elle est bellel" Erst gegen 11 Uhr
abends trennten wir uns, ich hatte du jour und mußte noch
die Wachen revidieren, und als ich nach Mitternacht davon