486 Ausfluß — Aussatz.
Im allgemeinen achte man darauf, ob kurze („junge“) Haare oder
lange („alte") ausfallen. Letzteres gehört zum natürlichen Wechsel und ist
nur dann krankhaft, wenn es in übermäßiger Weise eintritt. Das Ausfallen
kurzer Haare aber beweist eine Schwäche der Haarwurzel und ist immer
krankhaft.
Durch richtige Haarpflege, wie sie im Kapitel über „Schönheitspflege“
beschrieben ist, bengen wir dieser Erkrankung des Haarbodens vor,
eine Henselkur kann die den Haaren fehlenden mineralischen Stoffe ins
Olut bringen.
Husfluß. Ein flüssiger Abgang aus einer Körperhöhle oder einem
Ausführungsgang (Scheide, Ohr, Nase, Harnröhre), der infolge krankhafter
Veränderungen entstand, wird „Ausfluß“ genannt. Bei Ohrkatarrh ist der
eitrige Ausfluß eine bekannte Erscheinung, wie bei Gebärmutterkatarrh der
schleimige Ausfluß durch die Scheide usw.; Entzündung innerer Teile, übermäßige
Tätigkeit und Reizung gewisser Drüsen sind die Ursache. Der
Ausfluß kann scharf sein und alle Hautstellen, mit welchen er in Berührung.
tritt, ätzen; er kann eitrig, auch blutig oder wässerig sein, je nach dem Zustand,
der ihm zugrunde liegt. Ging seinem Auftreten Schmerz, Hitze,
Spannung voraus, so bringt er Erleichterung; dagegen führt er zur Erschlaffung
innerer Teile, auch zu unangenehmen Nebenerscheinungen, wenn
er chronisch wird, d. h. zu lange anhält.
Behandlung. Man bekämpfe seine Ursache, die Entzündung der
Schleimhäute und der Gebärmutter, innere Geschwürbildung usw., und
sorge dafür, daß der krankhafte Abgang sich nicht ansammeln kann, sondern
stets beseitigt wird, damit er nicht reizend auf gesunde Teile einwirkt. Das
„Wundwerden“ so vieler Frauen bei chronischem „Fluß“ infolge eines alten
Gebärmutterkatarrhs entsteht nur durch Einwirkung der krankhaften Ausscheidungen
auf gesunde Hautpartien. Häufige Spülungen mit Wasser und
oft gewechselte Einlagen, welche die Abgänge aufsaugen, Einfettungen und
vor allem Beeinflussungen des Stoffwechsels sind erste Bedingung. Stets
wähle man nur laues Wasser zu den Spülungen, um durch Kälte nicht noch
mehr zu reizen, und als Einlagen nasse Wattebauschen oder Wundgaze, oder
weiche alte Baumwollläppchen. Das viele „Wundwerden"“ und die Verunreinigung
der Wäsche kann man durch solche sorgfältige Pflege verhüten.
Ohne ärztliche Behandlung kommt man dabei aber nicht weg.
Die Diät spielt selbstredend bei allen Arten von Ausflüssen eine
bedeutende Rolle. Gute Darmtätigkeit und Zufuhr der meist fehlenden
Blutsalze ist unerläßlich.
Huslatz ist eine fürchterliche Hautkrankheit, die ein halbes Leben lang
andauern kann. Sie ist sehr schwer heilbar, und zwar nur bei vollständigem
Wechsel der Lebensverhältnisse und Verlassen des Heimatlandes, wie erfahrene
Arzte sagen. Sie scheint aus dem Niltal zu stammen, sich gerne an Küsten-