Gründung der Internationalen. 163
so werden wir alle sterben unter den Trümmern des in Brand gesteckten
Faubourg St. Antoine.“ Die Ziele und die Mittel waren
in den Jahren 1848 und 1871 so ziemlich die nämlichen; nur andere
Menschen giengen über die Bühne, und die Kulissen waren
anders bemalt. Neu war in diesem letzten Aufstand das Auftreten
der „Internationalen-Vereinigung“ oder schlechtweg „Internationalen,“
welche als geheimnißvolle Macht in die Geschicke von Paris eingriff
und sich der wichtigsten Drähte bemächtigte. Dieser Geheimbund
wurde nach dem Scheitern der Revolutionen von 1848 und 1849
in London gegründet, als dort Verbannte aus allen Ländern zusammen
kamen, ihre Klagen, ihre Plane, ihre Hoffnungen austauschten.
Für diese Leute, welche nach gleichen Zielen strebten, war
es ein natürlicher Gedanke, ihre partikularistischen Bestrebungen zu
kosmopolitischen, ihre nationalen Pane zu internationalen umzugestalten.
Nicht bloß einen einzelnen Staat, wie Frankreich, wollten
diese Verschwörer mit ihren Theorien heimsuchen, sondern die ganze
Welt umspannten sie mit ihrem wohl durchdachten System, um,
wenn es ihnen gelinge, an einem Punkte zu siegen, sofort auch
an den anderen Punkten die schon bereit stehenden Streitkräfte zur
Aktion aufzurufen. Flüchtige Socialisten aus Frankreich, welche das
Handwerk schon kannten und mit den Arbeitermassen umzugehen
verstanden, gaben den Anstoß zu der Internationalen, zumal als
der Erzverschwörer Blanqui im Jahre 1859 aus der Gefangenschaft
nach England kam. Aber den detaillrten Plan für ihre Organisation
erhielt die Gesellschaft durch das Talent des nüchternen und ausdauernden
Dr. Karl Marr aus Rheinpreußen. Dieser scheint in
die Statuten des Jesuitenordens einen Blick geworfen und, was
Leitung, Eintheilung, Disciplin betrifft, manch kostbares Material
aus jenen für seine Arbeiterverbrüderung benutzt zu haben. Die
Organisation ist eine centralistische. An der Spitze steht das „dirigirende
Comité,“ dem ein „Generalrath“ von etwa 30 Mitgliedern
und die mit den einzelnen Ländern korrespondirenden Sekretäre zur
Seite stehen. Die Gesellschaft ist nach den verschiedenen Ländern,
auf welche sich ihre Thätigkeit erstreckt, in verschiedene Sektionen
eingetheilt, unter welchen wir in Europa nur für Schweden und
Norwegen noch keine finden. Jedes Mitglied zahlt jährlich 5 Francs;
die Zahl der Mitglieder wird auf 2½⅛½ Millionen angegeben. Anfangs
hielt sich die Internationale in den Grenzen einer scheinbar
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