Full text : Der Deutsche Reichstag.

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wartenden  Resultate  noch  weit  höher.“)  Die  Herren  am  Bundestische
machten  lange  Gesichter,  aber  der  animierte  Reichstag  klatschte.  Doch
nun  zum  Beginn  der  Sitzung.  Ich  wollte  nur  zuvor  dem  ersten
Redner  von  Hause  den  schuldigen  Tribut  zollen.  Unter  den  dichtgedrängten
  Tribünen,  wo  mit  den  Pfingstgästen  Berlins,  den  unverkennbaren
  Bildnern  der  Jugend,  die  ebenso  unverkennbare  Börsenwelt
sich  die  engen  Plätze  streitig  machte,  bewegte  sich  ein  durchaus  nicht
über  das  gewohnte  Maß  angeschwollenes  Haus.  Es  war  die  übliche
Zweidrittel-Frequenz,  die  aber  durch  lebhafte  Unterhaltung  das  dritte
Drittel  reichlich  ersetzte.  Einige  ganz  neue  Erscheinungen  fesselten  die
Blicke  unten  und  oben.  Der  Professor  Ewald,  mit  mehr  theologisch
mildem  als  welfisch  trotzigem  Antlitz,  mit  dem  vom  kahlen  Schädel
bis  über  den  Rockkragen  herabwallenden  Haar,  war  frisch  angekommen,
um  seine  hebräische  Gelehrsamkeit  auf  Börsen=  und  Biersteuer  anzuwenden.
  Er  irrte  anfänglich  nach  einem  Platze  umher,  bis  er  auf  der
Sachsenbank  fand,  was  er  suchte.  Ein  Sachse  stellte  ihn  den  Bundesstaatlichen
  vor.  Herzliche  Grüße,  viel  Händeschütteln  wurden  ausgetauscht.
  Der  orientalische  Gelehrte  hatte  gleich  im  Anfange  der
Sitzung  Gelegenheit,  seine  gute  Gesinnung  zu  dokumentieren.  Windthorst
  wollte  die  Schlußabstimmung  über  den  obersten  Handelsgerichtshof
  vertagt  wissen,  bis  der  Etat  vorläge.  Professor  Ewald  erhob  sich
für  diesen  Antrag,  wie  er  bei  der  Abstimmung  über  den  Gesetzentwurf
sitzen  blieb.  Auf  Laskers  Antrag  wurden  die  Börsen=  und  die  Biersteuer
  in  der  Generaldebatte  zusammengefaßt.  Ein  Geh.  Oberfinanzrat
  leitete  dieselbe  ein.  Graf  Bismarck  erschien  und  verbeugte  sich
vor  dem  Präsidenten  des  Hauses,  wie  vor  seiner  nächsten  Umgebung,
als  der  Kommissarius  des  Bundesrates  das  Wort  ergriff.  Der  Oberfinanzrat
  glaubte  seiner  Sache  mehr  zu  nützen,  wenn  er  sie  weniger
finanzmäßig  trocken,  als  parlamentarisch  witzig  traktierte.  Er  gratulierte
  der  Börsenwelt  zur  Auswanderung  nach  Wien,  zu  solchem  Gelüste,
  aus  dem  Regen  in  die  Traufe  zu  kommen.  „Meine  Herren.
sagte  er,  „die  Denkschrift  des  preußischen  Finanzministers  läßt  doch
nichts  an  Deutlichkeit  zu  wünschen  übrig?“  Ach  nein!  stöhnt  und
scherzt  das  Haus.  Herr  von  Benda  und  Freiherr  v.  d.  Heydt  gehören
  auf  dem  Kampfplatze  so  notwendig  zusammen,  wie  Becker  (Dortmund)
  und  der  Generalpostdirektor,  oder  Harkort  und  der  Vice--Admiral
  des  Bundes.  Man  war  im  Anfang  der  Sitzung  gespannt  darauf.
ob  der  preußische  Finanzminister  selber  als  Abgeordneter  die  Tribüne

*)  Allerdings  eine  gründliche  Verrechnung.