Metadata : Lesebuch für die katholischen Volksschulen des Regierungsbezirks Düsseldorf. Zweiter Teil: Mittelstufe. (2)

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ein  Weilchen  steht  mein  Garten  leer;
da  kommt  von  Gästen  ein  neues  Heer.

4.  Es  gaukelt  und  schaukelt  in  lustiger  Hast
die  kleine  Meise  am  schwankenden  Ast,
und  Spechte  laden  sich  ein  zum  Schmaus
und  klopfen  den  Bäumen  die  Rinde  aus.

5.  Und  fängt  es  endlich  an  zu  schnein,
dann  kommt  ein  winzig  Höniglein,
das  kümmert  sich  nicht  um  Eis  und  Schnee,
dem  tuen  Sturm  und  Frost  nicht  weh.

6.  Das  ist  ein  frisches  Sängerblut
und  wahrt  sich  immer  den  frohen  Mut;
es  schlüpft  durch  die  Hecken  und  singt  so  klar,
als  wär'  es  Frühling  das  ganze  Jahr.

191.  Die  Lebensgeschichte  des  Maikäfers.
1r  Von  Stephan  Reinke.
Es  war  an  einem  Maiabend.  Am  Himmel  zogen  purpurne  Wolken
  langsam  daher,  die  Blumen  glühten  und  dufteten,  und  die
Nachtigall  jubelte  im  Grunde.  Da  ist  die  Mutter  unsers  Käfers
vom  vollbesetzten  Tische  der  Buche  fortgeflogen,  hat  den  schmausenden
  Brüdern  und  Schwestern  und  den  duftenden  Blumen  und  der
Nachtigall  und  dem  schönen  Himmel  Ade  gesagt  und  hat  sich  auf
dem  Acker  nebenan  ein  einsames  Plätzchen  ausgesucht.  Dort  gab
sie  sich  mit  Kopf  und  Füßen  ans  Graben  und  bohrte  sich  in  die
Erde  hinein,  etwa  drei  Finger  tief.  Unten  grub  sie  dann  eine  kleine
runde  Höhle  und  gab  sich  dort  ans  Eierlegen.  Etwa  20  hat  sie  in
einem  Klümpchen  zusammengelegt,  hat  dann  unter  der  Erde  weitergegraben
  und  sich  ein  zweites  und  zuletzt  noch  ein  drittes  Kämmerlein
  zurechtgemacht.  Das  letzte  wurde  zugleich  ihre  Grabkammer.
Todmüde  von  der  schweren  Arbeit  hat  sie  sich  neben  ihrem  Eierhäuflein
  niedergelegt  und  ist  nicht  wieder  aufgestanden.

2.

In  dem  letzten  Kämmerlein  ist  unser  Käfer  zur  Welt  gekommen.
  Nach  etwa  fünf  Wochen  nämlich  wurde  es  lebendig  in  dem
stillen  Erdenstübchen.  Aus  den  schrotkorngroßen  weißlichen  Kügelchen
  brachen  dünne  Würmer  von  der  Länge  eines  halben  Finger—
nagels  hervor.  Ihr  Leib  hatte  zwölf  Ringe,  und  sie  waren  gelblich