282 Zweites Buch. Die erste hohenzollernsche Staatsgründung.
geistiger Schwäche befallen wie der Herzog von Preußen: sie
wollte nach Berlin gehen und bis zu des Kurprinzen Rückkehr
die Regentschaft übernehmen, in der Neumark aber ihrem Sohn
Christian huldigen lassen. Der Handstreich wäre wohl gelungen,
ohe der Streit zwischen Joachim Friedrich und den Ständen
beglichen war: jetzt vereitelte ihn des Kurfürsten Genesung
schnell. Daß sich die Kurfürstin-Witwe in der Mark hinfort
nicht wohl fühlte, ist begreiflich: sie verließ das Land und
nahm ihren Aufenthalt in Amberg.
Solche Zustände im Innern hinderten ein kraftvolles Auftreten
nach außen: um Konuflikte zu vermeiden, die man jetzt
doch nicht ausfechten konnte, galt es zurückzuweichen. Das geschah
zunächst in der Straßburger Sache. Johann Georgs
Versuch, durch die Teilnahme seiner Gesandten an dem oberrheinischen
Kreistage 1600 ein Präjudiz zu seinen Gunsten zu
schaffen, hatte die Sprengung der Versammlung zur Folge;
ebenso erging es 1001. So griffen beide Teile wieder zu den
Waffen, obgleich Johann Georg nur von Württemberg und
der Stadt Straßburg Hilfe zu hoffen hatte. Bald war fast
das ganze Stift im Besitz des Metzer Bischofs. Joachim Friedrich
lehnte jedes Eingreifen ab: er fürchtete dadurch der katholischen
Reaktion nur einen erwünschten Vorwand zu geben.
Vergeblich marb auch die Heidelberger Union um seinen Beitritt,
obgleich Johann Georg und der Gubernator von Preußen
ihr beigetreten waren. Die Unsicherheit der französischen Hilfe
und der Tod Elisabeths von England (21. März) mahnten zur
Vorsicht. Und nun starb wenige Wochen später (20. April)
Markgraf Georg Friedrich. Zugleich mit dem Schicksal des
Gera-Magdeburger Vertrages standen jetzt die Jägerndorfer und
die preußische Frage zur Entscheidung, die Jülichsche aber rückte
in drohende Nähe.
Markgraf Christian hatte jetzt zu wählen, ob er durch Verzicht
auf die Ansprüche, die er nach des Vaters Testament auf
einen Teil der Mark zu haben behauptete, die reiche Entschädigung
gewinnen wollte, die ihm zu Gera und Magdeburg
verheißen war, oder einen aussichtslosen Rechteostreit beginnen,
der ihm selbsi nichts nützte, aber den Feinden seines Hauses und