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Und dennoch ist dem Preußenkönige von keinem Treffen her
bei den Nachkommen ein größerer Ruhm erwachsen, als aus der
Schlacht bei Roßbach. Die Deutschen vergaßen, daß Friedrich
dort zunächst und hauptsächlich seine eigenen Landsleute hatte schlagen
wollen. Sie sahen ihn, weil er die Franzosen geschlagen, die
er lieber ungeschlagen gelassen hätte, an als einen Vorkämpfer der
deutschen Nation gegen die Franzosen. Und bis auf den heutigen
Tag feiern ihn manche Deutsche in diesem Sinne, den Friedrich
für sich niemals beansprucht, noch gewollt hat.
Wie auf der einen Seite später mit dem Erlöschen der Erinnerung
an den Jammer der Kriege, welche Friedrich II. über das
deutsche Land gebracht, sich bei vielen Deutschen der Gedanke festsetzte,
daß Friedrich bei Roßbach wesentlich und hauptsächlich die
Franzosen geschlagen: so wuchs dafür in den Unterthanen des
Preußenkönigs eine andere Meinung empor. Die Schlacht bei
Roßbach war ein starker Keil in das Gefüge der Zusammengehörigkeit
der dentschen Stämme. Man erwog nicht, daß die militärische
Organisation des Reiches eine unendlich mangelhafte, und
die Führung dieser Reichstruppen eben darum eine sehr schlechte
sei: man dachte sich gar gern und leicht diejenigen Deutschen, welche
der Zufall unter das Haus Brandenburg gestellt, an kriegerischen
Eigenschaften höher begabt, als die andern Deutschen, die nicht
dieses zweifelhaften Glückes sich erfreuten. Die Schlacht bei Roßbach
hatte wegen des kläglichen Verhaltens der Reichstruppen eine
Selbstüberhebung der Preußen gegen sie zur Folge, die sich in
vielen preußischen Schriften jener Zeit wieder spiegelt und fortan
für lange Jahre traditionell wurde.
Damals freilich war das nicht zu verwundern. Friedrich und
seine Unterthanen standen in scharfer Spannung zu allen anderen
Deutschen. Der König warnt seine Schwester zur selben Zeit !)
1) Oeuv. XXVII. 1. 308. 15. Octbr. 1757.