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N. 298
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Redalton und Berlag Nr 72: Inseraten-Adtellung
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Rosenheimer Tagblatt
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Die neue Schlacht an der Tront in Rufsisch-Polen und Galizien.
Einc pprafenhaste französische K’gicrungscrkiärung. — bir D rbündeln am tot n PFunkt — Sbrkimmung in engiand wegen der
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neur Schiacht m Gahzun. — D# Stmmung in Nallen — Fankriich und der Dalman
Kriegs-Weihnachten.
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„Friede den Menschen auf Erden!“ klang
es vor fast 2000 Jahren auf Bethlehems Fluren
zu uns hernieder. Eine alte heilige Votschaft,
die leider in dem eben zur Neige gehenden
Jahre 1914 fast allen Wert verloren zu
haben scheint. Von Friede ist heute in weiter
Welt nichts zu bemerken, die Kriegsfackel lodert
in ganz Europa und weit über seine Grenze
ll hinaus. Bereits zum fünften Male wendet sich
der Mond, seitdem die erschreckende Kunde,
daß die Greuel des Krieges die Welt beherrschen,
an unser Ohr gedrungen ist. Ein halbes
Jahr ist seitdem in Hoffen und Bangen verstrichen.
Friede den Menschen und dock kein
Friede.
Verheißen ist der Friede all jenen, die guten
Wülens sind. Haben wir uns in dieser Hinsicht
einen Vorwurf machen? Wir sind es
sicherlich nicht, die keines guten Willens waren.
Wir hab#en den Frieden niht gebrochen, wir
haben den Krieg nick! giwollt und haben auch
leine S##uld, wenn in diese Weihnachten tein
Jubel fällt und keine Freude und heitige Slille.
Lug und Trug, wahnwigige Ländergier, lrä#
merhajter Neid sind die Urheber all des na—
menlosen Elendes und der entsetzlicken Trauer.
die jetzt das deutiche Voll beschleichen und es
ledrücken, so groß auch die Erfolge sein mögen,
die seine Söhn: mit heidenmütiger Todesverachtung
draußen vor einer Weit von Feinden
unter den schwierigsten Verkällnissen erlämpsen
müssen. Unsere Bäter, unsere Brüder,
unsere Söhne lönnen sich diesma nicht in trautem
Heim unler dem Christraum versammeln
mit den Ihrigen. Weit draußen auf gefabrvoller
Wacht, in Feindesland, im Schüyengraben
seiern sie ihre Weihnachten, aber nicht durch
unsere Schuld.
Noch wissen wir nicht, wann Frieden sein
wird, noch ist kein Ende des Krieges zu ersehen.
Bisher haben wir in der Heimat wenig
oder gar nichts davon verspürt. Unsere Helden
nahmen alles auf sich, alle Last, alles Leid.
Ihnen ist es zu danken, wenn zu dieser Weih-=nacht
neben der bangen Sorge um sie und ihr
Leben nicht auch die Greuel des Krieges im
eigenen Lande uns bedrücken. Wir wissen es
aus tausend Feldpostbriefen: im Gefecht, im
Sausen der Granaten, da schwindet alle Rührung,
alles Denken. Da lebt der Krieger nur
seiner heroischen Aufgabe. Der Krieg und sein
blutiges Handwerk ist stärker als Heimweh und
Sehnsucht. Aber am Weichhnachtsabend wird
die Heimat doch stärker sein. Da denken auch
die tapfersten Männer an ihre Heimat, an
ihre Lieben.
Und wir zu Hause? Mit banger Sehnsucht
gedenken wir ihrer, hängt unser Herz bei ihnen.
Heißen Dank schulden und rollen wir ihnen,
die draußen ihr Hereblut für uns, für unser
aller gemeinsames Materland verspritzen. Und
das ist es, was uns ermutigt und uns die Kraft
gibt, auch heuer ein Weihnachten zu feiern,
wie wir es aus unserer Kindheit Tagen schon
gewohnt sind. Uns kommt es jetzt vor allem
darauf an, sich nicht unterkriegen, sich nicht lieinmütig,
sich nicht hoffnungslos, verzagt machen
und stol#es Deutschsein riß uns zu den höchsten
Leiftungen empor. Reine, edle Neigungen drangen
in uns durch, wir reiannen uns wieder auf
unsere Pflicht, ein einig Volk zu sein, zu kämpsen
und zu fiegen. Nicht nur im Krieg! Verschwunden
ist aller Parteihader. Wie wäre
früher möglich gewesen, was dieser Tage z. B.
aus Freiburg i. Br. zu lesen war! Bei einem
vaterländischen Abend sprachen dort ein nationalliberaler
Univerfitätsprofessor, ein Rechtsanwalt,
der Zentrumsabgeordneter ist, ein kon-
zu lassen. Es sind nicht die kleinsten Heldentaten,
die weit vom Sckhuß, tagewmeit hinter der
Front, täglich in unserer Mitte getan werden
und Ueberwindung, Pflichterfullung, verhal.
tene Tränen und tapfer getragenes Leid heißen.
Darauf steht kein Verdienstkreuz, und leiner
der Frauen, die sich jenzt siumm und gefaßt
den Flor der Trauer ums Haupt winden, winlt
das fröhlich blinkende Metall einer Medaille
für Tapferleit im Krieg. Da ist kein Tag, von
dem wir am Morgen wüßten, welch schwere
Bürde er uns vielleicht noch auferlegen wird.
Aber alle hat diese ernste bittere Zeit ge
läutert. Viel Aeußerliches, Unechtes hat dieser
Krieg von uns genommen. Unser Gottvertrauen
wurde wieder lebendig, die Seele hat wieder
ihren Schöpfer gefunden. Die Lielee zum Vaterlande
flammte heiß empor, wahres Volkstum
servativer Staateminister o. D. und ein sozialdemokratischer
Stadtrat. Wer hätte dies jemals
für möglich gehalten? Wir sehen: die
Kriegsweihnackt läßt Friedensglocken ertönen.
Auf dem Schklachtfeld freilich knatern die Gewehre,
donnern die Kanonen, aber bei uns zu
Hause, in der Vollsgemeinschaft,
selbst aus des Krieges blutigem Antlitz friedvolle
Züge entgegen. Die alte Botschaft behält
doch auch heute noch ihren wahren, unerschütterlichen
Wert: Friede den Menschen,
die guten Willens sind!
Ist Weihnachten heuer auch nicht ein Friedensfest,
so muß es für alle ein Danlfest werden.
Fast volle fünf Monate schon rast der
Krieg über die Erde hin. Aber wir können
Weihnachten seiern im sesten Vertrauen auf
den endlichen Sieg, im Bewußtsein des vollen,
unbestrittenen Besitzes unserer teuren Heimat-Wir
sind geschützt und gesichert gegen Brand
und Verwüstung. Ferngehalten sind die Greuel
des Krieges von uns, von unserem Herd, von
unserer Sckolle. Der Himmel begleitet unsere
gerechte Sache mit seinem Segen. Das ist die
schönste Weihnachtsgabe zum heurigen Feste.
Ihr wollen wir uns dankbaren Herzens erinnern
und damit die Bitte verknüpfen, daß es auch
in Zukunft so bleiben möge. Diesen Dank übertragen
wir auch auf all jene, welche zur Erreichung
dieses Zieles ihr Leben in die Schanzen
schlugen für uns. Dank, heißer, brüderlicker
Dank sei für sie unser Weihnachtsgruß.
Ihr Taxferen draußen im Felde, nie werden
wir euck vergeĩĩen, was ihr in schwerer Zeit
getan. Volk und Vaterland geloben es in dieser
heiligen Stunde. Damit verknüpfen wir
die frohe Zuversickt, daß wir siegen gegen ein
Heer von Feinden in der ganzen Welt.
In diesem Sinne wollen wir heuer Weibnachten
feiern. In diesem Sinne wollen wir
am Chriftabend die Weihnacktskerzen anzunden.
Richt sollen graue Dämmerungen der Angu,
der bangen Sorge, der Vedräagnis und des
Leides unser Her bedrucken. Uns alle soll
die Zuversickt beherrschen. daß es seit dem
ersten Weihnachten auf Bethlebems Fluren eine
Mackt gibt, die Schmerzen beilt, die Wunden
verlindet und Bekümmerte trösiet. Diese Macht
meckt und nährt in uns die felienfeste Zuversicht,
daß unserem Vateriand, der ganzen Welt nach
dem (betummel des blutigiten aller Kriege ein
Frieden erblüht, der uns großen Lahn bringt
für all di: Leiden und Sorgen, die wir jetzt
in ichwer bedrangier Zeil zu erdulden und zu
uderwinden haben. Wie vor 20 ) Jahren so
gilt auch dann wieder das Wort aus lichter
Höhe: Friede den Menschen auf Erden, die
eines guten Willens sind!
An uofere verehll. Leser!
Der „Rosenheimer Anzeiger“ wird an den
drei Weihnachtsfeiertagen nicht erscheinen. Die
nächste Nummer wird erst am Montagnachmitsirahlen
uns
tag herausgegeben werden. Dagegen werden
wir an den 3 Weihnachtsfeiertagen wichtige
amtliche WTB.-Meldungen aus den Hauptquartieren
an unseren Telegrammtafeln bezw. durch
Erxtrablatt bekanntgeben.
Unsere Erpedition und die Buchdruckereilontore
sind am Stephanitag und am kommenden
Sonntag nur von 10.—12 Uhr mittags geöffnet.
Am ersten Weihnachtsfeiertag ist der
gesamte Betrieb geschlossen.
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