Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1871. (62)

S##  Zahegans

 

N.  298

 

——..  -  e
——

Der  Abonn  eis  beirö0t  otertelsährlich  1  Mark  80  Pig-  monorlich
60  —  ##  e  als  ad  r  auswärtige  Abonnenten.
kr#  ins  Haus  gellesert,  14  #l  monaulich.  —  Telegramm  -  Mdresse  Unzeiger  Rolenbem
Redalton  und  Berlag  Nr  72:  Inseraten-Adtellung

Telephon  ·  Unichlisse  ·

dem  tixtlli  ano  Mmustratt  ceich  ausuenaueten  achnerigen

4  Ur  (mu  Ausnayme  der  Sonn-—
  Postzuttellgedapnt.
235

 

 

 

Nell  2.  Dezember  10914

Anzeiger

 

Da#  bnm#d

 

80  Viennmo

ren  er

liche  Postboten  die  Bestellung  für  den

breue  Petttzelle  oder  deren  Raum  koftet  10  s  die  75  mm  breitte  Zeile  im  Rellarnete
dei  Miederdolunger  oder  Zefl#nobfchlüsten  Nadat  nach

emflicpenbem  Te#

 

Amtliches  Buuilkations-Organ

Rosenheimer  Tagblatt

 

 

 

—odt
Ime#####-##sse  1  Uhr  mittos.

———

—  ———  N##Desm  ##  Wiminimg  k  C#  d##  Fra#  .
A#ch  oer  Jpu  vann  tr  Butnabme  m  die  (#eide  Tagssnumm  ind'  medr  gararnen  rrbe  F#r  chiechtoicbwiebene  Momuffrim  merd  vane  —ii

—.—
###———0——.

 

Die  neue  Schlacht  an  der  Tront  in  Rufsisch-Polen  und  Galizien.

Einc  pprafenhaste  französische  K’gicrungscrkiärung.  —  bir  D  rbündeln  am  tot  n  PFunkt  —  Sbrkimmung  in  engiand  wegen  der
vo  gänge  in  Ruflib-Polrn.  —  6-gen  den  enguschen  munarlsmus  zu-  Sce  —  fForidurr  der  Kämof  an  der  Bsura  und  Ramha  —  bu#
neur  Schiacht  m  Gahzun.  —  D#  Stmmung  in  Nallen  —  Fankriich  und  der  Dalman

Kriegs-Weihnachten.

#

„Friede  den  Menschen  auf  Erden!“  klang

es  vor  fast  2000  Jahren  auf  Bethlehems  Fluren
  zu  uns  hernieder.  Eine  alte  heilige  Votschaft,
  die  leider  in  dem  eben  zur  Neige  gehenden
  Jahre  1914  fast  allen  Wert  verloren  zu
haben  scheint.  Von  Friede  ist  heute  in  weiter
Welt  nichts  zu  bemerken,  die  Kriegsfackel  lodert
  in  ganz  Europa  und  weit  über  seine  Grenze

ll  hinaus.  Bereits  zum  fünften  Male  wendet  sich
der  Mond,  seitdem  die  erschreckende  Kunde,
daß  die  Greuel  des  Krieges  die  Welt  beherrschen,
  an  unser  Ohr  gedrungen  ist.  Ein  halbes
Jahr  ist  seitdem  in  Hoffen  und  Bangen  verstrichen.
  Friede  den  Menschen  und  dock  kein
Friede.

Verheißen  ist  der  Friede  all  jenen,  die  guten
Wülens  sind.  Haben  wir  uns  in  dieser  Hinsicht
  einen  Vorwurf  machen?  Wir  sind  es
sicherlich  nicht,  die  keines  guten  Willens  waren.
Wir  hab#en  den  Frieden  niht  gebrochen,  wir
haben  den  Krieg  nick!  giwollt  und  haben  auch
leine  S##uld,  wenn  in  diese  Weihnachten  tein

Jubel  fällt  und  keine  Freude  und  heitige  Slille.

Lug  und  Trug,  wahnwigige  Ländergier,  lrä#
merhajter  Neid  sind  die  Urheber  all  des  na—
menlosen  Elendes  und  der  entsetzlicken  Trauer.
die  jetzt  das  deutiche  Voll  beschleichen  und  es
ledrücken,  so  groß  auch  die  Erfolge  sein  mögen,
die  seine  Söhn:  mit  heidenmütiger  Todesverachtung

  draußen  vor  einer  Weit  von  Feinden

unter  den  schwierigsten  Verkällnissen  erlämpsen
  müssen.  Unsere  Bäter,  unsere  Brüder,
unsere  Söhne  lönnen  sich  diesma  nicht  in  trautem
  Heim  unler  dem  Christraum  versammeln
mit  den  Ihrigen.  Weit  draußen  auf  gefabrvoller
  Wacht,  in  Feindesland,  im  Schüyengraben
  seiern  sie  ihre  Weihnachten,  aber  nicht  durch
unsere  Schuld.

Noch  wissen  wir  nicht,  wann  Frieden  sein
wird,  noch  ist  kein  Ende  des  Krieges  zu  ersehen.
  Bisher  haben  wir  in  der  Heimat  wenig
oder  gar  nichts  davon  verspürt.  Unsere  Helden
nahmen  alles  auf  sich,  alle  Last,  alles  Leid.
Ihnen  ist  es  zu  danken,  wenn  zu  dieser  Weih-=nacht
  neben  der  bangen  Sorge  um  sie  und  ihr
Leben  nicht  auch  die  Greuel  des  Krieges  im
eigenen  Lande  uns  bedrücken.  Wir  wissen  es
aus  tausend  Feldpostbriefen:  im  Gefecht,  im
Sausen  der  Granaten,  da  schwindet  alle  Rührung,
  alles  Denken.  Da  lebt  der  Krieger  nur
seiner  heroischen  Aufgabe.  Der  Krieg  und  sein
blutiges  Handwerk  ist  stärker  als  Heimweh  und
Sehnsucht.  Aber  am  Weichhnachtsabend  wird
die  Heimat  doch  stärker  sein.  Da  denken  auch
die  tapfersten  Männer  an  ihre  Heimat,  an
ihre  Lieben.

 

 

 

Und  wir  zu  Hause?  Mit  banger  Sehnsucht
gedenken  wir  ihrer,  hängt  unser  Herz  bei  ihnen.
Heißen  Dank  schulden  und  rollen  wir  ihnen,
die  draußen  ihr  Hereblut  für  uns,  für  unser
aller  gemeinsames  Materland  verspritzen.  Und

das  ist  es,  was  uns  ermutigt  und  uns  die  Kraft

gibt,  auch  heuer  ein  Weihnachten  zu  feiern,
wie  wir  es  aus  unserer  Kindheit  Tagen  schon
gewohnt  sind.  Uns  kommt  es  jetzt  vor  allem
darauf  an,  sich  nicht  unterkriegen,  sich  nicht  lieinmütig,
  sich  nicht  hoffnungslos,  verzagt  machen

und  stol#es  Deutschsein  riß  uns  zu  den  höchsten
Leiftungen  empor.  Reine,  edle  Neigungen  drangen
  in  uns  durch,  wir  reiannen  uns  wieder  auf
unsere  Pflicht,  ein  einig  Volk  zu  sein,  zu  kämpsen
  und  zu  fiegen.  Nicht  nur  im  Krieg!  Verschwunden
  ist  aller  Parteihader.  Wie  wäre
früher  möglich  gewesen,  was  dieser  Tage  z.  B.
aus  Freiburg  i.  Br.  zu  lesen  war!  Bei  einem
vaterländischen  Abend  sprachen  dort  ein  nationalliberaler
  Univerfitätsprofessor,  ein  Rechtsanwalt,
  der  Zentrumsabgeordneter  ist,  ein  kon- 



 

 

zu  lassen.  Es  sind  nicht  die  kleinsten  Heldentaten,
  die  weit  vom  Sckhuß,  tagewmeit  hinter  der
Front,  täglich  in  unserer  Mitte  getan  werden
und  Ueberwindung,  Pflichterfullung,  verhal.
tene  Tränen  und  tapfer  getragenes  Leid  heißen.
Darauf  steht  kein  Verdienstkreuz,  und  leiner
der  Frauen,  die  sich  jenzt  siumm  und  gefaßt
den  Flor  der  Trauer  ums  Haupt  winden,  winlt
das  fröhlich  blinkende  Metall  einer  Medaille
für  Tapferleit  im  Krieg.  Da  ist  kein  Tag,  von
dem  wir  am  Morgen  wüßten,  welch  schwere
Bürde  er  uns  vielleicht  noch  auferlegen  wird.
Aber  alle  hat  diese  ernste  bittere  Zeit  ge
läutert.  Viel  Aeußerliches,  Unechtes  hat  dieser
Krieg  von  uns  genommen.  Unser  Gottvertrauen
wurde  wieder  lebendig,  die  Seele  hat  wieder
ihren  Schöpfer  gefunden.  Die  Lielee  zum  Vaterlande
  flammte  heiß  empor,  wahres  Volkstum

 

servativer  Staateminister  o.  D.  und  ein  sozialdemokratischer
  Stadtrat.  Wer  hätte  dies  jemals
  für  möglich  gehalten?  Wir  sehen:  die
Kriegsweihnackt  läßt  Friedensglocken  ertönen.
Auf  dem  Schklachtfeld  freilich  knatern  die  Gewehre,
  donnern  die  Kanonen,  aber  bei  uns  zu
Hause,  in  der  Vollsgemeinschaft,
selbst  aus  des  Krieges  blutigem  Antlitz  friedvolle
  Züge  entgegen.  Die  alte  Botschaft  behält
  doch  auch  heute  noch  ihren  wahren,  unerschütterlichen
  Wert:  Friede  den  Menschen,
die  guten  Willens  sind!

Ist  Weihnachten  heuer  auch  nicht  ein  Friedensfest,
  so  muß  es  für  alle  ein  Danlfest  werden.
  Fast  volle  fünf  Monate  schon  rast  der
Krieg  über  die  Erde  hin.  Aber  wir  können
Weihnachten  seiern  im  sesten  Vertrauen  auf
den  endlichen  Sieg,  im  Bewußtsein  des  vollen,

unbestrittenen  Besitzes  unserer  teuren  Heimat-Wir
  sind  geschützt  und  gesichert  gegen  Brand
und  Verwüstung.  Ferngehalten  sind  die  Greuel
des  Krieges  von  uns,  von  unserem  Herd,  von
unserer  Sckolle.  Der  Himmel  begleitet  unsere
gerechte  Sache  mit  seinem  Segen.  Das  ist  die
schönste  Weihnachtsgabe  zum  heurigen  Feste.
Ihr  wollen  wir  uns  dankbaren  Herzens  erinnern
und  damit  die  Bitte  verknüpfen,  daß  es  auch
in  Zukunft  so  bleiben  möge.  Diesen  Dank  übertragen
  wir  auch  auf  all  jene,  welche  zur  Erreichung
  dieses  Zieles  ihr  Leben  in  die  Schanzen
  schlugen  für  uns.  Dank,  heißer,  brüderlicker
  Dank  sei  für  sie  unser  Weihnachtsgruß.
Ihr  Taxferen  draußen  im  Felde,  nie  werden
wir  euck  vergeĩĩen,  was  ihr  in  schwerer  Zeit
getan.  Volk  und  Vaterland  geloben  es  in  dieser
  heiligen  Stunde.  Damit  verknüpfen  wir
die  frohe  Zuversickt,  daß  wir  siegen  gegen  ein

Heer  von  Feinden  in  der  ganzen  Welt.

 

In  diesem  Sinne  wollen  wir  heuer  Weibnachten
  feiern.  In  diesem  Sinne  wollen  wir
am  Chriftabend  die  Weihnacktskerzen  anzunden.
Richt  sollen  graue  Dämmerungen  der  Angu,
der  bangen  Sorge,  der  Vedräagnis  und  des
Leides  unser  Her  bedrucken.  Uns  alle  soll
die  Zuversickt  beherrschen.  daß  es  seit  dem
ersten  Weihnachten  auf  Bethlebems  Fluren  eine
Mackt  gibt,  die  Schmerzen  beilt,  die  Wunden
verlindet  und  Bekümmerte  trösiet.  Diese  Macht
meckt  und  nährt  in  uns  die  felienfeste  Zuversicht,
daß  unserem  Vateriand,  der  ganzen  Welt  nach
dem  (betummel  des  blutigiten  aller  Kriege  ein
Frieden  erblüht,  der  uns  großen  Lahn  bringt
für  all  di:  Leiden  und  Sorgen,  die  wir  jetzt
in  ichwer  bedrangier  Zeil  zu  erdulden  und  zu
uderwinden  haben.  Wie  vor  20  )  Jahren  so
gilt  auch  dann  wieder  das  Wort  aus  lichter
Höhe:  Friede  den  Menschen  auf  Erden,  die
eines  guten  Willens  sind!

 

An  uofere  verehll.  Leser!

Der  „Rosenheimer  Anzeiger“  wird  an  den
drei  Weihnachtsfeiertagen  nicht  erscheinen.  Die

nächste  Nummer  wird  erst  am  Montagnachmitsirahlen
  uns

tag  herausgegeben  werden.  Dagegen  werden
wir  an  den  3  Weihnachtsfeiertagen  wichtige
amtliche  WTB.-Meldungen  aus  den  Hauptquartieren
  an  unseren  Telegrammtafeln  bezw.  durch
Erxtrablatt  bekanntgeben.

Unsere  Erpedition  und  die  Buchdruckereilontore
  sind  am  Stephanitag  und  am  kommenden
  Sonntag  nur  von  10.—12  Uhr  mittags  geöffnet.
  Am  ersten  Weihnachtsfeiertag  ist  der
gesamte  Betrieb  geschlossen.

EELIIIEIIIIIII