Metadata : Wirtschaftskrieg und Kriegswirtschaft.

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eines  über  vier  Bügel  schnell  auszuspannenden  Verdecks
aus  Segeltuch  geschlossen  werden  können.  Der  Führersitz
  bietet  neben  dem  Fahrer  zwei  Begleitleuten  Platz.

Besonders  schnelle  1,5  t-Wagen  dieser  Type  sind
mit  50—60  P8-Vierzylindermotoren  ausgerüstet,  erreichen
  hiermit  Geschwindigkeiten  von  50—60  km.  St.
und  können  noch  Steigungen  von  18  Proz.  nehmen,
wobei  sie  etwa  16  kg  Benzin  für  100  km  verbrauchen.
  Sie  werden  dazu  verwendet,  sog.  Sprengkommandos
  (Pioniere  und  Genietruppen  mit  Ausrüstungsmaterial)
  im  Schutz  der  Nacht  schnell  an
feindliche  Kunstbauten  u.  dgl.  heranzubringen.  Größtenteils
  halten  die  Kommandos  sich  dann  während
des  folgenden  Tages  in  einem  Gehölz  usw.  verborgen,
  nehmen  in  der  nächsten  Nacht  den  Sprengungsversuch
  vor,  um  hierauf  schnellstens  zurückzukehren.

Die  schwersten  Lastwagentypen  verkörpern  die  Lastzüge,
  deren  hauptsächlichster  Vertreter  der  Lastwagen
mit  ein  oder  zwei  Anhängern  ist.  Diese  Armeelastzüge
  (Tafel  I.  Fig.  6)  bestehen  aus  dem  Motorwagen
mit  3—4  Tragkraft  und  dem  Anhänger  mit  2t  Tragkraft;
  sie  müssen  bei  voller  Last  16  km.  St.  (meist  jedoch
bis  30  km  /St.)  Fahrgeschwindigkeit  erreichen,  Steigungen
  auf  fester  Straße  bis  15  Proz.  beherrschen,
einen  Fahrbereich  von  250  km  bei  vollen  Betriebsstoffbehältern
  besitzen  und  Tagesleistungen  von  60—
100  km  verbürgen.  Die  Motorwagen  sind  in  der
Regel  mit  25—50  1•8-Vierzylindermotoren  ausgerüstet,
  die  Anhänger  müssen  durch  Anbringung
einer  Deichsel  für  Pferdegespanne  verwendet  werden
können.  Mehr  noch  als  die  einfachen  Lastkraftwagen
sind  diese  Kraftwagenzüge  geeignet,  die  Heeresverbände
  beim  schnellen  Vormarsch  mit  den  nötigen  Munitions-
  und  Proviantmengen  zu  versehen.  Nehmen
wir  einmal  an,  ein  kriegsstarkes  Armeekorps  von
40000  Mann  sei  an  einem  Tage  um  25  km  vorgeschoben,
  so  müßte  allein  der  Verpflegungsbedarf
von  54  t  diese  25  km  nachgefahren  werden.  Da  die
Lastzüge  100  km  Tagesleistung  haben,  so  könnte  ein
Zug  zwei  Fahrten  hin  und  zurück  am  Tage  machen,
also  bei  6  t  Tragkraft  12  t  täglich  hinbefördern,  so
daß  fünf  Lastwagenzüge  für  den  Bedarf  genügen
würden.  Aus  Sicherheitsgründen  wird  der  Dienst
so  eingeteilt,  daß  das  Armeekorps  den  Bedarf  für  zwei
Tage  stets  von  einer  Zugkolonne  erhält,  während  die
andere  auf  der  Rückfahrt  begriffen  ist.  Hieraus  ergibt
sich  größere  Stetigkeit  im  Fahren  und  Umladen,  obschon
  mehr  Lastzüge  benötigt  werden.

Außer  diesen  gebräuchlichsten  Kraftwagenzügen,
deren  Bau  auf  langjährige  Erfahrungen  der  Heeresleitung
  und  der  einschlägigen  Industrie  gegründet  ist,
so  daß  auch  hierin  bei  Kriegsbeginn  mehr  als  1000
Züge  verfügbar  waren,  sind  noch  die  Lastzüge
mit  benzin-elektrischem  Antrieb  (Siemens-Schuckert-Werke)
  und  dieder  Straßenzug-Gesellschaft
  Müller  zu  erwähnen.  Für  beide  spricht  das
große  Adhäsionsgewicht  der  vielen  angetriebenen  Räder,
  das  sich  besonders  bei  ersteren  auf  sämtliche  Räder
  verleilt,  denn  der  Benzinmotor  des  Vorderwagens
arbeitet  auf  eine  Dynamomaschine,  die  ihren  Strom
an  die  Elektromotoren  des  Hauptwagens  und  der
Anhänger  weitergibt;  gegen  beide  sprechen  die  verwickelte
  Anlage  mit  ihren  vielen  Fehler=  und  Versagerquellen
  sowie  der  Umstand,  daß  die  Kraftfahrparks
  nicht  über  die  nötigen  Ersaßteile  verfügen.

Das  aber  gerade  die  Möglichkeit  des  schnellen  Ersatzes
  der  Einzelteile  von  einschneidender  Bedeutung
ist,  davon  zeugen  die  vollkommene  Ausrüstung  und  die

III.  Technik  und  Kriegführung

Beweglichkeit  großer  Parks.  So  hatte  z.  B.  der  Kraftfahrpark
  der  deutschen  Bugarmee  2000  Autos  zu  versorgen;
  er  umfaßte  500  Leute;  seine  Ausrüstung  war
in  Werkstatt-=  und  Materialwagen  untergebracht;  die
Leute  hatten  Wohnwagen,  so  daß  der  ganze  Park  in
24  Stunden  fertig  zum  Transport  war.  Was  die
Ausrüstung  anbelangt,  so  verlangt  z.  B.  die  englische
Heeresverwaltung  an  Ersatzteilen  bei  einer  Lieferung
von  20  Wagen  eine  vollständige  Steuersäule  mit
Schneckengehäuse  usw.,  2  Wasserpumpen,  2  Satz  Ventile
  für  Ein=  und  Auslaß,  2  vollständige  Schalt=  und
Wechselgetriebe,  4  Satz  Bleuelstangen,  8  Kühler  und
20  Satz  Kolben,  wonach  man  sich  ein  Bild  über  den
Materialvorrat  eines  Parks  machen  kann.

Bei  dieser  Gelegenheit  darf  vielleicht  einmal  auf  den
Geldwert  hingewiesen  werden,  den  die  im  Felde  befindlichen
  Wagen  und  ihre  Erhaltung  verkörpern.
Nehmen  wir  an,  daßetwa  60000  deutsch-österreichische,
70000  französische,  20  000  englische,  20  000  ruffische,
15000  italienische  und  10000  bulgarische,  also  alles

usammen  200000  Kraftwagen  im  Felde  befindlich
fin.  so  verkörpern  diese  an  sich  schon  einen  Wert  von
2  Milliarden  Mark;  nehmen  wir  weiter  an,  daß  diese
Wagen  eine  durchschnittliche  Tagesleistung  von  50  km
entwickeln  und  daß  die  Personenwagen  und  kleinen
Lastwagen  20  kg  Benzin  für  100  km,  die  stärkeren
Lastwagen  40  kg  Benzin  verbrauchen,  also  durchschnittlich
  30  kg  für  100  km,  d.  h.  15  kg  den  Tag,
nötig  sind,  so  gibt  dies  bei  200000  Wagen  und  300
Fahrtagen  9000  Kesselwagen  Benzin,  die  rund  60  Millionen
  Markkosten.  Nach  den  bisherigen  Erfahrungen
reicht  diese  Zahl  aber  noch  gar  nicht  aus,  vielmehr
geben  Schätzungen  etwa  150  Millionen  Mark  Jahresverbrauch
  an.  Rechnet  man  ferner  mit  weiteren  100
Millionen  Mark  Verbrauchsmaterial  zur  Aufrechterhaltung
  des  Betriebes,  so  ergeben  sich  im  ganzen
für  einjährige  Kriegsdauer  2¼  Milliarden  Mark
nosten  für  Kraftwagen.
igentliche  Dampfwagen  werden  im  gegenwärtigen
  Krieg  nur  im  englischen  Heer,  vereinzelt  auch
bei  französischen  Truppenteilen  verwendet,  während
sie  bei  uns  keinen  Eingang  gefunden  haben.  Dagegen
sind  mit  großem  Erfolg  Straßenlokomotiven  und
Straßenwalzen  mit  Dampfantrieb  als  Schleppmaschinen
  für  große,  nicht  gut  unterteilbare  Lasten  (große
Geschütze,  42-cm-Mörser  usw.)  verwendet  worden.
Die  Fortbewegungsgeschwindigkeit  bleibt  allerdings
unter  7  km  /St.,  aber  die  Lasten  werden  auch  über
schwieriges  Gelände  sicher  hinweggeschafft.  Als  weiterer
  Vorteil  (wenigstens  für  uns)  kann  angeführt
werden,  daß  diese  Schlepper  vollständig  unabhängig
von  Benzin  sind;  es  ist  jedoch  dabei  zu  beachten,  daß
in  wasserarmem  Gelände  ohne  jeden  brennbaren  Stoff
das  Herbeischaffen  von  Wasser  und  Brennstoff  vielleicht
  noch  größere  Schwierigkeiten  bereitet.

Arastwagen  für  besondere  Zwecke.  Wenn  wir
uns  jetzt  der  großen  Gruppe  der  Spezialautomobile
  zuwenden,  so  sind  es  vor  allem  zwei  Gebiete,  die
durch  die  Spezialwagen  vollständig  geändert  und  zwar
in  hervorragendem  Maße  verbessert  sind,  nämlich  die
Verpflegung  der  Soldaten  und  die  Hilfe  gegenüber
  den  Verwundeten.  Namentlich  aufletzterem
  Gebiet  sind  Hand  in  Hand  mit  den  Fortschritten
medizinischer  Wissenschaft  so  einschneidende  Verbesserungen
  durch  die  schnellen  Spezialautomobile  eingeführt,
  daß  die  Heilungsziffer  gegen  bisherige  Kriege
beträchtlich  in  die  Höhe  gegangen  ist.

Die  Sanitätsautomobile  (Tafelll,  Fig.  1—)