Full text : Deutsches Kolonialblatt. XXIII. Jahrgang, 1912. (23)

Weisungen  Seiner  Majestät  am  18.  Dezember  1917.  283

Die  Politik  dachte  nur  an  das  eine  Wort  Frieden.  Ob  er  einige
Tage  früher  oder  später  kam,  was  er  brachte,  ob  die  Bedingungen
in  die  Kriegslage  hineinpaßten,  war  ihr  gleich.  In  dem  Bolschewismus
  sah  die  O.  H.  L.  nur  ein  Aushilfsmittel  zum  Frieden  mit
Rußland;  die  Politik  kam  ihm  entgegen,  weil  ihm  die  linken  Parteien
  Deutschlands  wohlgesinnt  waren.  Den  Bolschewisten  durfte
nichts  geschehen,  während  das  zaristische  Rußland  gar  nicht  genug
geschwächt  werden  konnte.  Sie  waren  die  Schoßkinder  der  linken
Parteien  in  Deutschland  und  Österreich-Ungarn,  ihre  Wünsche  berücksichtigte
  man  selbst  auf  Kosten  der  Lebensnotwendigkeiten  des
deutschen  Volkes.  Man  lese  nur  die  damaligen  Zeitungen  und
denke  an  den  Sturm  gegen  General  Hoffmann,  als  er  in  richtiger
Erkenntnis  der  Gesamtlage  ein  scharfes  Wort  gegen  die  propagandistische
  Verschleppungskunst  der  Bolschewisten  sprach.  Man  denke
daran,  daß  ein  deutscher  Sozialdemokrat  die  Bolschewisten  mit  Vorwürfen
  überhäufte,  weil  sie  mit  den  deutschen  „Imperialisten“  verhandelten.


Der  ruhige  und  schnelle  Verlauf  der  Waffenstillstandsverhandlungen,
  die  gemäßigten  Bedingungen,  die  die  Kriegführung
in  Übereinstimmung  mit  der  Politik  stellte,  sind  bekannt.  Am
15.  Dezember  wurde  der  Waffenstillstand  mit  Rußland  und  bald
darauf  mit  Rumänien  abgeschlossen.  Ihr  hohes  Pflichtgefühl  machte
es  den  deutschen  und  verbündeten  Offizieren  möglich,  mit  jenem
Abschaum  der  Menschheit  zu  verkehren,  den  die  Bolschewisten  als
bevollmächtigte  Vertreter  gesandt  hatten.  Sie  fügten  sich  dem
Zwange  der  Kriegslage.

Zu  Weihnachten  begannen  die  Friedensverhandlungen.

Am  18.  Dezember  hatten  in  Kreuznach  unter  dem  Vorsitz  Seiner
Majestät  des  Kaisers  und  unter  Teilnahme  des  Reichskanzlers  und
der  O.  H.  L.  Verhandlungen  über  die  Rußland  zu  stellenden  Bedingungen
  stattgefunden.  Ihr  Ergebnis  war  für  den  Reichskanzler
bindend.

Über  die  Zukunft  Kurlands  und  Litauens,  ebenso  über  die
Notwendigkeit  eines  Schutzstreifens  an  der  Grenze  Preußens  gegen
Polen  wurde  vollständige  Einigkeit  erzielt;  nur  über  die  Breite  des-