Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

l.  Die  ständische  Reaktion.  39

konnte  Schwartzenberg  vielleicht  andere  Anklagen  widerlegen.
Daß  er  gegen  ihm  erteilte  Weisungen  Bedenken  erhob  und  begründete,
  war  sein  guteo  Recht,  wird  ihm  aber  wohl  verdacht
sein,  obgleich  er  den  gegebenen  Befehlen  nachkam.  Davon
scheint  man  in  Königsberg  fast  überrascht  gewesen  zu  sein:
hätte  man  es  dort  etwa  nicht  ungern  gesehen,  er  hätte  durch
Ungehorsam  seine  rasche  Beseitigung  ermöglicht?  Wurde  doch
seine  beabsichtigte  Reise  nach  Königsberg  hintertrieben:  also
fürchtete  man  doch  wohl  den  Eindruck  seiner  Persönlichkeit  und
seiner  Argumente  auf  den  jungen  Herrn.  Nicht  bloß  dessen
begreifliche  Unsicherheit  sprach  aus  den  sich  überstürzenden  und
einander  widersprechenden  Befehlen  an  Schwartzenberg:  Friedrich
  Wilhelm  ist  ehrlich  genug  gewesen,  nachmals  einzugestehen,
bei  der  Masse  und  Verschiedenheit  der  an  den  Minister  gestellten
Anforderungen  sei  beabsichtigt  worden,  ihn  nicht  zu  Atem  kommen
zu  lassen,  an  jeder  geordneten  Thätigkeit  zu  hindern  und  fühlen
zu  lassen,  daß  sein  Regiment  zu  Ende  sei,  daß  er  einen  Herrn
habe  und  gehorchen  müsse.  Der  Mann,  den  abzusetzen  man
nicht  wagte,  weil  man  sich  nicht  die  Kraft  dazu,  wohl  aber
ihm  die  Lust  zum  Widerstande  zutrante,  sollte  durch  Nadelstiche
zum  Rücktritt  gebracht  werden,  die  man  um  so  eifriger  anwandte,
  als  die  anfänglichen  Befürchtungen  schwanden  und  er
sich  möglich  zu  erhalten  suchte,  wohl  mehr  aus  finanziellen  als
politischen  oder  gar  kirchlich  konfessionellen  Motiven.  Denn
als  Schwartzenberg  sich  von  der  Unhaltbarkeit  seiner  Stellung
überzeugt  hatte,  erbat  er  seine  Entlassung  nur  als  Direktor
des  Kriegsstaato.  Das  Gesuch  blieb  ohne  Antwort,  auch  als
es  erneut  wurde.  Es  genügte  weder  seinen  höfischen  Gegnern
noch  dem  Kurfürsten.  Auch  die  Statthalterschaft  sollte  er  aufgeben.
  Zu  etlichen  ihm  am  Herzen  liegenden  Fragen  des  Besitzeon
  trat  man  ihm  geflissentlich  zu  nahe.  Wie  sich  aber  die
Anzeichen  der  drohenden  Ungnade  mehrten,  wurden  auch  die
Stände  aufsätziger:  die  für  1642  geforderten  150  000  Thaler
anfzubringen,  erklärten  sie  einfach  für  unmöglich.  Aber  um
welchen  Preis  sie  zu  haben  sein  würden,  war  klar.  Auch  nur
einen  Teil  seiner  Stellung  zu  retten,  erkannte  Schwartzenberg
als  unmöglich:  sich  und  die  Seinen  sah  er  von  all  den  Schreck-