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Uummer 39
wurden im ersten Wahlgang 8962 nalionalliberale,
11 615 Zentrums- und 38 sozialdemokratische
Stimmen abgegeben; in der Stichwahl
siegte dergenennonlegelRen. mit 12 712
gegen 12 704 Zentrumsstimmen. Wegen der
drohenden Ungültigkeitserllärung seines Mandats
hatte dann Abg. Kölsch Ende des vergangenen
Jahres sein Mandat niedergelegt. Mit dem
Ausgang der Wohl sinkt die Fraktionssiärle
der Nationalliberalen im Reichstag von 46 auf
45, während das Zentrum nunmehr über 83
Mandate verfügt.
Fur Gewerkschaflsfrage.
Eine bischöfliche Kundgebung.
HLäöln, 15. Februar.
Die „Kölnische Volkszeitung“ verösfentlicht
eine Kundgebung der geslern hier verfammelten
Bischöfe an die Geistlichkeit ihrer Diözesen, oie
von dem Bischof von Köln und den Bischöfen
von Trier, Osnabrück, Hildesheim, Paderborn
und Münster unterzeichnet ist. Die Kundgebung
besagt:
Die Oberhirten der niederrheinischen Kirchenprovinz
und den ihr angeschlossenen Diözesen
halten angesichts der zur Zeit in weiten Kreisen
des katholischen Volkes, namentlich in den groben
Industriezentren ihrer Sprengel hinsichtlich
der gewerkschaftlichen Organisation entstandenen
Bennruhigung für zweckenaßig, die Grundsätze
für die Haltung der Mitglieder katholischer
Arbeitervereine und der katholischen Arbeiter
überhaupt in Erinnerung zu bringen. Auf dem
Grundsatz der katholischen Kirche fußend, daß
die soziale Frage in erster Linie eine sittlichreligiöse
Frage war, ist und bleibt, wird betont.
daß auch bei Angelegenheiten, die als „ein
wirtschaftliche“ bezeichnet werden und oit die
sittliche Pflichten mit berührt, sittlich-religiöse
Interessen häufig sehr in Mitleidenschaft gezogen
werden. Zu der Verkündigung der sittlichen
Normen dieser Interessen und der Aufsichtsführung
über die Haltung der Katholilen in dieser
Hinsicht und zur Abwehr der Gefsahren, oie der
littlichen Auffassung und Haltung ertwachse n
können, sind der Heilige Vater und mit ihm
die vereinigten Bischöfe zuständig und verpflichtet.
Aus dieser Stellung des kirchlichen Hirtenamtes
folgt dessen treue und outoritative Wachsamkeit
über den Anschluß katholischer Christen
an die Vereinigungen. Diese Wachsamkeit sei
nötig zur Wahrung der Interessen religiöser
und sittlicher Natur.
Die Fortsetzung der Kundgebung geht dann
ein auf die päpstliche Encyklika „Singulari quadam“
vom 24. September 1912, die nach sorgfälgtigster
Prüfung der An elegenheit uno der
Einholung gutachtlicher Aeuher#gen aller einzelnen
deutschen Bischöfe erlassen wurde, und
sogt dann: Daß die katholische Kirche nach den
in dieser Enzilila dargelegten Grundsätzen in
erster Linie ihre Empfehlung und Förderung rein
katholischen Bereinen zuwenden muß, ergibt sich
aus der dargelegten Aufgabe des lirchtich en Hirtenamtes.
Demgemäß wenden auch die Odrrhirten
der Diözesen ausnahmolos ihre Liebe
und Unterstützung den katholischen Standesvereinen
und insbesondere den katholischen Arbeitervereinen
zu, weil diese Vereine s-wohl durch
ihre Zusammensetzung und ihre Satzungen wic
den engeren Anschluß an die kirchliche Autoritãt
am ehesien die Gewähr dafür bieten, daß
die latholischen Grundsätze voll zur Geltung gelangen.
Wo die lakholischen Arbeitervereine, die
zugleich den gewerkschaftlichen Interessen der
arbeitenden Klassen dienen, mit den zum Sckutze
der wirtschaftlicher Interessen genügendem Erfolge
eingeführi #d oder friedlich eingeführt
werden können, u re es in keiner Weise zu bil-
Rosenelmer Antzeigeßñ
ligen, daß katholische Eeuer sich den interlonfessionellen
Gewe rkschaften anschlössen.
Wo dies nicht der Fall ist, hat der Heilige
Stuhl in wohlwollender Berücksichtigung der
örtlichen allgemeinen Verhältnisse die Duloung
und die Erlaubnis der Mitgliedschaft von Katholilen
bei den in Deutschland bestehenden christlichen
Gewerkschaften unter jenen besonderen
Versichtsmaßr eln ausgesprochen, die der Stellung
und der ?: Pich des kirchlichen Amtes entsprechen
und daher jedem Katholiken als durch
die Umstände geboten erscheinen müssen. Diese
Vorsichtsmaßregeln sind folgende: An erster
Stelle dafür zu sorgen, daß katholische Arbeiter,
welche Mitglieder solcher Gewerkschaften
sind, zugleich den katholischen Arbeitervereinen
angehören. Ferner müssen Gewerkschaften, da-Fant
Katholilen beitreten können, sich allem fernhalten,
was grundsätzlich oder tatsächlich mit
den Lehren und Geboten der Kirche wie mit
den Vorschriften der zuständigen lirchlichen Obrigkleit
nicht un Einklang sieht. Auch dürfen katholische
Mitglieder, ##e Gewerlschaften angehören,
niemals zulassen, daß dieselben, in der Sorge
für die westüchenm. Angelegenheiten der Mitglieder
sich durch Wort und Tat irgendwie mit
Ö2 von dem obersten kirchlichen Lehramt oerkündeten
Vorschriften in Widerspruch setzen.
Die Kundgebung anerlennt weiter, daß die
selbe höchste Autorität, die solche Normen aufgestellt
hat, zu deren authentischer Auslegung
allein zuständig ist. Die Entscheidung darüber,
ob die Organisation sich in Widerspruch mit dem
Silttengesetz der latholischen Kirche setzt, hal sich
der Heilige Stuhl vorbehalten. Die Frage soll
daher nicht der Gegenstand einer Polemil seiten
latbolischer Kreise werden. Indem die Kundgebung
alle Beteiligten ermahnt, für die Beobachtung
der dargelegten Grundsähe lätig zu
sein, versicherte sic, daß der Heilige Vater sowohl
wie die Unterzeichneten für ihre vielsachen
Nöte und Bedrängnisse vollstes Verständni und
innigste Teilnahme haben.
Ein Wort des Generalsekretärs der
Gewerlschaften.
Zum Gewerkschaftsstreit erllörte in einer Versammlung
latholischer Arbeiter der Generalsekretär
Stegerwald vom Gesamtverbandder chrifllichen
Gewerlschaften, daß sich die christlichen
Gewertschaften lunstig nicht mehr mil der Verliner
Richtung der Integralen auseinandersetzen
würden. Die chrisilichen Gewerlschaften würden
auch in dem gegenwärtigen Streit in der Rolle
des Zuschauerd verharren, da sich für sie seit
dem Essener Kongresse nichts ereignete. was
sie zu einer neuen Stellungnahme veranlassen
lönnte. Seit dem Essener Kongreß liege nur
die Tatsoche vor, daß Kardinal Kopp von der
bekannten Interpretation der Gewerkschaftsenzyklila
zurückgetreten sei, was aber nichts Wesent.
liches sei, da der Kardinal stete ein Gegner
drhriilhen Gewerkschaften war. Der Brief 2
Kardinals Kopp an den Grasen Oppersdorf ha
be also leine neue Lage für die christlichen Gewerkschaften
geschaffen. Das, worum sich der
Streit drehe, sei eine Art Einflusses der kirchlichen
Instanz zen auf nicht rein lirchliche Angelegenheiten.
Die Gewerisch asten lehnten künftig es
ab. sich mit diesen Fragen zu beschäftigen, die
mehr auf politischem und kechenpolitischem Gebieie
aus gelragen werden müßten. Dagegen liege
den latholischen Arbeitern in diesem Streite eine
große Aufgabe ob, weil sie bei einer Verichärfung
oder einer Andauer de Streites mehr zu
verlieren hätten wie die chriinchen Gewerkschaften.
Die katholischen Arbeiter hätten alle Veranlassung
zu erklären: Wir geben dem Staate
was des Staates ist, wir geben der Kirche, was
der Kirche ist, aber wir geben auch dem Arbeiler,
was des Arbeiters ist. — Die Erllärung
weckte in der Versammlung ostentativen Bei-—.
2.
—
–
Hof- und personalnacheichlen.
Wien, 15. Febr. Prinz Heinrich vonpu *
zu Liechtenstein, Fürstgroßprior des M
teserordens für Böhmen und Oestereeich. #al.
glied des Herrenhauses und des Aeierreichischen
Reichsrates, ist in Tulln im Alter von 60 Jahren
geslorben.
Soziale Kundschau.
wien, 15. Febr. Die in das Handeleministerium
einberufene große Tarifkommission der
österreichischen Buchdrucker hat ihre Beratungen
beendet, während zahlreiche Fragen, über
die eine Einigung zwischen den Parteien nicht
zu erzielen war, vom Schiederichter. Sektions.
chef Mataja, dem sich der Präsident der deutchen
Tarifgemeinschaft, Kommerzienrat Büxenlein,
zur Verfügung stellte, teils durch Vergleich,
teils durch Schiedespruch erledigt wurden. Damit
ist der Tariflonflikl — Buchdruckergewerbe erledigt.
Die Wiederauf#### c der Arbeit wird
vom 16. Februar an erfolgen.
Perschiedene Nachrichlen.
Dillenburg (Westerwald), 15. Febr. Gesiern
Abend wurde dem Direktor Schulz von der
Gemerlschaft Constanze bei Langenaubach durch
einen seiner Arbeiter, einem Kroaten, in seinem
Zimmer mit einer Art die Schädeldecke zertrümmert.
Der Täter ist geslüchtet. Veranlassung
zu der Tat gab die Entlassung des Arbeiters.
Der Zustand des Direktors Schulz ist
hoffnungslos.
Gelsenkirchen, 15. Febr. Hinter dem
Sanitätsrat Dr. la Noche, der seit einiger Zeil
vermißt wird, ist ein Sleckbrief erlassen worden
wegen Verbrechens gegen das keimende Leben.
D Roche erfreute sich des größten An-
Dr. la
sehens, war lange Jahre Stadtverordneter uno
Vorstand mehrerer Kriegervereine.
Lourdes. Welch ungeheure Anziehungskraft
Lourdes für die katholische Welt ausübt,
beweist eine interessante Statistil, die wir der
Nr. 2 des „Journals de la Grotte de Lourdes“
entnehmen. Im Jahre 1913 wurde Lourdes
von 131 Kardinälen, Erzbischöfen und Bilschösen
und 78 anderen hohen lirchlichen Würoenträgern
und Prälaten besucht. Der Nationalität
nach waren von den 131 Kardinälen, Erzbischösen
und Bischösen 56 aus Frankreich, 14
aus Italien, 6 aus Irland, 4 aous Spanien,
4 aus Portugal, 2 aus England, 2 aus Belgien,
je einer aus Deutschland, Oesterreich, Holland
und Ungarn, 5 aus Asien, 5 aus Mfrika, 26
aus Amerika, 3 aus Ozeanien. 68 700 (im Vorjahr
65 000) hl. Meßopfer wurden in Lourdes
dargebracht, 890 000 (im Vorjahr 791 000)
hl. Kommunionen ausgeteilt. Die Aerzte wenden
Lourdes und seinen wunderbaren Heilungen
immer größere Aufmerksamkeit zu. Lourdes war
1913 von 670 Aerzten gegen 560 im Vorjahre
besucht. Die Gesamtzahl der Pilger, die 1913
zur Lourdesgrotte kamen beträgt ungefähr eine
Million, davon kamen 260 153 Pilger auf organifi
erte. Pilgerzüge, und zwar 260 377 Pilger
in 343 Pilgerzüge aus Frankreich, u. 52 770 Pilger
in 151 Pilgerzügen aus anderen Ländern. Las
kalholische Deutschland ist mit 9575 Pilgern in
29 Pilgerzügen vertreten. Aus Belgien kamen
40 Pilgerzüge mit 15 278 Pilgern, aus Irland
5 Züge mit 4000 Pilgern, aus Spanien 26
Züge mit 14728 Pilgern. Mit den 491 Pilgerzügen
kamen 9946 Kranke nach Lourdes.
In den Piscinen mwurden 142 659 Bäder (im
Vorjahr 130 056), und zwar 42723 an Manner
(im Vorjahr 41 079) und 99 936 an Frauen
(im Vorjahr 88 971) verabreicht. Für das
Weae. Er nahm die angebotene, bewafrete
Eskorte an, meinte jedoch. man möge Durands
Leiche mit einem Tupend auserlesener Opale
auslösen.
„Gut, tun Sie nach Ihrem Gutdünlen, doch
ich kann nicht einsehen, wie die Mönche ein Anrecht
darauf haben sollen.
Sie haben auch lein Anrecht darauf; aber
sie haben viel erlitten, um die Opale zu erlangen.“
Nun, Dirbe sollen eben leiden.“ Man lam
jedoch überein, Charters Vorschlag entsprechend
vorzugehen und binnen einer Stunde machte sich
der Zug auf den Weg; man hatte eine Tragbahre
mitgenommen, in der Hoffuung, darauf Va
zu seiner letzten Heimstätte bringen zu lönnen.
Grau und finster tauchte das Kloster vor
ihnen auf. Anson sehze einen eisernen Klingelzug
in Bewegung und sofort wurde ein lkleines, vergitterter
Guckloch geössnet und ein blasser,
asketischer Mönch blickte bindurch. „Wir wünschen
euern obern oder ersten Priester zu 'sprechen. ir
sind gekommen, um den Körper des Engländers,
der tot im Kloster liegt, auszulösen. Wir lassen
dem Oberpriester sagen, daß unser Lösegeld aus
einem Geschent ausgewählter Opale besteht.“
# Guckloch wurde geschlossen. Sie warteten
ungefähr zwanzig Minnten, bis sie wieder ein
Lebenszeichen aus dem Kloster vernehmen konnten.
Dann hörten sie, wie drinnen Rieg el zurückeschoben
wurden. Die Torflügel gingen -al und
7 **i den Oberpriester des Klosters und
hinter ihm stand in feierzicher Aufstellung dicht
gedrängt eine Anzahl von Mäönchen.
.Wir sind da, um *⅜l¾ um den Leichnam des
Engländers zu ersuchen, d er in der vergangenen
Nacht hier seinen Tod gefunden hat,“ sprach
Charters. „Ich biete Ihnen diese kostbare Steine,
wenn Sie uns den Leichnam meines Freundes
ausfolgen.“
Worten hatte Charters die
46n „Fucher trat vor und schaute sie gierig an.
bin damit einverstanden,“ sagte er
seniss „der Tole soll Ihnen überbeben werden.“
„Die Achtung, die den Toten gebührt, ist, wie
ich hosse, doch nicht verleut worden!?“
„M. arum sollte der Sahib vermuten, daß es
anders sei?
Nun, es ist gestern nacht hier nicht gerade
ruhig zugegangen. Emige von den Mönchen
wurden verietzt?“
rei sind tot.“
Ich fürchtete, daß Sie dies dem Toten entgelten
Fe würden.“
„Unsere Brüder sind nur zur Volllommenheit
binitbergewandel..
citer wurden zwei ihrer Priester — nun,
wir haben sie in einiger Entsernung von hier
zuruchgelafsen. Sind sie heimgekehrt?
t Priester lächelte.
* war unser Vruder, der das Alarmzeichen
. Wir wollen die Leiden unserer
Brüder ##ht ahnden, da Sie dafür belohnt werden.
Ls war- süc den Altar unserer Götter.“
werden Sie uns also den Leichnam
auslitfern und diese Edelsteine ientgegennehmen.
gem Sahib den Leichnam
übergeben. Wenn der Sahib 5 die Edelsteine
bun resche machen will, so werden wir dankbar
5Gewiß Eie können die Steine haben.“
Der# riester gab ein Zeichen und fast in
selben Augenblicke brachten vier Mönche a
einem Maume in der Nähe des Tores
— —— — —
Vahre, die mit einem weißen, goldbestickten uuche
bedcckt wa
Crauers schlug die Decke am Kopfende zu.
rück. Es war Turand. Selbst im Tode no#
waren seine Züge ruhig, hart, zuversichtlich und
lächelnd.
Charters Oberpriester die
Opale. Tie Zeremonie war zu Ende und der
Zug lehrte nach Colombo zurück.
er Fremde, der jen den englischen Fih
bof dort besucht, wird ein Grab sinden, das d
Juschrift kragt:
l arles Duraud
übergab dem
ee
Nach der an Jagd des
Leb
Auf der Heimreise q England erst ersuhr
Eslelle die Geschichte von dem Kloster und seinen
Abentenern. Der auf der Stelle gesable Entschluß,
nie einen von den Edelsteinen zu tragen, mag
nur natürlich erscheinen. Sie wollte in der Ehe
nicht an die Gefahren erinnert lein. die damit
verbunden waren, um sich ren Besitz zu
setzen, und durch die sie 0 ien Vater oder
ihren Gatten verloren häit
Opale, die, wie allgemein ugegeben
wurde, die schönsten waren, die je engusubd g
welieren vorgelommen, Wellen einen hohen
reis. So war es möglich, daß das sernere
Leben Mulerer 8 in Frieden und behaglicher
Ruhe d
Ende.
—————.. [ —.—d—.n———
Dieñstaã, 17. Februär 1914
Jahr 1914 sind bereits wieder eine große Anebl
Pilgerzüge aus allen Ländern angemel-51%%
ow, 15. Febr. Die Schuhfabrik der
schotusschen Schuhmachergenossenschaft ist durch
Feuer zerstört worden. Der Schaden bettägt
30 000 Pfund Sterling. 1500 Arbeiler verlieren
ihre Beschäftigung.
Newyorl, 15. Febr. Els Todesopfer find
allein in Newyork infolge der furchtbaren Kälte
zu verzeichnen. Die Bevölkerung leidet furchtbar
unter der Unbill der Witterung. In den Krankenhäusern
werden Hunderte von Personen behandelt,
denen einzelne Gliedmaßen ersfroren
sind. Durch die Eisbildung ist die Schissahrt
schwer behindert. Eisbrecher sind unausgesett ir
Tätigleit, um wenigstens den Ambroie-Kanal,
der die Bucht von Newyork mit dem offenen
Meere verbindet, freizuhalten.
Münchener Neuigkeilen.
Künchen, 15. Febr. Ein in der kriminellen
Abteilung der Pflegeanstalt Haar in einer Fsolierzelle
untergebrachter gemeingesährlicher Geisteskranker.
der wegen schwerer Körperrerletzung
zu vier Jahren Zuchthaue verurteilt, dann aber
nach Haar überwiesen worden war, überfiel
vorgestern vormittag einen Wärter und brachte
ihm mit einem Messer acht Stiche am Oberkörper
bei. Auf die Hilferufe des Uebersallenen.
eilten andere Wärter herbei, denen es gelang,
den Nasenden zu überwälligen. Das Messer
will der Kranle im Garken der Anstalt unter
einem Schutthaufen gefunden haben. Der Wärter,
dessen Verletzungen glücklicherweisenichtschwer
sind, wurde in das Krankenhaus r. d. J. gebracht.
Bayerische Nacheichlen.
Augsburg, 15. Febr. Gestern Abend murde
der Privatier Kasper Mülrer von einem Miekautomobil
in dem Augenblick überfahren, als
er die Straße überqueren wollte. Der Mann
rannte direkt im den Kraftwagen hinein und
war sofort tot.
Füssen, 15. Febr. Die Vuchdruereiresitzerogaltin
Emma Gniers, die belannttich den
kürzlich verstorbenen Redalkteur Rerhöufer auf
seiner Flucht begleitete, isl kurz nach der bereits
gemeldeten Amputation der beiden Füß: in
hiesigen Distrilte trankenhause gestorben.
Regensburg, 15. Febr. In der vorgestern
abgebranmte: 1 Scheune wurde, wie bereils gemeldet,
die vollständig verlohlte Leiche eines Maunes
gesunden; sie wurde nunmehr als die des
Infanteristen Josef Heh der 11. Kompagnie
des hiesigen 11. Infanterie-Regiments agnin
ziert. Wie der Soldat in die Scheune lam und
zugrunde ging. ist noch nicht ausgellärt.
Swicsel, 15. Febr. Die Glocken verkünde,
ten in vergangener Nacht Großseuer, und gleichzeitig
sah man von hier aus im Südosten eine
Brandröte aussteigen. In der zum Schlobgute
Oberwwieselau des Herin v. Poschinger
gehöriten Dampfsäge „wieseluu war wahrich inlich
infolge Heihlausens von Mas inenlcilen
Feuer ausgebrochen, welches so rasch um sich
griff, daß das ganze Gebäude mit der jämtlichen
Einrichtung abbrannte. Die zahlreich und
rasch erschienenen Feuerwehren von hier und
Umgebung konnten sich nur darauf beschranken,
die Bretlerlager zu rellen, was auch geiang.
Gastwirt Häusler hatte rechtzeit ig den Einfal,
aus dem Dampflessel den Dampf auszulassen.
Er verbrühte sich hierbei zwar die Hand, beseitigte
jedoch die Explosionsgesahr.
Kürnberg, 15. Febr. Am Donnerstag wurde
ein 25jähriger Konkorist, namens Bau,
mann, wegen Trunkenheit auf eine Polizeiwa b
geschafft, wo man ihn zum Ausschlafen in den
Haftraum verbrachte. Der Angetrumene wat
anfänglich noch lustig und sang, schliej abet
dann ein. Als nach einiger Zeit ein Schutzmann
sii nach Baumann umsah, war dieser tot. Die
stattgehabte Seltion der Leiche ergab als Todesursache
Herzlähmung insolge Alloholvergiftung.
Weiden, 15. Febr. In den lehten Tagen
sind neun Mäbdchen aus der Umgebung von
Vilzing den Lockungen eines fremden Mannes
gefolgt und angeblich zu Weinbergarbeiten nach
Hessen abgereist. Sie erhielken einen Vorschuß
von 10 Mark für Fahrgeld. Abgeiehen davon.
daß es sehr schwer kontrollierbar ist, ob die
Mädchen nicht einem Mädchenhändler in die
Hände gefallen sind, wäre es auch sehr zu bedauern,
wenn unsere heimischen Arbeitekräfte
in anderen Staaten Arbeit suchen, wo doch gerade
in Bayern mehr denn je Klage über den
Dienstbotenmangel auf dem Lande geführt
— Ingbert i. Pf., 15. Febr. In St. Ingbert
i. Pf. war vor kurzem die Stelle eines
Totengräbers und Friedhofwärters ausgeschrieben.
Ein wie begehrter Posten das Ul, geht
aus der Tatsache hervor, daß sich 75 Bewerber
aus ellen möglichen Schichten der Bevöllerung
meldeten. Da gab es denn ouck recht
interessant abgefaßte Bewerbungen. Einer z.
B. bemerlte ausdrücklich, daß er surchllose
was ihm seine Frau bestätigen könne. Den
gel abgeschossen hat aber ein anderer, der in
seinem Gesuch an den Stadtrat diesen eindringlich
b bittet, doch leine # Stimmen auf ihn zu ver ver-