Full text: Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1878. (69)

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K. 64. 
Für die Besitzer der adeligen Güter ist die Wahlberechtigung, sowie die 
Befugniß zum Eintritt in das Kirchenkollegium nicht davon abkänen daß die 
Besitzer in dem Kirchspiel ihren Wohnsitz haben; auch dürfen die einer fremden 
Konfession angehörenden, sowie die nicht im Kirchspiel wohnhaften Gutsbesitzer 
bei Ausübung des Wahlrechts durch eine nach Maßgabe der 9F. 8 und 9 qua- 
lifizirte Person sich vertreten lassen, welche auch auherhalb des Kirchspiels ihren 
Wohnsitz haben kann. 
Das Wahlrecht wird, wenn die adeligen Güter Bevormundeten, Ebe- 
frauen, Wittwen oder unverheiratheten Besitzerinnen gehören, durch die Vor- 
münder, Ehemänner oder Bevollmächtigten der Wittwen oder Unverehelichten, 
bei Fideikommißgütern durch einen der Administratoren oder einen Vertreter der 
letzteren ausgeübt; stets müssen jedoch die Vertreter die allgemeine Wahlfähigkeit 
nach Maßgabe der §9§. 8 und 9 besitzen. 
Die zufolge der Bestimmungen der §§. 62 und 63 als Gemeindevertreter 
in das Kirchenkollegium auf Grund eigenen Rechts eintretenden Besitzer sind 
berechtigt, sich durch andere Personen, welche die nach den 95. 8—10 erforder- 
lichen Eigenschaften haben, vertreten zu lassen. Dies Recht steht auch den voll- 
jährigen Gutsbesitzern zu, welche nach F. 63 in das Kirchenkollegium einzutreten 
befugt sein würden, aber noch nicht über 30 Jahre alt sind. 
. 65. 
Die Bildung der Kirchenvorstände erfolgt in den im F. 60 bezeichneten 
Kirchspielen in der Weise, daß die Vertreter jeder der in den I#. 61 und 62 
erwähnten Klassen aus den die Wählbarkeit nach §. 10 besitzenden Mitgliedern 
der betreffenden Klasse die Aeltesten wählen. Die Zahl dieser letzteren muß zwei 
Drittel der Gesammtzahl der Aeltesten betragen. Das übrige Drittel wird von 
den in §. 62 Absatz 2 gedachten Gemeindevertretern und den Geistlichen gewählt. 
Für die Bestimmung dieses Drittels sowie der Zahl der von jeder Klasse zu 
erwählenden Aeltesten sind die Vorschriften des H. 61 Absatz 3 mßsebend. Hin- 
sichtlich dieser Wahlen gelten die Bestimmungen der §9. 23 und 21. 
Desgleichen finden die in den 5§. 62 Absatz 4) 63 und 64 enthaltenen 
Anordnungen auch auf den Eintritt in den Kirchenvorstand und die Vertretung 
in demselben sinngemäß Anwendunz. Bei sämmtlichen Abstimmungen, welche 
sich auf Vermögensangelegenheiten beziehen, führen die Vertreter der im §. 61 
genannten Klassen zwei Drittel der gesammten Stimmen einschließlich der Stimmen 
der Geistlichen. " 
66 
Der F§. 4 findet für die Bildung der Kirchenkollegien und der Kirchen- 
vorstände in den im §. 60 gedachten Kirchspielen keine Anwendung. 
K. 67. 
Wenn es wegen der geringen Zahl der den einzelnen Klassen (§#. 61 
und 62) angehörigen beitragspflichtigen Gemeindeglieder nicht thunlich erscheint, 
ein Kirchenkollegium zu bilden, so kann durch das nach Maßgabe des §. 61
	        
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