Metadata : Die Freiheit.

nach  sein  soll,  das  einheitlich  organisierte  Volk.  Daher  der
Drang,  fremdartige  Volkselemente  auszuscheiden,  und  in
zersplitterten  Nationen  der  Trieb,  das  engere  der  beiden
„Vaterländer“  abzuschütteln.  Es  ist  nicht  unsere  Absicht,  zu
schildern,  wie  vielfachen  notwendigen  Beschränkungen  und
Abschwächungen  diese  politische  Freiheit  unterliegt.  Genug,
die  Forderung  einer  Regierung  der  Völker  nach  ihrem  Willen
besteht  überall,  sie  wird  erhoben  so  allgemein  und  gleichmäßig
  wie  nie  zuvor  in  der  Geschichte,  und  wird  schließlich
ebenso  gewiß  befriedigt  werden,  als  das  Dasein  der  Völker
dauernder,  berechtigter,  stärker  ist  denn  das  Leben  der  widerstrebenden
  Mächtigen.

Doch  sehen  wir  den  Dingen  auf  den  Grund,  betrachten  wir,
wie  gänzlich  unsere  Freiheitsbegriffe  sich  verwandelt  haben
in  diesem  vielgestaltigen  Kampfe,  dessen  Zuschauer  und  Mitspieler
  wir  selber  sind.  Richt  mehr  mit  dem  Übermute,  mit
der  unbestimmten  Begeisterung  der  Jugend  stehen  wir  den
Freiheitsfragen  gegenüber.  Politische  Freiheit  ist  politisch
beschränkte  Freiheit  —  dieser  Satz,  vor  wenigen  Jahrzehnten
noch  knechtisch  gescholten,  wird  heute  von  jedem  anerkannt,
der  eines  politischen  Urteils  fähig  ist.  Und  wie  unbarmherzig
hat  eine  harte  Erfahrung  alle  jene  Wahnbegriffe  zerstört,
welche  sich  unter  dem  großen  Namen  Freiheit  versteckten!
Die  Freiheitsgedanken,  welche  während  der  Französischen
Revolution  vorherrschten,  waren  ein  unklares  Gemisch  aus
den  Ideen  Montesquieus  und  den  halb-antiken  Begriffen
Rousseaus.  Man  wähnte  den  Bau  der  politischen  Freiheit
vollendet,  wenn  nur  die  gesetzgebende  Gewalt  von  der  ausübenden
  und  von  der  richterlichen  getrennt  sei  und  jeder
Bürger  gleichberechtigt  die  Abgeordneten  zur  Nationalversammlung
  wählen  helfe.  Diese  Forderungen  wurden  er-1