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stätter See in der Sommerzeit viele Fremde, die die ansässigen
Einwohner an Zahl weit übertreffen. Und wenn der Herbst mit
seiner rauheren Witterung den Strom der Reisenden heimwärts lenkt,
dann lockt das mildere Seeklima neue Besucherscharen an die geschützten
User. Brust= und Nervenkranke entfliehen der nachteiligen
Einwirkung des nordischen Klimas und suchen hier Heilung, wo die
Seeluft die lange rauhe Winterkälte mildert.
Die Seen dienen auch als Sammelbehälter und Läuterungsbecken
der Alpengewässer. Wild tobend und oft nur zerstörend stürzt
sich der Alpenfluß trüb und schmutziggrau in den See, und siehe da,
geläutert und beruhigt setzt er aus ihm heraus seinen Lauf fort und
pendet den umliegenden Gebieten Segen. Der See regelt den Wasserstand.
In Zeiten des Hochwassers, besonders zur Zeit der Schneechmelze,
würden die aus dem Gebirge niederstürzenden Ströme das
fruchtbare Land weithin überschwemmen und verwüsten; da werden
ihre großen Wassermassen von den Seen aufgenommen, die gerade
dann, wenn überall Dürre herrscht, die Landschaft ringsum bewässern
und erfrischen. Dies weise Geschenk der Natur wird jetzt künstlich
durch Staubecken und Talsperren nachgeahmt, wo die Seen fehlen
oder bereits zugeschwemmt sind.
Fast überall läßt sich aus früheren Zeiten nachweisen, daß die
Alpenseen ausgedehntere Grenzen hatten. Der Brienzer See war
früher mit dem Thuner See ein Seespiegel, aber beide sind jetzt
durch eine ungefähr 30 qkm grosie Ebene getrennt, die gegenwärtig
eins der Schweizer Paradiese umfaßt: das vielbesuchte Interlaken.
Die Zuflüsse der Seen sind ihre Lebensadern; die Flüsse und
Bäche sind aber auch beteiligt beim allgemeinen Verwitterungsund
Zerstörungswerke der Alpen. Denn die Bergstürze und Steinströme
sind Folgen des allmählichen Zerfallens der Hochalpen. Der
heißbungrige Föhn, der reibende und schleifende Gletscher und die
aus= und abwaschenden Niederschläge sind die zerstörenden Kräfte.
Durch die Gießbäche und Alpenflüsse wird der zertrümmerte Baustoff
des Alpengebäudes bis zum Meere weiter fortgeführt. Die
herrliehen Alpenseen werden ebenso verschwinden wie die hohen Berggipfel
der Alpen, wenn auch unendliche Zeiträume dazu erforderlich
sind.
245. Von der Peterskirche in Rom.
I* war noch nicht drei Stunden in Rom, und schon ließ es
mir keine Ruhe; mein erster Gang war zum Grabe des
Fischers von Galiläa. Später habe ich mir oft gedacht, sollte