Full text : Gesetz-Sammlung für die Königlich Preußischen Staaten. 1881. (72)

72

dasselbe,  ähnlich  wie  das  Französische  in  den  Gymnasien,  als  Nebenfach
  zu  behandeln.

Was  die  Ausdehnung  der  lateinischen  Lectüre  in  den  Realschulen
  betrifft  (vgl.  S.  56),  so  fand  es  bei  Mehreren  keine  Zustimmung,
  daß  die  Grenze  nicht  über  Julius  Cäsar  hinaus  gesetzt
werden  solle.  Einige  erklärten  sich  auch  gegen  den  Gebrauch  von
lateinischen  Chrestomathien.  Dabei  wurde  die  Ansicht  ausgesprochen,
daß  das  Lateinische  als  das  eigentlich  wissenschaftliche  Element  des
Realschul-Lehrplans,  in  den  oberen  Classen  keinesfalls  an  Bedentung
  und  Umfang  verlieren  dürfe  (Jäger,  Meffert);  ferner,
daß,  sofern  man  überhaupt  das  Lateinische  treibe,  dasselbe  auch  so
weit  getrieben  werden  müsse,  daß  die  Schüler  zur  Lectüre  der
Historiker  bis  Livius  und  Tacitus  (Ostendorf),  oder  doch  wenigstens
  bis  zu  Livius  (Klix,  Schrader,  Gandtner)  und  den
leichteren  Reden  des  Cicero  (Schrader)  geführt  würden.

Hr.  Techow  äußerte:  wolle  man  nicht  über  Julius  Cäfar
hinausgehen,  so  könne  die  Betreibung  des  Lateinischen  in  den  Realschulen
  wohl  für  grammatische  Uebungen  Werth  haben,  gewähre
aber  nichts  von  dem  Gehalt  des  classischen  Alterthums,  von  dem,
was  noch  jetzt  fortlebe;  die  Schüler  würden  dann  nicht  so  weit

eführt,  daß  sie  Freude  an  ihrem  Erwerb  und  Anregung  zu  weiterer
Arbeit  beküämen.  Das  Lateinische  sei  dann  auf  den  Aussterbeetat
gesetzt;  darum  solle  man  es  lieber  gleich  ganz  aufgeben;  die  logischen
Uebungen,  welche  man  mit  der  Grammatik  erreichen  wolle,  ließen
sich  auch  an  einem  andern  Material  vornehmen.  —

Von  anderer  Seite  wurde  betont,  daß  auch  die  grammatische
Seite  nicht  zu  vernachlässigen  und  namentlich  in  der  Prima  eingehender
  beachtet  werden  müsse  als  bisher  (Meffert).  Hr.  Osten-—
dorf  war  der  Ansicht,  daß  man  das  von  ihm  für  den  lateinischen
Unterricht  bezeichnete  Ziel  (Livius  und  Tacitus)  erreichen  könne,
wenn  man  das  Lateinische  von  Tertia  an  mit  6  Stunden  wöchentlich
  betreibe.  Aus  den  unteren  Classen  wünschte  er  das  Lateinische
verbannt  zu  sehen,  um  Raum  für  andere  Lehrgegenstände  zu
gewinnen.

Von  einer  Seite  (Fritsche)  wurde  beantragt,  den  deutschen
grammatischen  Unterricht  erheblich  zu  verkürzen,  und  im  Ganzen
diesem  Fach  nur  den  Umfang  zuzubilligen,  der  ihm  auf  den  Gymnasien
  zugestanden  sei.  Von  derselben  Seite  wurde  der  Wunsch
ausgesprochen,  daß  die  philosophische  Propädentik  in  den  Unterrichtsplan
  der  Realschule  aufgenommen  werde.  ·  «

Für  das  Rechnen  wünschte  Hr.  Gallenkamp  in  Serta  und
Quinta  der  Realschule  den  Unterricht  auf  6  Stunden  woöchentlich
ausgedehnt  und  dafür  die  häuslichen  Rechenaufgaben  befeitigt  zu
sehen.  Er  wünschte  ferner,  ebenso  wie  der  Referent  fär  den  Gymnasial-Lehrplan
  es  beantragt  hatte,  auch  für  die  Realschule,  daß  im