Full text : Handbuch des Öffentlichen Rechts. Band II.3. Das Staatsrecht des Königreichs Preußen. (23)

276  Viertes  Buch:  Die  Finanzverwaltung.  II.  Kapitel.  8  69.

richtigung  und  Sicherstellung  der  darauf  treffenden  Erbschaftssteuer  ausantworten  und  bleiben
im  entgegengesetzten  Falle  für  die  Steuer  verhaftet  (88  29,  30).

Die  Verwaltung  des  Erbschaftssteuerwesens  wird  unter  Leitung  des  Finanzministers
von  den  Provinzialsteuerbehörden  durch  die  Erbschaftssteuerämter  geführt,  welchen  innerhalb
der  ihnen  vom  Finanzminister  anzuweisenden  Geschäftsbezirke  die  Feststellung  und  Einziehung
der  zu  erhebenden  Erbschaftssteuerbeträge  und  die  Aufsicht  über  die  Beobachtung  des  Erbschaftssteuergesetzes
  obliegt  (§  31).

Ueber  die  Anmeldung  der  der  Erbschaftssteuer  unterliegenden  Anfälle,  die  Deklaration
der  die  Feststellung  der  Erbschaftssteuer  bedingenden  Verhältnisse  und  die  Feststellung  der  Erbschaftssteuer
  enthalten  die  §§  32—41  d.  G.  genaue  Bestimmungen.

Auf  Streitigkeiten  über  die  Verpflichtung  zur  Entrichtung  der  Erbschaftssteuer  nach
Maßgabe  des  G.  v.  30/5.  1873  finden  die  Bestimmungen  des  G.  v.  24/5.  1861  betreff.  die
Erweiterung  des  Rechtswegs  §§  11  und  12  Anwendung.  Insoweit  die  gänzliche  oder  theilweise
  Erstattung  der  erlegten  Steuer  wegen  eines  nach  deren  Festsetzung  eingetretenen  Ereignisses
  verlangt  werden  kann,  ist  die  Klage  bei  Verlust  des  Klagerechts  binnen  Jahresfrist  nach
dem  Eintritt  des  Ereignisses  anzubringen  (§  42).

Die  Erbschaftssteuer,  mit  Ausnahme  der  bereits  zur  Hebung  gestellten  Beträge  —  verjährt
  in  zehn  Jahren  nach  Ablauf  des  Kalenderjahres,  in  welchem  der  steuerpflichtige  Anfall
erworben  oder  wenn  schon  amtliche,  auf  die  Ermittelung  der  Steuer  gerichtete  Handlungen
vorgenommen  sind,  nach  Ablauf  des  Kalenderjahres,  in  welchem  die  letzte  derartige  Handlung
vorgenommen  wurde.  Zur  Hebung  gestellte  Steuerbeträge  verjähren  in  vier  Jahren  nach  Ablauf
  desjenigen  Kalenderjahres,  in  welches  der  letzte  Tag  der  Zahlungs=  oder  Stundungsfrist
fällt,  bezw.  in  welchem  die  letzte  auf  die  Beitreibung  des  Rückstandes  gerichtete  amtliche  Handlung
  vorgenommen  ist.  Die  Verjährung  sichergestellter  Steuerforderungen  kann  nicht  vor  Ablauf
  desjenigen  Jahres,  in  welchem  die  Sicherheit  erloschen  ist,  erfolgen.  Die  Strafverfolgung
von  Zuwiderhandlungen  gegen  das  Erbschaftssteuergesetz  verjährt  in  drei  Jahren,  die  Vollstreckung
  der  rechtskräftig  deshalb  erkannten  Strafen  in  fünf  Jahren  (§  50)).

Das  Erbschaftssteuergesetz  vom  Jahre  1873,  bezw.  1891  gilt  auch  in  den  hohenzollern'schen
  Landen  und  im  Kreise  Herzogthum  Lauenburg,  jedoch  mit  gewissen  im  Art.  2
des  G.  v.  19/5.  1891  enthaltenen  Maßgaben  bezüglich  der  §  2  Abs.  3,  §§  4  und  46.

§  69.  Einnahmen  aus  der  Lotterie,  Regalien  und  den  Gebühren.  I.  Die  Lotterier).
Die  in  Preußen  seit  1703  bestehende  Klassenlotterie  wurde  im  Jahre  1767  für  den  Staat
monopolisirt,  während  bis  dahin  die  Einrichtung  von  Lotterien  Privaten  gegen  einzuholende
Konzession  gestattet  worden  war.  Bis  zum  Jahre  1793  war  sie  verpachtet,  vom  1/6.  1794
wurde  sie  zunächst  (bis  zum  Jahre  1808)  zu  milden  Zwecken  (zum  Besten  der  Invaliden=  und
Wittwenversorgungs-,  auch  Schul=  und  Armenanstalten)  vom  Staat  in  eigene  Verwaltung
genommen.  Das  Lotterieedikt  vom  28/5.  1810  hob  das  Zahlenlotto  auf;  die  Klassenlotterie
sollte  nach  verändertem  Plane  fortbestehen.  Der  Versuch  an  Stelle  des  aufgehobenen  Zahlenlotto
  und  der  einstweilen  suspendirten  Klassenlotterie  in  Form  der  sog.  Quinen=  und  Güterlotterien
  neue  Landeslotterien  einzurichten,  welche  der  Staatskasse  Einnahmen  zuführen  sollten,
ohne  die  Mängel  der  bis  dahin  bestandenen  Lotterien  zu  haben,  hatte  nach  kurzer  Zeit  mit
Mißerfolg  geendet.  Anderweitige  Versuche  neben  der  seit  1814  wieder  in  Betrieb  gesetzten
Klassenlotterie  noch  andere  Formen  der  Lotterie  (die  sog.  kleine  und  die  große  Staatslotterie,

 

1)  Die  Strafbestimmungen  finden  sich  in  den  §§  43—48  d.  G.

2)  Rönne,  das  Staatsrecht  der  preuß.  Monarchie,  IV.  Aufl.,  4.  Bd.,  S.  778  ff.  —  Bornhak,
Preuß.  Staatsrecht,  4.  Bd.,  S.  507.  —  v.  Mayr,  Art.  Lotterie  in  Stengel's  Wörterbuch  des
Verw.-Rechts,  II,  S.  55  ff.,  I,  Erg.  Bd.  S.  66,  II,  Erg.  Bd.  S.  144.  —  Marcinowski,  das  Lotteriewesen
  im  Königreich  Preußen,  1892.