490 Taubstummen- und Blindenunterricht.
fordert, aber auch von unbegabten und ungeschickten Zöglingen
ohne große Mühe erlernt werden kann, namentlich bei Anwendung
des von Regierungsrat Mell in Wien verbesserten Kleinschen Stacheltypenapparates.
Dieser besteht aus einem die Stacheltypen enthaltenden
Setzkasten und einer zur Aufnahme des Papiers bestimmten
Schreibtafel, zwischen deren Zeilen die Stacheltypen — lateinische
Großbuchstaben — gesetzt und abgedruckt werden. Die so entstehende
Schrift ist ein wenig erhaben und kann daher auch von
dem blinden Schreiber gelesen werden.
Außerdem bilden einige Anstalten einzelne Zöglinge im Schreiben
auf den gewöhnlichen Schreibmaschinen mit gutem Erfolge aus. Am
meisten wird die Blickensderfer Maschine benutzt, die sich durch ihre
Handlichkeit und Billigkeit empfiehlt und von O. Picht mit kleinen
Verbesserungen für die Blinden versehen ist.
Spät-Erblindete erhalten auch Anleitung, die Schrift der Sehenden,
wenn diese ihnen vor ihrer Erblindung geläufig war, auf der Hamannschen
oder Bürgerschen Tafel zu schreiben.
So stehen den deutschen Blinden im ganzen fünf Schriftarten
zur Verfügung: die Heboldschrift, die Stachelschrift, die Maschinenschrift,
die Kurrentschrift für den Verkehr mit Sehenden, — die
Punktschrift zu eignen Aufzeichnungen und für den Verkehr mit
Schicksalsgenossen, wozu in geringerem Grade allerdings auch die
Stachelschrift dienen kann.
26. Bücherschätze in Punktschrift.e Für den Bücherdruck
kommt aber in der Gegenwart nur die Punktschrift in Betracht. In
dieser Schrift hat der schon erwähnte deutsche „Verein zur Förderung
der Blindenbildung‘“, dessen Expedition sich zurzeit in der Blindenanstalt
zu Hannover befindet, u. a. ein neunbändiges Lesebuch, ein
besonderes Übungsbuch für Kurzschrift und eine stattliche Anzahl
von Werken aus der deutschen Literatur herausgegeben, und es ist
kaum ein Uhnterrichtsfach zu nennen, für welches nicht Druckwerke
in Punktschrift als Hilfs- und Fortbildungsmittel zu Gebote stehen.
Für Religion allein das Neue Testament und die Psalmen, ein biblisches
Geschichtsbuch für evangelische und eins für katholische Blinde,
Katechismen, Spruchbücher, Sammlungen von Kirchenliedern, Gebetund
Andachtsbücher. Dann zur Einführung in das deutsche Schrifttum
die Hauptwerke der deutschen Klassiker und eine Reihe der
besten Volks- und Jugendschriften. — Das und vieles andere konnte
nur mit vereinten Kräften von verschiedenen Angriflspunkten aus
geschaffen werden; denn außer den obengenannten Stellen geben