III. Die Pflege des Geistes.
Die geistige Bildung ist vom Süden ausgegangen, denn
im Süden entstanden zuerst große Weltreiche und Culturstaaten.
Von den ältesten in Babylon, Aegypten, Persien, Phönicien
lernten die Griechen, von diesen wieder die Römer und von diesen
endlich lernten wir Deutschen. Nahmen unsere heidnischen Väter
auch nur wenig von den alten heidnischen Römern an, denen sie
sich vielmehr mit der ganzen Energie ihrer Nationalität widersetzten
und deren großes Reich sie am Ende über den Haufen
warfen, so empfingen sie doch hauptsächlich durch ihre Vermittelung
den Segen des Christenthums und später anch noch die Kunde
vom classischen Alterthum, d. h. von der reichen Geistes= und
Geschmacksbildung, Wissenschaft und Kunst der alten Griechen und
Römer. Insofern hat Italien, das Land jenseits der Alpen,
(ultra montes) wiederholt den größten Einfluß auf Deutschland
geübt und daran knüpft sich auch heute noch der Stolz und
Uebermuth, mit welchem die Italiener auf uns als auf ihre
Schüler herabsehen, obgleich wir sie schon vor anderthalb Jahrtausenden
unterworfen haben und jetzt in wahrer Bildung, gründlichem
und reichem Wissen ihnen weitaus zuvor gekommen sind.
Wir würden ihnen für das Christenthum und die classische
Bildung, die sie uns vermittelt haben, dankbarer seyn müssen,
wenn sie nicht schon in der heidnischen Vorzeit und grade durch
die mit ihrer classischen Bildung verbundene Corruption sittlich
so herunter gekommen wären, daß wir ihrer verpesteten Welt-