Full text : Preußische Geschichte. Erster Band. (1)

I.  D

Die  staatliche  Neuorganisation  der  Marken.  271

und  Widerspruchsvolle  dieser  Stellung  mehr  empfunden  zu
haben.  Wäbrend  jene  um  weltlicher  Vorteile  willen  das  hervorhoben,
  was  dem  reinen  Luthertum  mit  der  alten  Kirche
gemein  war,  suchte  er  vielmehr  durch  Beseitigung  der  katholischen
  Reminiscenzen  diesem  Zwitterzustand  ein  Ende  zu  machen.
Den  seit  zwanzig  Jahren  geschlossenen  Magdeburger  Dom  öffnete
er  dem  evangelischen  Gottesdienste.  Das  Gleiche  that  er  1589
in  Halle.  Durch  Wiederaufnahme  ihrer  in  Stillstand  geratenen
Reform  führte  er  die  Klöster  der  verdienten  Auflösung  entgegen.
  Seine  Vermählung  mit  der  jüngeren  Tochter  Johanns
von  Küstrin  vernichtete  den  trügerischen  Schein  seines  angeblichen
geistlichen  Standes:  es  war  der  erste  Fall  der  Art  im  Reiche.
Zu  den  Verehrern  der  Konkordiensormel  gehörte  er  nicht:  er
nahm  sie  erst  an,  als  der  Magdeburgische  Adel  ihm  anderenfalls
  den  Gehorsam  aufzukündigen  drohte,  und  galt  den  Lutheranern
  als  verkappter  Calvinist.  Auch  versammelte  er  gleich
nach  seinem  Negierungsantritt  etliche  Räte  und  angesehene  märkische
  Geistliche  und  that  ihnen  kund,  es  solle  zwar  an  der  reinen
Augeoburgischen  Konfession  und  der  Konkordienformel  festgehalten,
zugleich  aber  eine  Reihe  von  katholischen  Bräuchen  abgeschafft
werden,  die  in  der  märkischen  Kirche  sich  entweder  erhalten  oder
wieder  eingeschlichen  hatten,  wie  die  Elevation  der  Hostie  und
des  Kelches  beim  Abendmahl,  das  Aufhängen  einer  hölzernen
Taube  beim  Pfingstfest,  die  Prozessionen  auf  den  Kirchhöfen  und
anderes  mehr.  Mit  der  Entlassung  Christian  Distelmeyers  aus
dem  Kanzleramte,  die  wegen  seines  Anteils  an  dem  Testamente
Johann  Georgs  erfolgte,  verlor  die  strenglutherische  Partei  ihre
Haunptstütze.  Ersetzt  wurde  er  durch  den  eben  'jährigen  Johann
von  Löben:  er  wirkte  bereits  im  März  1598  bei  der  Berliner
Kirchenvisitation  neben  dem  noch  von  Johann  Georg  zum  Generalsuperintendenten
  berusenen  Christoph  Pelargus  (d.  i.  Storch,
geb.  153.5  in  Schweidnitz),  der  eine  versöhnliche  Richtung  vertrat.
  Die  VMisitation  von  1000  beseitigte  wenigstens  die  übelsten
Folgen  der  katholisierenden  Halbheit  Zoachims  Il.  und  machte
Ernst  mit  der  Durchführung  der  evangelischen  Prinzipien.  Auch
erklärte  Joachim  Friedrich,  zwar  bleibe  die  Konkordienformel
für  den  Bekenntnisftand  des  Landes  maßgebend,  könne  jedoch