Volltext : Sagenbuch des Königreichs Sachsen

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beiden  Witwen,  und  nicht  selten  ging  er  zu  ihnen  auf  Besuch.  Er
kam  niemals  leer,  sondern  brachte  ihnen  jedesmal  Fische  und  Krebse
mit,  daß  sie  diese  sich  und  dem  Jungen  kochten.  Bei  solchen  Abend—
mahlzeiten  führte  der  Wassermann  verschiedene  unklare  und  dunkle
Reden,  daß  sich  die  Witwen  zuletzt  vor  ihm  fürchteten  und  dem
Jungen  sich  die  Haare  auf  dem  Kopfe  sträubten.  —  Einstmals
fragte  er  sie,  was  sie  ihm  für  die  erwiesene  Güte  gäben?  Sie
rieten  hin  und  her,  bis  sie  endlich  sagten,  daß  er  doch  Gnade  mit
ihnen  haben  sollte,  weil  er  doch  wüßte,  daß  sie  selber  nichts  hätten.
Darauf  antwortete  der  Wassermann:  „Aun,  eine  Seele  habt  ihr
doch!“  Und  damit  ging  er  fort.  Die  unglücklichen  Frauen  wußten
vor  Schreck  nicht,  was  sie  anfangen  sollten.  Am  andern  Tage  ver—
sperrten  sie  die  Türe,  so  daß  der  Wassermann  nicht  hinein  konnte.
Auch  am  dritten  Tage  pochte  er  vergeblich  an  die  Türe,  und  weil
man  ihm  nicht  öffnete,  so  ging  er  zornig  hinweg  und  wünschte
ihnen  Unheil.  —  Längere  Zeit  hatten  jetzt  die  Witwen  Ruhe  vor
dem  Wassermann.  Einst  aber  lief  der  Junge  nach  Wasser  und
fand  am  Wasser  auf  einem  Stege  einen  Kamm  liegen.  Der  Ramm
aber  gehörte  niemandem  anders  als  dem  Wassermanne.  Er  hatte
ihn  in  Gedanken  liegen  lassen.  Der  Funge  hob  ihn  auf  und  kehrte
nach  Hause  zurück.  Geschwind  kroch  darauf  der  Wassermann  aus
dem  Flusse,  eilte  hinter  dem  Jungen  her  und  rief:  „Hôléko  wjesel,
daj  moj  éesel!“  („Fröhliches  Knäblein,  gib  mir  mein  Kämmlein!")
Der  Junge  erschrak  auf  den  Tod,  bevor  er  auf  die  Haustürschwelle
gelangte,  doch  entwischte  er  noch  dem  Wassermanne,  welcher  ihn  von
dem  Stege  hinunter  ins  Wasser  hatte  stoßen  wollen,  wenn  er  sich
nicht  beim  Krebsfange  ein  wenig  verspätet  gehabt  hätte.

507.  Der  A#x  zieht  aus.
Casopis  Macicy  Serbskeje  1894,  S.  110,  übersetzt  von  Dr.  Pilk.

Auf  der  A#mschützer  Viehweide  ist  eine  Lache,  wo  die  Gänse
hin  saufen  gehen.  Früher  war  sie  größer,  jetzt  entwässert  sie  sich
mehr  und  mehr,  so  daß  sie  beinahe  ausgetrochnet  ist.  Dort  hat
einst  der  Wassermann  seine  Wäsche  gewaschen  und  am  Ufer  getrochnet.
  Einmal  haben  die  Leute  bei  dieser  Lache  einen  Wagen
stehen  sehen,  auf  welchen  der  Wassermann  mit  seiner  Frau  Geräte