Contents : Entwickelung und Stand des höheren Mädchenschulwesens in Deutschland.

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Während  so  theoretisiert  wird,  tritt  auch  zugleich  eine
ganze  Reihe  von  Töchterschulen,  fast  durchweg  Privatschulen,
  ins  Leben.  In  Berlin,  Dresden,  Hannover,
Göttingen,  Görlitz  (von  Gersdorfsche  Erziehungsanstalt),
Cüstrin  (weibliche  Lehr-  und  Erziehungsanstalt  von  Rektor
Knauert),  Darmstadt,  Bremen  (unter  Leitung  von  Betty
Gleim),  Lübeck  (J.  H.  Meyer),  Frankfurt  a..M.,  Hamburg,
Ansbach,  Nürnberg  (das  Seidelsche  Institut),  Augsburg,
Heidelberg  (Karoline  Rudolphi)  u.  s.  w.  finden  wir  blühende
Privatschulen  für  Mädchen.  Die  grolse  Bedeutung,  die  die
Litteratur  damals  für  das  nationale  Leben  hatte,  brachte  eine
starke  Betonung  des  litterarisch-ästhetischen  Prinzips  mit
sich,  die  noch  ein  charakteristisches  Merkmal  der  deutschen
Mädchenschule  bildet.  Die  Lehrpläne  sind  noch  sehr  buntscheckig.
  Die  oben  erwähnte  Töchterschule  in  Dessau  weist
neben  den  Elementarkenntnissen  und  den  obengenannten
Fächern  auf:  „Verfertigung  schriftlicher  Aufsätze,  vornehmlich
  über  hauswirtschaftliche  Angelegenheiten,  Briefe,  Erzählungen
  u.  8.  w.,  Biblische  Geschichte  und  Religionsunterricht
nebst  den  wichtigsten  moralischen  und  häuslichen  Grundsätzen
  zur  Führung  eines  nützlichen  und  zufriedenen  Lebens,
Naturgeschichte,  besonders  eine  Kenntnis  der  vaterländischen
Naturprodukte  und  deren  ökonomischer  Benutzung;  einige
Kenntnis  der  Geographie,  vorzüglich  der  vaterländischen;  Anweisung
  zu  verschiedenen  lIandarbeiten  eines  häuslichen
Frauenzimmers,  z.  B.  im  Nähen,  Stricken,  Spinnen,  Klöpfeln
u.  dergl.“  —  Auf  anderen  Lehrplänen  finden  wir  die  Mythologie,
  die  für  das  Verständnis  der  Klassiker  wichtig  erschien,
als  besonderes  Fach;  auch  Psychologie  kommt  vor.  Wieder
auf  anderen  spielt  die  weibliche  Handarbeit  die  wichtigste
Rolle.

Aber  selbst  da,  wo  gute  Töchterschulen  bestehen  —  der
Name  „höhere*  Töchterschule  kommt  (nach  Wiese)  vor  den
zwanziger  Jahren  unseres  Jahrhunderts  nicht  vor  —  bleibt

doch  die  Bildung  der  Mädchen  eine  sehr  lückenhafte,  schon
weil  die  Schulbildung  in  der  Regel  mit  vierzelın  Jahren  bereits
  ihren  Abschluls  fand.  Vielfach  aber  fehlte  es  auch  an