Full text : Quellensammlung zur Entwicklungsgeschichte des modernen Staates. Zweiter Band. (2)

J.  Görres:  Teutschland  und  die  Revolution.  15

schar  die  wilde  Erde  dem  Menschen  gezähmt.  Dagegen  aber
hat  dieselbe  Kultur  die  Gemeinschaft  mit  einer  anderen  Welt
eröffnet,  die  durch  geistige  Kräfte  jene  nie  versiegende  Uaturkraft
  ersetzt  und  bei  den  Umwandlungen  der  Staaten  ihre
Dienste  versieht.

Es  ist  dies  jene  geheimnisvolle  Ideenwelt,  die,  nach  alter
Lehre  12,  erfüllend  die  unendliche  Tiefe  des  Geisterreichs  und
gleich  dem  AQtherhimmel  über  unserem  Selbstbewußtsein  ausgespannt,
  in  alle  Klüfte  der  Unterwelt  ihr  Licht  niedergießt
  und  alle  Gestaltungen  beseelt.  Wie  aus  dieser  Welt,
nach  eben  jener  Lehre,  die  Seelen  in  die  Materie  niedersteigen,
  ein  zeitliches  Leben  hienieden  führen  und  dann
wieder  zur  heimat  hehren,  so  sind  es  eben  die  ihr  entstammenden
  Idbeen,  die  die  Staaten  als  ihre  eigentliche  Begeistigung
  zusammenhalten,  mit  der  Eeistesschwere  sie  in  sich
verbinden  und  mit  dem  geistigen  Cichte  sie  durchleuchten,
und  also  gebunden  im  rechten  Maße  durch  die  Materie
und  unsichtbar  selbst,  durch  sie  zur  sichtbaren  Darstellung
gelangt,  als  die  innewohnende  plastische  und  erhaltende
Kraft  das  Leben  fördernd,  in  seiner  Darstellung  sich  verlieren.


So  aber  nun  die  Stufenjahre  dieses  Lebens  durchlaufen
sind  und  der  Staat  veraltet,  vermag  er  nicht  ferner  die
innewohnende  Idee  zu  fassen.  Sie,  die  vorher  latent  18  in
ihm  gewesen,  wird  nun  frei  und  strahlend,  und  in  dem
Maße,  wie  sie  nun  jenem  geistigen  Reiche  verwandt  sich
fühlt  und  andere  ihr  gleichartige  Ideen  zu  sich  herniederzieht,
  wird  sie  dem  bestehenden  Materiellen  mehr  entfremdet.
  Und  sie,  die  vorher  die  Erhalterin  gewesen,  wird
nun  zerstörend  und  löst,  weil  sie  ein  neues  haus  sich  zu
bauen  vorgenommen,  von  innen  heraus  alle  Bande  des
alten  Organismus  auf,  damit  der  neue  zum  Werden  Raum
gewinne.

So  geschieht  es,  daß  in  solchen  Ubergangszeiten  Geistesblitze
  zuckend  durch  die  ganze  Gesellschaft  fahren  und  in