Full text : Geschichte der Hohenzollern.

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daß  das  preußische  Fußvolk  ohne  Deckung  sei,  unverzüglich  vom  Marsche  aus
seine  Schwadronen  gegen  sie  einschwenken.  Diesen  Augenblick  ersah  der  General
Driesen,  welcher  die  preußische  Reiterei  befehligte,  zum  Angriff.  Mit  dreißig
Schwadronen  stürzte  er  auf  seine  Front,  mit  zehn  in  Flanke  und  Rücken;  diesen
durch  die  Ueberraschung  um  so  furchtbareren  Stoß  vermochte  die  feindliche  Reiterei
nicht  auszuhalten.  Zersprengt  floh  sie  vom  Schlachtfelde,  um  nicht  wieder  zu
erscheinen;  General  Lucchesi  selbst  war  gefallen.  Die  Flucht  der  Reiterei  endigte
auch  den  Widerstand  des  Fußvolks.  Kaum  hatte  dies  den  glänzenden  Erfolg
des  General  Driesen  gesehen,  so  löste  es  sich  in  voller  Unordnung  auf,  ein
großer  Theil  warf  die  Gewehre  fort,  das  Geschütz  wurde  verlassen;  bald  sah
man  fast  nichts  als  Flüchtlinge  auf  dem  ganzen  Felde.  Die  moralische  Kraft
des  Heeres  war  dahin,  denn  selbst  das  Fußvolk  des  rechten  Flügels,  welches
eben  herbeigekommen  war  und  fast  noch  keine  Patrone  verschossen  hatte,  ward
von  einem  gleichen  panischen  Schrecken  ergriffen;  ein  großer  Theil  desselben
wurde  von  den  preußischen  Husaren  gefangen.  Nur  vier  östreichische  Bataillone
hielten  noch  auf  dem  Windmühlenberge  bei  Leuthen  tapfern  Widerstand;  doch
als  auch  diese  durch  zehn  Schwadronen  Karabiniere  und  Dragoner  theils  niedergehauen,
  theils  gefangen  waren,  konnte  nicht  mehr  von  Kampf,  sondern  nur
noch  von  Verfolgung  die  Rede  sein.

Unterdessen  war  die  Nacht  vollends  hereingebrochen,  und  schützte  durch
ihre  Dunkelheit  das  sstreichische  Heer  vor  gänzlicher  Vernichtung,  denn  die
Banden  der  Kriegszucht  waren  gelöst,  alle  Regimenter  unter  einander  gemischt.
Der  Uebergang  über  das  Schweidnitzer  Wasser  geschah  in  furchtbarer  Hast  und
ohne  alle  Ordnung;  nur  dem  General  Nadasdy  war  es  gelungen,  die  Truppen
des  linken  Flügels  wieder  einigermaßen  zu  sammeln  und  auf  seiner  Seite  den
Rückzug  mit  Erfolg  einigermaßen  zu  decken.

Als  aber  die  preußischen  Grenadiere  nach  der  blutigen  Arbeit  des  schwerch
Tages  endlich  Rast  machten,  da  hob  einer  unter  ihnen  das  fromme  Kied  an:

„Nun  danket  alle  Gott,“  und  Alle  stimmten  ein.  Auch  am  Morgen  waren  fie
mit  einem  frommen  Liede  in  den  Kampf  gezogen.  Der  König,  obschon  sonst
kein  Freund  von  lauten  religiösen  Demonstrationen,  wehrte  ihnen  in  diesem
feierlichen  Augenblick  nicht,  denn  er  fühlte  wohl  in  der  Tiefe  seines  Herzens,
daß  sich  Gottes  Gnade  mächtig  an  ihm  erwiesen  und  den  Muth  seiner  kleinen
Schaar  zum  glorreichen  Siege  gestärkt  hatte.  Allein  auch  den  Dank  gegen  seine
getreuen  Kampfgenossen  vergaß  er  nicht.  Vor  Allen  zeigte  er  dies  dem  Fürsten
Moritz  von  Dessau,  dem  er  ungerechter  Weise  die  Schuld  des  Unglücks  bei
Collin  beigemessen  hatte.  Als  er  nach  Beendigung  der  Schlacht  den  Fürsten
auf  dem  Kampfplatze,  beschäftigt  noch  fernere  Befehle  zu  geben,  fand,  rief  er
ihm  mit  heiterer  Laune  zu:  „Ich  gratulire  Ihnen,  Herr  Feldmarschall.“  Und
als  der  so  ehrenvoll  Belohnte  im  Drange  der  Geschäfte  den  König  nicht  verstand,
  rief  dieser  noch  einmal:  „Hören  Sie  denn  nicht,  Herr  Feldmarschall,  daß
ich  Ihnen  gratulire,“  wobei  er  das  ehrenvolle  Anerkenntniß  hinzufügte,  daß