148 Die Sesfion 1880.
einem parlamentarischen Diner am 8. April 1880 bemerkte, üdaß die
Vorlage eigentlich bereits ihre Erledigung gefunden habe in der
ohne Präzedenzfall dastehenden schnellen Beratung des Budgets.
Wenn die Etatsberatung immer mit derselben Promptheit vor sich
gehe, so sei ihm an dem Gesetz wenig gelegen.
Das uent Septennat.
Die Militärvorlage verlangte, für die Zeit vom 1. April 1881
bis dahin 1888 die Friedenspräsenzstärke des Reichsheeres von
401 659 auf 427274 Mann zu erhöhen. Für ein neues Septennat
also sollte eine erhöhte Friedenspräsenzstärke festgestellt werden.
Das neue Septennat sollte noch drei Viertel Jahr vor Ablauf des
1874 normierten Septennats (für die Zeit vom 1. Januar 1875 bis
dahin 1882) beginnen.
Die Vorlage gelangte am 1. und 2. März zur ersten Beratung.
Ich trat unmittelbar nach den einleitenden Worten des
Kriegsministers v. Kameke in längerer Rede der Vorlage namens
der Fortschrittspartei entgegen.
Soeben ist erst der Bündnisvertrag mit Osterreich abgeschlossen
und als neue Bürgschaft des Friedens von der Regierungspresse
gefeiert worden. Rußland hat in dem soeben beendigten Kriege
mit der Türkei die letztere nur unter den größten Anstrengungen
und Verlusten zu Boden zu werfen vermocht und ist durch diesen
starken Aderlaß und innere Beunruhigung erheblich geschwächt.
Allerdings hat Frankreich seit 1871 seine Kriegsmacht erheblich verstärkt,
aber auch Deutschland hat seit 1871 seine schon damals überlegene
Kriegsmacht noch weiter gesteigert. Sehr ausführlich erörterte ich
die einschlagenden Verhältnisse und nahm dann die Forderung der
Einführung der zweijährigen Dienstzeit in vollem Umfange
wieder auf, indem ich mich namentlich auch berief auf die vielfach
erwähnte Schrift des Majors v. d. Goltz über die Erfahrungen
bei der französischen Loirearmee und außerdem auf die Aussagen,
welche die Eisenindustriellen bei der Zollenquete gemacht hatten,
und die dabei nachgewiesene Schädigung der deutschen Industrie
durch die lange Dienstzeit der Arbeiter.
Nach mir sprach Graf Moltke. Heute nach Einführung der
zweijährigen Dienstzeit bei den Fußtruppen muten die damaligen
Ausführungen des Grafen Moltke seltsam an. Spöttisch sprach er
von der zweijährigen Dienstzeit als dem Lieblingsgedanken besonders
derjenigen, welche nicht selbst dazu berufen sind, aus einem Rekruten
einen Soldaten zu machen. Diese Aufgabe sei nicht so leicht wie
es vielleicht am Schreibtisch aussehe. Es handele sich nicht bloß
um die technische Abrichtung des Mannes, sondern auch um die
militärische Erziehung des Jünglings zum Manne, welche eingelebt