Contents : Geschichte der Hohenzollern.

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würde.  Darauf  gingen  die  Belagerer  ein,  und  die  Bürger  leisteten  bedungener
Maßen  dem  Herzoge  von  Holstein  den  Eid  der  Treue.

Für  den  König  jedoch  war  die  Eroberung  der  Festung  ein  dußerst  unangenehmes
  Ergebniß.  Nach  den  Fortschritten,  welche  die  Russen  schon  gemacht
hatten,  mußte  er  fürchten,  daß  Peter  der  Große  sich  auch  der  Odermündungen
bemächtigen  würde,  wie  er  schon  Newa  und  Düna  beherrschte.  Es  lag  ihm
daher  Alles  daran,  die  drohende  Gefahr  zu  beseitigen.  Diesen  Zweck  erreichte
er  durch  ein  freilich  nicht  unbedeutendes  Geldopfer  von  400,000  Thalern,  welche
er  den  Russen  und  Sachsen  als  Erstattung  der  Belagerungskosten  von  Stettin
dersprach,  wogegen  diese  ihm  die  Festung  einräumten,  mit  der  Versicherung,
nichts  Feindseliges  gegen  Pommern  auszuführen,  sobald  keine  schwedischen  Truppen
  ferner  ins  Land  gebracht  würden  (6.  Oktober  1713).  Pommern  blieb  also
nach  diesem  Vertrage  bis  zum  Frieden  unter  der  Sequestration  Preußens,
und  Letzteres  sollte  darin  von  den  Theilnehmern  des  Vertrages  so  lange  in  diesem
Besitz  geschützt  werden,  bis  es  die  festgestellte  Summe  zurückerhalten  hätte.  Unverzüglich
  rückten  nun  zwei  Bataillone  Preußen  in  Stettin  ein  und  bildeten  mit
zwei  schwedischen,  welche  dem  Herzog-Administrator  geschworen  hatten,  die
Besatzung  der  Stadt.  Bald  darauf  wurden  diese  durch  zwei  holsteinische  Bataillone
  abgelöst,  ohne  Zweifel  zu  größerer  Sicherheitsstellung  des  abgeschlossenen
  Sequestrationsvertrages.

Allein  dieser  Vertrag  entfernte  noch  keinesweges  die  Furcht  vor  dem
Wiederausbruch  des  Krieges  in  Pommern,  denn  weder  der  Czar  noch  der  König
von  Dänemark  waren  damit  zufrieden,  am  wenigsten  Karl  XII.,  als  er  den
wahren  Zusammenhang  der  Sache  erfuhr,  da  er  allerdings  die  Entfernung
der  feindlichen  Truppen  billigte,  aber  in  Bezug  auf  die  Zahlung  der  400,000
Thaler  an  Holstein  verwies,  und  jede  Verpflichtung  Schwedens  für  diesen
Punkt  ableugnete.

Die  unter  den  damaligen  Umständen  jedenfalls  unpolitische  Schroffheit
des  Königs  von  Schweden  trieb  Friedrich  Wilhelm  I.  den  Gegnern  in  die  Arme,
da,  wenn  er  sein  Geld  nicht  verlieren  wollte,  ihm  jetzt  nur  diese  das  Unterpfand
  sichern  konnten.  Dies  geschah  in  einem  Garantievertrag  mit  dem  Czar
(den  12.  Juni  1714).  Der  Czar  verbürgte  in  dem  künftigen  Frieden  dem
Könige  Stettin  mit  dem  dazu  gehörigen  Distrikt,  Letzterer  dem  Czaren  die  russischen
  Eroberungen  am  finnischen  Meerbusen.

Friedrich  Wilhelm  I.  verhehlte  sich  nicht,  daß  er  von  diesem  Augenblick
an  in  völlig  feindselige  Stellung  zu  Karl  XII.  gerathen  mußte;  daher  befahl  er
denn  auch  die  schleunigsten  Kriegsrüstungen  an,  und  war  bereit,  sich  selbst  an  die
Spitze  der  Unternehmung  zu  stellen.  Es  bedurfte  in  der  That  der  ganzen  Kraftanstrengung
  Preußens,  denn  Karl  XII.  erschien,  als  jede  Hoffnung  auf  die  Erneuerung
  eines  Krieges  von  Seiten  der  Pforte  mit  Rußland  verschwunden  war,
ganz  unerwartet  nach  seinem  vierzehntägigen  abentheuerlichen  Ritt  durch  Ungarn,
Oestreich,  Schwaben,  die  Pfalz,  Westphalen  und  Niedersachsen,  mitten  in  der