Full text : Lehrplan für die einfachen Volksschulen des Königreichs Sachsen vom 5. November 1878.

134  86.  Geschichte,  Erdkunde,  Naturgeschichte  und  Naturlehre.

unausführbar  erweist,  bleibt  der  Nutzgarten  des  Lehrers  das  beste
Mittel  zum  wenigsten  für  die  Veranschaulichung  der  Entwicklung  und
Kultur  der  Gartengewächse.“  S.  hierzu  Anmerkung  152.

Lehrplan  für  den  Bezirk  Glauchau:  „Lehrspaziergänge  —  vier
im  Jahre  —  sind  nicht  zu  versäumen.  Sie  sollen  u.  a.  den  Zweck
haben,  die  Kinder  mit  solchen  Naturkörpern  bekannt  zu  machen,  die
in  der  Heimat  vorkommen,  im  Unterricht  aber  eine  eingehende  Besprechung
  nicht  erfahren  können.“  S.  hierzu  Anmerkung  131  b  und  152.

175)  Die  G.  B.  empfehlen  den  Ankauf  einiger  ausgestopfter  Tiere
und  die  Anlage  kleiner  Naturaliensammlungen;  die  letzteren
würden  mit  nur  geringen  Kosten  nach  und  nach  zu  beschaffen  sein,
wenn  der  Lehrer  das  Interesse  seiner  Schüler  und  schulfreundlicher
Gemeindeglieder  zu  gewinnen  wisse.

„Allerdings  wird  den  Kindern  die  Anregung  zur  Sammlung  von
Naturkörpern,  namentlich  von  Tieren  und  Pflanzen  stets  mit  Vorsicht
zu  geben  sein.“  Die  Kinder  sollen  zur  Achtung  des  organischen  Lebens
erzogen  werden,  und  nicht  etwa  gar  zur  Verarmung  der  heimatlichen
  Flora  und  Fauna  beitragen.

Entwurf  2c.  (Großenhain):  „Die  naturgeschichtlichen  Anschauungsmittel,
  die  bei  den  Beobachtungsgängen  oder  bei  anderen  Gelegenheiten
gesammelt  worden  sind,  werden  teils  zu  vorübergehender  Betrachtung
im  Lehrzimmer  ausgestellt,  teils  für  die  Zeit  der  Besprechung  aufbewahrt.
  Derartige  Sammlungen  sind  von  großer  Wichtigkeit  für  das
Gelingen  der  naturgeschichtlichen  Unterredungen.“

1760)  Hierbei  ist  nur  an  die  einfachsten  physikalischen  Apparate  zu
denken,  deren  viele  vom  Lehrer  selbst  namentlich  dann  leicht  hergestellt
werden  können,  wenn  er  sich  mit  dem  Handfertigkeitsunterricht  einigermaßen
  vertraut  gemacht  hat.  Manches  läßt  sich  auch  ohne  besondere
Apparate  durch  im  gewöhnlichen  Leben  gebräuchliche  Werkzeuge,  Gerätschaften
  2c.  veranschaulichen.

G.  B.:  „Die  besten  Apparate  aber  nützen  nichts,  wenn  sie  nicht
recht  gehandhabt  werden;  daher  ist  zu  guter  Erteilung  des  physikalischen
Unterrichts  sorgfältige  Vorbereitung  und  einige  Sicherheit  im  Experimentieren
  für  den  Lehrer  unerläßlich.“

Nicht  selten  ist  wahrzunehmen,  daß  die  vorhandenen  Apparate,  wenn
sie  nach  längerer  Zwischenzeit  wieder  einmal  in  Gebrauch  genommen
werden,  ihren  Dienst  versagen,  weil  sie  schadhaft  geworden  sind.  Es
sollte  daher  allenthalben  für  zweckmäßige  Aufbewahrung  und  pflegliche
Behandlung  derselben,  wie  auch  aller  übrigen  Lehrmittel  gesorgt  sein.

177)  An  guten  naturkundlichen  Abbildungen  ist  zurzeit  kein
Mangel.  Dessenungeachtet  gilt  auch  jetzt  noch  die  Forderung  der  (:.  B.,
daß  jeder  Lehrer  eine  gewisse  Fertigkeit,  naturkundliche  Gegenstände
mittelst  der  Kreide  an  der  Wandtafel  darzustellen,  besitzen  oder  doch
sich  aneignen  müsse.  Auch  empfiehlt  es  sich,  den  Schülern  zu  eigener
Darstellung  Anregung  zu  geben.  Schematische  Schülerzeichnungen,
die  nur  das  Wesentliche  eines  Gegenstandes  enthalten,  haben  besonders
im  physikalischen  Unterrichte  bildenden  Wert.  Vergl.  auch  Anmerkung  189.