Full text : Der Mündliche Vortrag. Dritter Teil. Schönheit des Vortrags. (3)

124  Bortrag  des  Epischen.

(Stark,  entschlofsen.)
Da  galt  Geschwindsein  und  Entschlossenheit.
Wär'  er  nur  unser  Edelmann  gewesen,
Wir  hätten  unser  Leben  wohl  geliebt,
Doch  er  war  unser  Eidgenoß  und  Bertha
Ehrte  das  Volk.  So  setzten  wir  getrost
Das  Leben  ein  und  stürzten  in  das  Feuer.
Rudenz  und  ich
Wir  trugen  sie  selbander  aus  den  Flammen,
Und  hinter  uns  fiel  krachend  das  Gebälke.
(Ruhiger  anfangend,  dann  steicernd.)
Und  jetzt,  als  sie  gerettet  sich  erkanmte,
Die  Augen  aufschlug  zu  dem  Himmelslicht,
Jetzt  stürzte  mir  der  Freiherr  an  das  Herz,
(Kräftig,  nicht  zu  laut,  nicht  zu  rasch.)
Und  schweigend  ward  ein  Bündnis  jetzt  beschworen,
Das,  fest  gehärtet  in  des  Feuers  Glut,
Bestehen  wird  in  allen  Schicksalsproben.

Die  folgende  Erzählung  erhebt  sich  fast  nicht  über  den  Ton
eines  ruhigen  Berichts.

Der  König  ritt  herab  vom  Stein  zu  Baden,

Gen  Rheinfeld,  wo  die  Hofstatt  war,  zu  ziehn,

Mit  ihm  die  Fürsten  Hans  und  Leopold

Und  ein  Gefolge  hochgeborner  Herren.

Und  als  fie  kamen  an  die  Reuß,  wo  man

Auf  einer  Fähre  sich  läßt  übersetzen,

Da  drüngten  sich  die  Mörder  in  das  Schiff,

Daß  sie  den  Kaiser  vom  Gefolge  trennten.

Drauf  —  als  der  Fürst  durch  ein  geackert  Feld

Hinreitet  —  eine  alte  große  Stadt

Soll  drunter  liegen  aus  der  Heiden  Zeit  —

Die  alte  Veste  Habsburg  im  Gesicht,

Wo  seines  Stammes  Hoheit  ausgegangen  —
(Erzählung,  lebendiger,  mit  dem  Ton  des  Abscheus.)

Stößt  Herzog  Hans  den  Dolch  ihm  in  die  Kehle,

Rudolph  von  Palm  durchrennt  ihn  mit  dem  Speer,

Und  Eschenbach  zerspaltet  ihm  das  Haupt,

Daß  er  herunter  sinkt  in  seinem  Blut,

Gemordet  von  den  Seinen,  auf  dem  Seinen.

Am  andern  Ufer  sehen  sie  die  That,

Doch  durch  den  Strom  geschieden  konnten  sie