Full text : Schwerin und Bleichröder.

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zu  decken,  was  sie  aber  verweigerte,  unter  der  Motivirung,  daß
dies  Sache  des  Herrn  von  Bleichröder  sei,  der  ja  durch  ihre  Ab—
findung  anerkannt  habe,  den  Prozeß  verloren  zu  haben.  Es  ist
dies  ein  recht  häßlicher  Zug  jenes  Weibes,  für  welches  Schwerin
in  der  größten  Noth  eingetreten  war,  als  kein  Mensch  Beistand
leisten  wollte  gegen  den  allmächtigen  Herrn  von  Bleichröder,  der
alle  Fivilprozesse  gegen  sie  gewonnen  hatte  und  dem  sie  durchaus
nichts  mehr  anhaben  konnte!  Herr  von  Schwerin  hat  unsägliche
Mühe  während  eines  ganzen  Jahres  mit  dieser  Angelegenheit
gehabt,  er  hat  sämmtliche  Beweise  zum  Nachweis  des  Meineides
und  alle  eidesstattlichen  Versicherungen  herbeigeschafft,  er  hat  un—
zählige  Briefe  geschrieben  und  viele  hundert  Mark  baare  Auslagen
  gemacht,  um  der  Frau  zu  ihrem  Rechte  zu  verhelfen.  Bei
alledem  hatte  Herr  von  Schwerin  mit  der  eigenen  Sorge  zu  kämpfen,
war  es  aber  doch  zufrieden,  daß  Frau  Croner  nur  dann  seine
Bemühungen  vergüte,  wenn  sie  für  ihre  Uasse  Erfolg  haben
würden;  in  diesem  Falle  erbot  sie  sich  freiwillig,  und  gab  es
schriftlich  von  sich,  Derrn  von  Schwerin  ein  Hauschal  von  10%
desjenigen  Betrages  zu  zahlen,  den  sie  von  Derrn  Bleichröder
erstreiten  würde.  Welcher  Anwalt  würde  sich  wohl  auf  eine  solche
Droposition  einlassen  d  In  Berlin  gab  es  damals  keinen,  der
überhaupt  gegen  Bleichröder  im  Wege  des  Meineides  —  des
allein  noch  möglichen!  —  vorgehen  wallte,  geschweige  denn  ohne
jede  Sahlung!  Der  Erfolg  war  mehr  als  zweifelhaft,  aber  nachdem
  er  erreicht  war,  hatte  Schwerin  nicht  die  geringste  Deranlassung,
dieser  Frau  etwas  zu  schenken.  Es  standen  ihm  rechtmäßig  von
den  durch  Zleichröder  gezahlten  75000  Mark  10%  mit  7500  Mark
zu,  die  hatte  er  vollständig  ehrlich  verdient!  kTrichtsdestoweniger
verweigerte  sie  ihm  Frau  Croner  —  ein  echt  jüdischer  Zug  —
weil  sie  in  dem  Augenblick  schon  wußte,  daß  sie  durch  Derrn  von
Schwerin  nie  gezwungen  werden  könnte,  ihre  Derpflichtungen  zu
erfüllen,  da  —  sie  den  Auslandspaß  schon  in  der  Tasche  hatte
und  nächsten  Tags  spurlos  verschwinden  würde.  Undank  ist  der
Welt  Lohn,  das  hat  Schwerin  leider  sehr  häufig  erfahren  müssen.
Selbstverständlich  wurde  die  Frau  jedoch  sofort  verklagt  und
Schwerin  nahm  sich  zu  seinem  Be  stande  den  Rechtsanwalt  Rätzel;
Befriedigung  konnte  er  aus  den  erwähnten  Gründen  jedoch  nicht
erlangen.

von  Schwerin  und  Bleichröder.  6