III. Ballin, Bülow und Tirpitz.
vollste und großzügigste Sozialpolitik der Welt treiben und eine über die
Linie des für unsre Verteidigung absolut Nokwendigen hinausgehende
Flotte bauen.
Auch auf diesem Gebieke bin ich für Utopien nicht zu haben, sie
würden dem Lande zu teuer zu stehen kommen. Tarusflüge mache ich
nicht mik.“
In der Reichstagsrede vom 10. Dezember 1908 ist die
Erklärung über die Flottenrüstung so formuliert: „Auf der
einen Seite unfre geographische Lage, nach der für alle
Zeit unfre Sicherheit von der Stärke unsers Landheeres
abhängig sein wird, auf der andern Seite das Maß unfrer
wirtschaftlichen und finanziellen Kräfte, die durch die Anforderungen
für unser Landheer und durch eine allen
andern Ländern vorauseilende Sozialpolitik bereits stark
belastet sind, schließen es, darin weiß ich mich der
Zustimmung unsrer Marinebehörden gewiß, völlig
aus, daß wir im Flottenbau über das nach unserm
Schutzbedürfnis bestimmte und demgemäß gesetzlich
festgelegte Maß hinausgehen.
Dem Briefe des Stkaatssekretärs v. Schön, der den
russischen Minister Iswolski nach seiner Zusammenkunfk
mit dem Baron Aehrenthal in Buchlau auf seinem
Sommersitz bei Berchtesgaden empfangen hatte'), war
folgender Satz entnommen:
„Iswolski hält eine Verständigung zwischen uns und England durch
Einschränkung der Schiffsbauten nicht für angängig, meink indessen, daß
die Engländer zur Beruhigung gelangen dürften, wenn sie davon überzeugk
wären, daß wir über das gesehzlich festgelegte Programm unter normalen
Verhälknissen nicht hinauszugehen gedenken.“
Der Artikel J. A. Spenders, des Chefredakteurs der
liberalen „Westminster Gazette', stand in der (Münchener)
„Allgemeinen Zeitung' und in der Berliner „Woche“. Er
*) Näheres in der Schrift „Der mißverstandne Bismarck“ S. lol.
S#I