Der Geist des Heeres und der Idealismus. 175
welche das Leben eines jeden Menschen mit sich bringt, keine Wirkung.
Ist das Ideal verschwunden, dann bleibt nur Öde und Traurigkeit
zurück.¹)
Der Idealismus führt zur Schwärmerei, wenn er ganz von den gegebenen
Verhältnissen absieht, wenn sich der Geist ganz in das Gebiet
des Übersinnlichen verliert, oder wenn eine Idee eine solche Macht auf
den Geist ausübt, dass er für andere Ideen ganz unempfänglich ist. Es
gibt eine materielle Welt, der menschliche Körper selbst gehört derselben
an. Der Körper verlangt Nahrung und Pflege. Um diese herbeizuschaffen,
bedarf der Mensch der materiellen Mittel. Das Siechthum
des Körpers hat nothwendigerweise den Verfall des Geistes zur Folge.
Körperliches Wohlbefinden fördert die Thätigkeit des Geistes, wie anderseits
geistiges Vergnügen einen wohlthätigen Einfluss auf die körperliche
Maschine ausübt. „Mens sana in corpore sano“, lautet ein altes,
wahres Sprichwort. Die menschliche Vollkommenheit liegt in der gleichen
Energie der geistigen und körperlichen Kräfte.
Der vernünftige Idealismus erkennt die Außenwelt und ihren mächtigen
Einfluss auf das menschliche Leben an, schafft sich aber außer
der materiellen Welt ein geistiges Leben, erfasst die dem Menschen
angeborenen Ideen und ihre Macht, und idealisiert die Wirklichkeit.
Im Heerwesen finden wir eine harmonische Verbindung
des Idealismus und des Materialismus Purusa wird
mit Prakriti verbunden, durch deren Trennung nach der indischen
Mythologie alles Übel entstand. Hieran hat Napoleon I. gedacht, als er
schrieb: „Achilles war der Sohn einer Göttin und eines Sterblichen,
also besteht auch die Kriegführung aus einem göttlichen und irdischen
Theil.“ ²)
Letzterem gehören die Kriegsmittel an. Eine gute Bewaffnung,
Verpflegung und die numerische Stärke sind Hauptbedingungen für
einen glücklichen Erfolg im Kriege: Wir sehen daher, dass alle Militär-Staaten
Europas auf die Vermehrung ihrer Wehrkräfte und die Verbesserung
der Kriegsmittel bedacht sind. Alle Erfindungen auf dem Gebiete
der Naturwissenschaften werden für die Kriegführung verwertet
und der Kriegswissenschaft dienstbar gemacht. Führt ein Staat ein verbessertes
Gewehr oder neue Geschütze ein, so sehen wir, dass die andern
Staaten bald folgen, um nicht im Kriegsfalle durch die Kriegsmittel
übertroffen zu werden. Mangel an Sorgfalt in Bezug auf die
Vervollkommnung der Kriegsmittel wäre ein arger Fehler einer Militär-
¹) v. Stein, „System der Staatswissenschaften“, II. Bd., S. 98.
²) Sentz, „Zur Philosophie in den Militär-Wissenschaften“, Hermannstadt 1866,
Seite 13,