Contents : Zwischen Krieg und Frieden. Band 11. Das Deutsche Elend in London. (11)

verpachtet.  Einigen  Gefangenen,  die  nicht  einmal  ein  Hemd
besaßen,  wurde  von  den  anderen  wenigstens  mit  einer  Weste
und  einer  Hose  ausgeholfen.  Viele  gehen  noch  jetzt  barfuß.
Das  aus  Deutschland  gestiftete  Geld  zur  Verpflegung  der
Gefangenen  hat  die  Militaͤrverwaltung  zwar  zum  Ankauf
von  Stiefeln  und  Wollzeug  verwendet,  doch  muͤssen  die
Gefangenen  diese  Stiefel  fuͤr  12½  Schilling  das  Paar
sich  erst  wieder  kaufen.  Erkaͤltungen  machen  sich  fast  allge—
mein  geltend.

Wegen  der  mangelhaften  Ernährung  befurchten  die
deutschen  Arzte  außerdem  das  Ausbrechen  von  Hungertyphus,
  zumal  den  Gefangenen  zum  Feuermachen  nur  frisches
  Holz  aus  dem  Walde  geliefert  wird,  das  sie  nicht  in
den  Stall  nehmen  dürfen,  und  das  daher,  abgesehen  von
dem  Qualm,  der  den  Aufenthalt  an  den  Feuerstätten  fast
unmoglich  macht,  so  schlecht  brennt,  daß  es  an  einzelnen
Tagen  erst  gelang,  das  Feuer  für  das  Mittagessen  abends
um  8  Uhr  in  Gang  zu  bringen.  Beschwerden  darüber  wurden
  mit  Arrest  bestraft,  und  mit  dem  Bemerken,  daß  auf
Revolten  der  Tod  durch  Erschießen  stände.  Einige  Tage
blieb  man  ganz  ohne  Holz.  Auf  alle  Beschwerden  antworten
die  aufsichtfuhrenden  Subaltern-Offiziere  mit  Achselzucken.
Erwähnt  sei  noch,  daß  alle  Gefangenen  sich  auf  dem  Hof  an
zwei  Pumpen  waschen  mussen.

An  besonderen  Ereignissen  sind  zwei  Vorfälle  charakteristisch.
  Ein  mitinternierter  Pastor  aus  Magdeburg  hielt
eines  Sonntags  im  Stall  eine  Predigt  über  das  Thema:
„Gott  helfe  den  Deutschen  zum  Siege“  (das  stetige  Thema).
Als  es  ruchbar  wurde,  wurde  er  deportiert  nach  der  Insel
„Man“  (westlich  von  England),  auf  der  sich  etwa  6000  un-8