1. Die ständische Reaktion. 400
erkennung der neuen, solche Willkür ausschließenden Ordnung
zu vermögen, dann etliche Obersten zu beseitigen, die um die
Ahndung ihrer Unredlichkeiten und Gewaltthaten zu hindern,
sich der Reduktion gewaltsam widersetzen wollten. Dazu wurde
zunächst der Kriegsrat ausgelöst: neben Burgsdorf trat der
Oberst Ribbeck in den Geheimen Rat. Auch einer besonderen
Kriegskasse bedurfte man nicht mehr. Das Militärdepartement
hörte auf allen bürgerlichen Interessen übergeordnet
zu sein: ohne dies wären mit dem Lande die Soldaten selbst
bald dem Untergange verfallen gewesen. Doch traf die Reduktion
mehr Offiziere als Gemeine. Von ersteren war nämlich
unverhältnismäßig viel vorhanden, weil viele Obersten und
Hauptleute zwar Geld und Verpflegung für die volle Zahl der
von ihnen zu haltenden Truppen bekamen, thatsächlich aber
nicht so viel bei einander gehabt und sich so unredlich bereichert
hatten. Oberst Dietrich von Kracht drohte anfangs, sich der
Reduktion zu widersetzen, stellte dann unerhörte Bedingungen,
wurde aber bescheidener, als man eine Untersuchung wegen
Niederbrennung der Berliner Vorstädte (S. 394) einleitete.
Noch gefährlicher schien Moritz Augustus von Rochow. Als
Leuteschinder verrusen, hatte er einen Spandaner Geistlichen,
von dessen Warnungen vor Naub und Gewaltthat er sich getrossen
fühlte, eigenmächtig zur Verantwortung ziehen wollen
und nach des Herru Meisters Tod die militärischen Weisungen
der Geheimeräte als Narrheit verhöhnt. Jetzt berief er sich
auf den dem Kaiser geleisteten Eid, riet seinen Offizieren daraufhin
auch ihrerseits dem Kurfürsten nicht zu schwören, weigerte
den Gehorsam und drohte im Notfall Spandau in die Luft
zu sprengen. Cndlich wurde er in Arrest genommen. Sein
Appell an den Kaiser hatte keine Folge; als aber der wider
ihn angestrengte Prozeß eine üble Wendung nahm, sand er
Mittel und Wege zur Flucht. Auch der ähnlich kompromittierte
Oberstleutnant Hartmann Goldacker, der sich zudem in Schmähreden
gegen den Kurfüsten ergangen und einem wegen Mords
inhaftierten Edelmann zur Flucht verholsen hatte, ging mit
einem Haufen seiner Reiter auf und davon, um keaiserliche
Dienste zu nehmen. Nach längeren Verhandlungen entschloß sich