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Wirtemberg, so wenig sie auch bisher mit Ketzern zu streiten
gehabt, gleich die ersten Wirkungen der unter den Nachbarn
reggewordenen Wahrheit empfinden, der Wirtembergische Landmann
lief nach Eßlingen und Reutlingen, den neuen Prädicanten
zu hören, und dieser durchstreifte Dörfer und Städtchens
in der Nachbarschaft herum, sein Eifer ließ ihn auch
obrigkeitliche Edikte nicht fürchten. Wie das Volk aufgehorcht
haben mag, wenn einer, kam, der Herz] genug hatte
laut zu sagen, was ihm selbst manchmal in der Stille schon
eingefallen war — der große Herr Gott sey bloß Holz wie
alles Holz *), und die große Schwungfeder, welche der Ablaßkrämer
vor einigen Jahren als eine Feder aus dem Flügel
des Erzengel Michael gezeigt 7##), sey vielleicht von einem
gefundenen todten Raben gewesen. In Täöbingen hatte
man sogar bisher einmal über den Aristoteles gepredigt, und
auf den Städtecanzeln waren die Väter Franciscaner unerschöpflich
gewesen in Erzählung neuer wunderthätiger Geschichtchen,
deren Nutzanwendung für die Oekonomie des
Herru Paters und seines Klosters sehr leicht zu finden war.
Nun kamen aber ein paar von Eßlingen und Reutlingen
und Schwäbisch-Hall, freilich keine geschornen und keine gesalbten
Koͤpfe, vielleicht Tuchmachergesellen oder Webermeister,
doch so herzlich beredte und so fühlbar wahr sprechende
Menner, daß niemand mehr den Franciscaner sondern nur
den neuen Prüdicanten hoͤren wollte. Wöchentlich fielen sonft
zu Stuttgart für die vom Pabst der dasigen Stadtkirche
geschickten Indulgenzen wenigstens achtzig bis neunzig Gulden
Collecten, seitdem die neuen Prädicanten sich hören lies-*)
In Reutlingen hatten sie ein großes Leuzifr= bas hießen sie
den großen Herrn Gott.
% Crusii annal. P. III. L. 9. c. ib. p. 135.