— 3 — Erstes Kapitel.
Grundbegriffe.
§ 2,
Materielle Hoheitsrechte des Staates.
Es ist in der heutigen Theorie unbestritten, dass
die Staatsgewalt eine einheitliche ist, dass alle die unzähligen
Akte des Staates Ausfluss nur ein und desselben
Willens, des Staatswillens sind. Die Theorie ist nun
bestrebt, diese zahllosen und heterogenen Akte nach
bestimmten Kriterien zu ordnen, und es sind drei Gesichtspunkte,
von denen aus man die gesamte Staatsthätigkeit
betrachten und gliedern kann.
I. Man kann einmal zum Ausgangspunkt nehmen
die verschiedenen Zwecke, die der Staat zu erfüllen
strebt; so findet man die einzelnen Verwaltungszweige,
auf denen der Staat sich bethätigt, es sind dies: Militärverwaltung,
auswärtige Verwaltung, Finanzverwaltung,
Justizverwaltung und Kulturverwaltung, auch
innere Verwaltung, Verwaltung schlechthin genannt. Die
beiden letzteren Arten stellen den unmittelbaren Zweck
des Staates dar, während die drei ersteren nur Mittel
zum Zwecke sind, d. h. die Aufgabe haben, dem Staate
gegenüber auswärtigen und inneren Feinden die Mittel
zur Selbsterhaltung und ferner den äusseren Bedarf an
Sachgütern zur Erfüllung seiner Zwecke zu beschaffen.
Die Theorie hat diese Verwaltungszweige materielle
Hoheitsrechte genannt, es sind also zu unterscheiden:
Militär-, auswärtige-, Finanz-, Justiz-,‚Verwaltungshoheit.
Jedes einzelne Hoheitsrecht lässt sich wieder weiter
spalten nach den verschiedenen Aufgaben, die auf dem